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Besuch in Teheran könnte Hamas teuer zu stehen kommen

RAMALLAH, 09.01.2020 (TPS/DK) – Ägypten und Saudi Arabien haben die Teilnahme einer Delegation der Terrororganisation Hamas an der Beerdigung des Befehlshabers der iranischen Revolutionsgarde, Qassem Soleimani, verurteilt. Hamas-Chef Ismail Haniyya bezeichnete Soleimani als einen „Shahid al Quds“, einen Märtyrer Jerusalems. Dieser Kommentar wurde von den sunnitisch-arabischen Staaten, einschließlich der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), scharf kritisiert. Der Besuch könnte die Delegation aus dem Gazastreifen nun teuer zu stehen kommen.

Haniyya verärgert Ägypten und Saudi-Arabien

Ein Beamter der PA erklärte gegenüber der israelischen Nachrichtenagentur TPS, dass Ägypten Haniyya die Ausreise unter der Bedingung erlaubt habe, dass er nicht in den Iran fliegen werde. Nun da der Hamas-Anführer gegen die Abmachung verstoßen hat, wird erwartet, dass Ägypten streng durchgreift. Der Nachbarstaat hielt Haniyya schon seit längerem davon ab, den Gazastreifen zu verlassen. Zudem hat Saudi-Arabien bereits seit mehreren Monaten Dutzende Hamas-Aktivisten in Gewahrsam genommen. 

Der Journalist Majed Abdel Hadi schrieb in einem Bericht für die Zeitung Al-Jazeera, dass Haniyya den iranischen General als einen „Märtyrer der Hamas“ und nicht als einen „Märtyrer Jerusalems“ hätte bezeichnen sollen, da „die Heiligen Jerusalems in ihren Toren leben und nicht in persischen Imperialkriegen sterben“. In den sozialen Netzwerken machen sich viele sunnitische Bewegungen über die Hamas lustig und kritisieren ihre Annäherung an die schiitisch-muslimische Welt. Häufig lautet die Frage: „Welcher Ismail regiert die Hamas?“ Haniyya oder der neue Befehlshaber der Iranischen Revolutionsgarde, Ismail Qa’ani?

Hamas will sich finanzielle Unterstützung aus dem Iran zusichern

Der PA nahestehende Journalist Ziad Al Ayubi schrieb in einem Artikel für ein saudisches Tagesblatt, dass die Hamas nicht die palästinensische Position vertrete. Er erklärte, dass die Terrororganisation nur an der Beerdigung teilgenommen habe, um sich die finanzielle Unterstützung Teherans zuzusichern. Der Geheimdienst Ramallahs beobachtet die Aktivitäten der Hamas seit geraumer Zeit mit Argusaugen. Es wird befürchtet, dass der Iran die Regierung des Gazastreifens massiv aufrüsten will. Doch weder Ägypten, noch Saudi-Arabien, beides Zentren der sunni-islamischen Welt, werden diese Entwicklung tatenlos mit ansehen. Al Ayubi ist überzeugt, dass die Hamas ihren Besuch in Teheran bereuen wird. 

Bild: Ismail Haniyya im September 2019 bei einem Treffen der Hamas. Quelle: Majdi Fathi/TPS

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