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Iranische Computerprogramme versuchen israelische Wahlen zu beeinflussen

TEL AVIV / TEHERAN, 01.02.19 (FJ) – Der Iran steht hinter hunderten von Fake-Profilen in den sozialen Medien, durch welche versucht wird Einfluss auf die israelischen Wahlen im kommenden April zu gewinnen. Die Profile werden von so genannten Bots betrieben, also Computerprogrammen, die mit den Menschen im Netz interagieren ohne dabei auf direkte Steuerung angewiesen zu sein. Die Bots wurden eingesetzt, um die politischen Spannungen innerhalb der israelischen Bevölkerung zu vergrößern. Es galt eine Radikalisierung des politischen Diskurses im Netz voranzutreiben, laut einem Bericht des US-amerikanischen Technologieunternehmens Vocativ.

Fake-Profile haben eine Reichweite von 500.000 Israelis pro Monat

Vocativ, gegründet vom israelischen Unternehmer Mati Kochavi, verzeichnete in den letzten zwei Monaten einen deutlichen Anstieg von iranischen Profilen, die sich an Online-Diskussionen über Israel beteiligten. Die Debatten erreichten auch in etwa eine halbe Million Israelis. Zu den Themen gehörten sexuelle Belästigung in Israel, Kritik an Premierminister Benjamin Netanyahu, soziale Ungleichheit, antidemokratische Gesetze, Armut, und Gewalt gegen Frauen. Das Technologieunternehmen schätzt, dass es sich in etwa um 350 eingerichtete Profile handelt. Nach Angaben des Berichts verfügen diese über eine potenzielle Reichweite von 500.000 Israelis pro Monat.

Netanyahu äußerte sich auf einer Cybertech-Konferenz in Tel Aviv am Dienstag, dass der Iran Israel täglich angreife. „Wir überwachen diese Angriffe und vereiteln sie. In den letzten 24 Stunden hat der Iran gesagt, er werde uns zerstören und mit Raketen auf unsere Städte zielen. Diese Drohungen beeindrucken uns nicht.”

EU warnt vor iranischen Cyberattacken

Die Aktivitäten der iranischen Bots  auf den Fake-Profilen wurden mit den Nachrichten einer Webseite verlinkt, die sich Countdown 2040 nennt. Dies spielt auf eine Aussage des politischen und religiösen Oberhaupts der islamischen Republik an, welcher eine Zerstörung Israels im Jahr 2040 voraussagte. Nur 50 der identifizierten Fake-Profile waren vor der Ankündigung der Knesset-Wahlen im Dezember in Betrieb. 300 erschienen unmittelbar danach. Die Aktivitätsrate der bestehenden Konten stieg um über 750 Prozent.

Ein Forscher des Unternehmens Vocativ erklärte, der Iran habe in den letzten Jahren seine Online-Präsenz massiv ausgeweitet um seine politische Agenda voranzutreiben. Auch die EU-Cyber-Sicherheitsagentur warnte vor wachsenden elektronischen Angriffen von Seiten der Iraner, aufgrund der sich verschlechternden Beziehungen mit Europa und den US-Staaten.

Foto: Illustration eines Hackers. Quelle: pixabay/ kalhh

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