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Israelische Polizei nimmt Sektenführer fest: Dutzende Frauen wie Sklaven gehalten

JERUSALEM, 14.01.2020 (DK) – Die israelischen Sicherheitskräfte haben den mutmaßlichen Anführer einer Sekte festgenommen, der im Zentrum Jerusalems mit 50 Frauen und Kindern lebte. Der 60-Jährige soll die Frauen in sklavenartigen Zuständen gehalten haben. Laut Zeugenaussagen ehemaliger Mitglieder der Gemeinschaft, wurden die Frauen sowohl sexuell misshandelt als auch bestohlen. Bei der Gruppierung handelt es sich um eine streng religiöse, jüdische Strömung. Die Polizei nahm zudem acht Frauen fest, welche unter dem Verdacht stehen dem Rabbiner der Gemeinschaft geholfen zu haben.

Polizei leitet Ermittlungen wegen mutmaßlichen Kindesmissbrauchs ein

Die Anlage der Gemeinschaft besteht aus drei Gebäuden. Auf den Videos der Polizei sind heruntergekommene Räumlichkeiten zu sehen, die mit Stockbetten und Plastiktischen ausgestattet sind. Die dort wohnenden Frauen waren von der Gesellschaft und ihren eigenen Familien völlig isoliert. Nur nach Genehmigung des Sektenanführers soll ihnen die Arbeit außerhalb der Gemeinschaft erlaubt worden sein. Auch ihre Kinder lebten abgeschottet von der Außenwelt, da die Sekte ihren eigenen Kindergarten besaß. Die Polizei wird nun Ermittlungen anstellen, ob auch ein Fall sexuellen Kindesmissbrauchs vorliegt. 

Frauen mussten Einkünfte an Rabbiner abtreten

Die Gemeinschaft bestand unter dem Vorwand, ein religiöses Seminar für Frauen zu sein. Ihre Einkünfte mussten nach Angaben ehemaliger Mitglieder an das Oberhaupt abgegeben werden. Der Rabbiner soll scheinbar verschiedene Methoden angewandt haben, um die Frauen nach ihrer Ankunft einzuschüchtern. Unter anderem sollen sie, gemeinsam mit ihren Kindern, gezwungen worden sein ihre Hände zu verbrennen, um zu spüren „wie sich die Hölle anfühlt“. Der Rabbiner habe zu sämtlichen Vorwürfen dieser Art bei seiner Festnahme gesagt: „Keiner glaubt, dass das wahr ist.“

Die Leiterin der Frauenorganisation Na’amat, bezeichnete den Fall als „entsetzlich“ und sagte, es sei „unvorstellbar, dass eine solche Albtraumgemeinschaft in Israel vor den Augen der Behörden existieren kann. Dutzende von Frauen und Kindern wurden ausgebeutet.“ Sie forderte eine gründliche Untersuchung des Falls, „um mögliche Fehler zu finden, die dieses anhaltende Verbrechen ermöglichten“.

Bild: Der mutmaßliche Anführer einer religiös-jüdischen Sekte in Jerusalem am 13.01.2020. Quelle: Yonatan Sindel/Flash90

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