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Schatz mit Goldmünzen in Caesarea gefunden

von Ulrich W. Sahm

CAESAREA / JERUSALEM, 04.12.2018 – In der alten römischen Hafenstadt Caesarea hat im Jahr 1101 Panik geherrscht. Die Kreuzfahrer waren angerückt, um die Stadt zu erobern. Der Bewohner eines Hauses aus der Abassiden-Zeit schnappte sich einen Bronzetopf mit Keramikdeckel, um darin sein ganzes Vermögen zu sammeln: Goldmünzen und einen goldenen Ohrring. Damit die wertvollen Münzen nicht herausfallen, legte er noch einen Keramikdeckel drauf, ehe er den Schatz in eine Nische in einem Wasserloch gut versteckte. Was mit dem Hausbesitzer dann passierte und wie er geheißen hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls kam er nie zurück, um sein Vermögen wieder aus dem Wasserloch hervorzuholen.

Goldschatz 900 Jahre alt

Erst jetzt, 900 Jahre später, entdeckten Archäologen zwischen zwei Steinen den seltenen Schatz: 24 kostbare Goldmünzen und den Ohrring. Die Forscher verglichen den Fund mit Abbildungen von Münzen aus der Zeit und konnten sie identifizieren. Dank der Goldstücke konnte auch der Zeitraum datiert werden, in dem der Schatz versteckt worden ist: eine konvexe Goldmünze „nomisma histamenon“ des byzantinischen Kaisers Michael VII. Doukas (1071 – 1079 n. Chr.) und eine Goldmünze „nomisma“ des byzantinischen Kaisers Romanos III. (1028 – 1034 n. Chr.). Eine oder zwei dieser Goldmünzen entsprachen dem Jahresgehalt eines einfachen Bauern. Der wohlhabende Besitzer scheint an internationalem Handel beteiligt gewesen zu sein, zumal einige Münzen in Caesarea nicht im Umlauf waren, sondern aus fernen Ländern stammten.

Fund beweist Eroberung durch Kreuzritter

Die Grabungsleiter Dr. Peter Gendelman und Mohammed Hatar von der israelischen Antikenbehörde erklärten: „Die Münzen stammen vom Ende des elften Jahrhunderts und ermöglichen es, den Schatz mit der Eroberung der Stadt durch die Kreuzritter im Jahr 1101 zu verbinden, einem der dramatischsten Ereignisse in der mittelalterlichen Geschichte der Stadt. Zeitgenössischen schriftlichen Quellen zufolge wurden die meisten Einwohner von Caesarea von der Armee von Baldwin I. (1100-1118), dem König des Kreuzritterreichs Jerusalem, massakriert. Es ist anzunehmen, dass der Besitzer des Schatzes und seine Familie bei dem Massaker ums Leben kamen oder in die Sklaverei verkauft wurden und daher nicht in der Lage waren, ihr Gold zurückzuholen. Der Hort ist ein stiller Beweis für eines der dramatischsten Ereignisse in der Geschichte von Caesarea – die gewaltsame Eroberung der Stadt durch die Kreuzritter. Jemand versteckte sein Vermögen und hoffte, es zurückzuholen – aber er kam nie zurück.“
Im Mittelpunkt der Ausgrabungs- und Konservierungsaktivitäten des Caesarea-Projekts steht die Fassade des alten zentralen öffentlichen Gebäudes der Stadt. Es war Teil einer Anlage, die König Herodes vor mehr als zwei Jahrtausenden seinem römischen Gönner, Kaiser Augustus, und der Göttin Roma gewidmet hatte. Der neu entdeckte Schatz wurde in dieser Gegend gefunden, unterhalb der Westfassade des herodischen Tempels.

Sonderausstellung an Chanukka

Der zufällige Fund wurde wenige Tage vor dem jüdischen Lichterfest Chanukka gemacht, das in diesem Jahr in die Adventszeit fällt. Aus dem Anlass wurde im alten Hafengelände eine Sonderausstellung vorbereitet. Dabei werden die Goldmünzen den zahlreichen Besuchern des populären Nationalparks während der Feiertage präsentiert. Diese wichtige Entdeckung wurde in der Nähe des Fundortes von zwei weiteren Schätzen aus der gleichen Zeit gefunden. Der erste, ein Topf aus Gold- und Silberschmuck, wurde in den 1960er Jahren entdeckt. Die zweite, eine Sammlung von Bronzegefäßen, wurde in den 90er Jahren gefunden. Diese Schätze sind derzeit im Israel Museum in Jerusalem ausgestellt.

Foto: Clara Amit / Israelische Antiquitätenbehörde

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