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Orthodoxe Ingenieure in der Armee

JERUSALEM, 09.03.2022 (MS) – Viele Ultra-orthodoxe (Charedim) sehen im Dienst in der israelischen Armee eine Gefahr für ihren religiösen Lebenstil. Während die säkularen Israelis die Armee als „Schmelztiegel der Nation“ preisen, der alle Teile der Gesellschaft vereint, ist es genau dieser Aspekt, der den Charedim Angst macht. Die Jugendlichen könnten während des Armeediensts den Verlockungen des weltlichen Lebens nachgeben und aufhören, ein gottgefälliges Leben zu führen, so die Argumentation vieler charedischer Rabbiner.

Für das Leben lernen

Ein orthodoxer Teenager, der trotz dieser Bedenken in der Armee dienen will, entscheidet sich meistens für den Dienst in einer Kampfeinheit und es gibt nicht wenige Charedim, die das tun, aktuell etwa 2400. Es scheint sich nun ein neuer Trend in diesem Bereich zu entwickeln, denn immer mehr Charedim entscheiden sich für Bereiche der Armee, die nicht direkt in einem Kampfeinsatz enden. Dazu gehört die Cyber-Abwehr, verschiedene Ingenieurstellen, Mechaniker und vieles mehr. Für die 18 bis 21 jährigen jungen Männer bedeutet der Armeedienst in solch einer Einheit, dass sie sehr wichtige und einmalige Arbeitserfahrung sammeln können. Viele israelische Technologieunternehmen zum Beispiel wurden von Spezialisten gegründet, die in der Armee zusammen gedient und gearbeitet haben.

Besonders auffällig wurde dieser Trend in der aktuellen Klasse der neuen Rekruten der Luftwaffe, die als Ingenieure und Mechaniker tätig sein werden. Hier hat die Zahl der Charedim einen neuen Rekordstand erreicht. Obwohl es diesen Lehrgang, der speziell für Charedim zugeschnitten wurde, bereits seit 11 Jahren gibt, beginnen diese erst jetzt ihn in zunehmendem Maße zu nutzen.

Einstiegschancen durch die Armee

Nicht nur die die Armee, auch die Israels Wirtschaft ist immer auf der Suche nach den talentiertesten Köpfen des Landes. Es fehlt in der Start-Up Nation an Programmierern und vielen anderen Spezialisten und die Regierung verabschiedet regelmäßig Anreizprogramme für Charedim und Araber, um diese in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Sie könnten die hohe Nachfrage befriedigen und die Armee könnte Juden und Araber auf den Einstieg in die Geschäftswelt vorbereiten.

Die Charedim und Araber sind auch die zwei ärmsten Bevölkerungsteile des Landes, sie sollten eigentlich froh über die Chancen sein, die die Armee ihnen bietet. Sie müssen jedoch zuerst ihr Misstrauen gegenüber dem israelischen Staat ablegen und das scheint ihnen sehr schwer zu fallen.

Titelbild: Warum können wir nicht einfach alle Freunde sein? Yaakov Naumi/Flash90.

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