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Papst kritisiert „Landbesetzung“ als Friedenshindernis

BARI / JERUSALEM, 08.07.2018 (TM) – Das Bauen von Mauern, das Besetzen von Land und religiöser Fanatismus sind nicht hilfreich, um einen Frieden im Nahen Osten zu erreichen. Das erklärte Papst Franziskus am Wochenende bei einem Treffen christlicher Leiter und Würdenträger im süditalienischen Bari, ohne Israel namentlich zu nennen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche trat für eine Zwei-Staaten-Lösung im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ein.

Der Nahe Osten leidet“

„Der Nahe Osten weint, leidet und schweigt, während andere auf diesen Ländern herumtrampeln auf der Suche nach Macht und Reichtum“, erklärte der Papst bei dem ökumenischen Friedensgebet in Bari. An dem Treffen nahmen 20 Patriarchen und Metropoliten der Ostkirchen teil. „Nur eine Verhandlungslösung zwischen Israelis und Palästinensern, die von der Gemeinschaft der Nationen nachdrücklich gewollt und gefördert wird, kann zu einem stabilen und dauerhaften Frieden führen und die Koexistenz zweier Staaten für zwei Völker gewährleisten“, unterstrich Franziskus.

Er kritisierte „Landbesetzungen, die die Völker auseinander reißen“, und verurteilte Waffenlieferungen, die Konflikte wie den in Syrien anheizten. Franziskus sprach von der „Nacht des Nahen Ostens, der mit dem Tode ringt“.

In vielerlei Sprachen – Hebräisch war nicht darunter – beteten die Teilnehmer des Gipfels um ein Ende der Konflikte und der Zerrissenheit in Nahost.

Jerusalem – Stadt für alle Völker“

Zu Jerusalem führte Franziskus aus: „Sehr bedrückt, aber nie ohne Hoffnung, richten wir unseren Blick auf Jerusalem, eine Stadt für alle Völker, eine einzigartige und heilige Stadt für Christen, Juden und Muslime auf der ganzen Welt. Jerusalems Identität und Berufung muss über die verschiedenen Streitigkeiten und Spannungen hinaus bewahrt werden und es ist unerlässlich, dass sein Status quo eingehalten wird gemäß den Beschlüssen der internationalen Gemeinschaft, was von den christlichen Gemeinschaften des Heiligen Landes wiederholt gefordert wurde.“ Der Vatikan hatte sich kritisch zur Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem geäußert. Israel betrachtet die Stadt als „unteilbare, ewige Hauptstadt“ des jüdischen Staates, während die Palästinenser Jerusalem als Hauptstadt von „Palästina“ betrachten, des von ihnen angestrebten eigenen Staates.

Anteil der Christen sinkt

Im Nahen Osten sinkt der Anteil der Christen an der Bevölkerung. Christen müssten gleichberechtigten Bürger sein, forderte der Papst. Deren reiche theologische, geistliche und künstlerische Tradition müsse bewahrt werden. In Israel leben rund 160.000 Christen, die meisten davon sind arabische Israelis im Norden des Landes. Rund 50.000 palästinensische Christen gibt es in Bethlehem, Ramallah und den östlichen Stadtteilen Jerusalems. Bethlehem war früher mehrheitlich christlich, heute ist die Stadt muslimisch dominiert. Im Gazastreifen hat die Zahl der Christen stetig abgenommen, seit die islamistische Hamas 2007 an die Macht gekommen ist.

Während die Christen in Israel relativ sicher leben, werden aus Ägypten, dem Irak und Syrien schwere Übergriffe gegen die christlichen Minderheiten gemeldet.

Bild: Papst Franziskus bei einem Besuch in Bethlehem im Mai 2014. Foto: Sliman Khader / Flash90

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