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Gewalt in Israels arabischen Dörfern: Polizei entdeckt Waffenlager

JERUSALEM, 13.10.2019 (DK) – Die israelische Polizei hat bei einer Razzia ein illegales Waffenlager in dem israelisch-arabischen Dorf Ar’ara aufgedeckt und 13 Verdächtige festgenommen. Die Entdeckung erfolgte nur wenige Stunden nachdem der 21-jährige Mohammed Hamdan in demselben Ort ermordet aufgefunden wurde. Er ist bereits das 74. Opfer mutwilligen Mordes in israelisch-arabischen Gemeinden dieses Jahr. Die Bewohner leben nach eigenen Angaben in ständiger Angst, da sich die Gewalt in den vergangenen Monaten drastisch verschärfte. Es wurden bereits mehrfach Menschen auf offener Straße erschossen. Den israelischen Sicherheitskräften wird vonseiten der Minderheit Untätigkeit vorgeworfen und bei wöchentlichen Demonstrationen fordern sie ein härteres Durchgreifen. Israelische Araber machen insgesamt ein Fünftel der Bevölkerung des jüdischen Staates aus.

In einer Erklärung teilte die Polizei mit, dass sie „die Maßnahmen gegen den Besitz und den Einsatz illegaler Waffen als Teil des Kampfes gegen die schwere Gewalt in der arabischen Gemeinschaft und für die Sicherheit der normativen Öffentlichkeit“ ansehen. Nach Angaben der israelischen Armee, wurden 19 Pistolen, fünf Kalaschnikow-Gewehre und Munition beschlagnahmt. Die Polizei fahndet weiter nach Stützpunkten des organisierten Verbrechens in der Region.

Viele fallen Bandenkriminalität oder Familienfehden zum Opfer

Der in Ar’ara tot aufgefundene Mohammed Hamdan fiel vermutlich, wie in den meisten Fällen, Bandenkriminalität oder einer Fehde zwischen Familienclans zum Opfer. Da oftmals weder Vertrauen zum Staat noch zur Polizei vorherrscht, übernehmen Familien immer wieder eine Art „Familiengesetz” und tragen selbst ihre Streitigkeiten aus.

Am Donnerstag führten arabische Politiker einen Protestkonvoi auf einer Schnellstraße zwischen Majd al-Krum und Jerusalem an, wo sie sich mit dem Minister für öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan, und dem Polizeichef Motti Cohen trafen. Erdan versprach, 600 Beamte für die Aufklärung von Gewaltverbrechen einzusetzen. Nach den Verhandlungen in Jerusalem sagte der Vorsitzende der arabischen Partei „Gemeinsame Liste“, Ayman Odeh, es sei „ein wichtiges Treffen, aber unsere Hauptforderung ist eine Regierungsentscheidung und ein weitreichender Plan zur Beseitigung von Gewalt und Kriminalität in der arabischen Gesellschaft.”

Lange Zeit keine polizeiliche Aufsicht in arabischen Gemeinden

Bei einem Interview im israelischen Fernsehen gab Erdan zu, dass in den israelisch-arabischen Städten jahrelang „keine Polizeistationen eingerichtet und keine Polizisten zugeteilt wurden“, um die Gewalt einzudämmen. Er sagte, dass er das Thema seit seinem Amtsantritt „ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt“ habe, meinte aber auch, er sei „frustriert darüber, dass wir nicht auf Kooperation gestoßen sind und das mangelnde Vertrauen weiter besteht“.

Bild: Waffen eines von der israelischen Armee und Polizei entdeckten Lagers in Ar’ara. Quelle: IDF

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