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Arabische Beerdigung sorgt für Riesenärger

UMM AL-FAHM, 22.08.2018 (TM) – Ahmad M. wurde erschossen, als er am Löwentor in der Jerusalemer Altstadt mit einem Messer auf einen Polizisten losging. Der 30-jährige Araber ist in seiner Heimatstadt Umm al-Fahm (Foto) beigesetzt worden. Seine Beerdigung sorgt für jede Menge Aufregung und Ärger bei seiner Familie, bei der Polizei und sogar beim Verteidigungsminister.

Streit gab es schon vor seinem Weg zur letzten Ruhestätte: Die Familie des Getöteten behauptete, Ahmad sei psychisch krank gewesen und habe nicht aus politischen Gründen gehandelt. Es hätte gereicht, ihm ins Bein zu schießen, die Polizei hätte seinen Tod vermeiden können. Die Ordnungshüter sahen das ganz anders: Ahmad habe zugestochen und sofort noch einen weiteren Angriff ausführen wollen, deshalb seien die tödlichen Notwehr-Schüsse gerechtfertigt.

Beerdigung wird zur Anti-Israel-Demo

Die Familie bekam die Genehmigung, Ahmad in seiner Heimatstadt beizusetzen (53.000 Einwohner, fast ausschließlich Araber, die Stadt liegt südwestlich von Nazareth, unmittelbar an der Grenze zum sogenannten Westjordanland). Die Behörden setzten strenge Auflagen fest, unter anderem wurden maximal 150 Beerdigungsgäste erlaubt.Tatsächlich kamen laut einem Fernsehbericht zehnmal so viele, was der Familie nun eine polizeiliche Untersuchung und Strafandrohung von 50.000 Schekeln (knapp 12.000 Euro) einbrachte.

In der israelischen Öffentlichkeit sorgte der Ablauf der Beerdigung für Empörung. Hunderte Araber – israelische Staatsbürger! – schwenkten Palästinenserflaggen und riefen: „Im Geist und mit Blut werden wir den Märtyrer rächen.“ Das brachte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman auf die Palme. Der erneuerte seinen höchst umstrittenen Vorschlag, um die arabische Stadt los zu werden: Umm al-Fahm soll künftig zu „Palästina“ gehören, dafür sollen im Tausch jüdische Siedlungen in Judäa und Samaria ins israelische Staatsgebiet eingegliedert werden. Lieberman hatte schon früher behauptet, die Bewohner einiger arabischer Städte in Israel hätten sich mit den Palästinensern verbündet und würden Israels Existenzrecht bestreiten.

Muslime sauer auf Lieberman

Doch die arabischen Israelis sind legitime Staatsbürger. 1,562 Millionen Muslime machen aktuell 17,8 Prozent der israelischen Bevölkerung aus. Entsprechend sauer reagierte der Knesset-Abgeordnete Yousef Jabareen (Vereinigte Arabische Liste): „Wenn Lieberman Wahlen riecht, wiederholt er seine rassistische und faschistische Hetze gegen die Araber im allgemeinen und die Einwohner von Umm al-Fahm im besonderen. Sein Tauschplan ist doch nur ein anderes Wort für ethnische Säuberung. Dass sich ein führender Minister Israels wiederholt gegen die eigenen Staatsbürger wendet zeigt, wie ernst die Situation ist.“

Ob Ahmad M. bei seinem Messerangriff tatsächlich keine politischen Motive hatte, ist ungeklärt. Aber seine Tat hat weit größere politischen Folgen als er sich das wohl vorgestellt hat.

Bild: Die israelisch-arabische Stadt Umm al-Fahm sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Foto: معتز توفيق اغبارية / Wikipedia

Fokus Jerusalem berichtete:

Messerangriff auf Polizisten in Jerusalemer Altstadt – Polizeivideo zeigt die Attacke

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