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Feiertage in Corona-Zeiten: An die Klagemauer per Losverfahren

JERUSALEM, 17.09.2020 (DK) – Jedes Jahr um diese Zeit strömen Tausende von Menschen nachts an die Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt. Es ist die Zeit der Reue und Buße im jüdischen Kalender. Vor dem Anbruch des jüdischen Neujahrs und dem Versöhnungstag wollen die Gläubigen ihre Angelegenheiten mit dem Allmächtigen ins Reine bringen. Doch selbst dieses alte Ritual bleibt von der Corona-Pandemie dieses Jahr nicht unberührt. Wer sich zu Bußgebeten an der heiligsten jüdischen Stätte versammeln darf, wird diesmal per Losverfahren entschieden. 

Organisation verlost jeden Tag 2.500 Tickets für Bußgebete

Die Western Wall Heritage Foundation hat insgesamt 2.500 Tickets für die gemeinsamen Bußgebete zwischen 11 Uhr und 1 Uhr nachts verlost, um unnötiges Gedränge zu vermeiden. Zum Vergleich: Vergangenes Jahres hatten 100.000 Menschen das Ereignis besucht. Um ein faires Auswahlverfahren zu gewährleisten, werden die Namen wie bei einer Lotterie gezogen. Menschen deren Namen nicht ausgewählt werden, können dennoch vor dem Eingang warten, bis ein Platz an der Mauer frei wird.

Der Veranstaltungsleiter der Western Wall Heritage Foundation, Daniel Yom Tov, erklärte gegenüber den Medien, dass dies nach jüdischer Tradition die Zeit ist, in der der Himmel am empfänglichsten für Gebete ist. „Aus diesem Grund war dieser gesamte Platz zu normalen Zeiten voller Menschen“, fügte er hinzu. Auch viele Juden aus dem Ausland verbringen die hohen Feiertage normalerweise in Israel. Dieses Jahr ist die Altstadt allein deshalb deutlich leerer, da die Grenzen für Touristen geschlossen sind. 

Lockdown schränkt religiöses Leben in Israel ein

Ab morgen Abend ist es Menschen die mehr als 500 Meter von der Klagemauer entfernt leben, nicht mehr erlaubt den Ort zu besuchen. Israels Regierung hat aufgrund der rasant steigenden Infektionszahlen einen dreiwöchigen Lockdown verhängt. Am Dienstag verzeichnete das Land einen Rekord von 5.500 Neuinfektionen innerhalb eines Tages. Die neuen Einschränkungen sind bei der religiösen Bevölkerung und bei Kleinunternehmern, die ihre Geschäfte nicht weiter betreiben können, auf viel Widerstand gestoßen. Da die ersten Krankenhäuser allerdings melden, nicht mehr Corona-Patienten aufnehmen zu können, sah sich die Regierung gezwungen, die Notbremse zu ziehen.

Bild: Religiöse Juden beten in abgetrennten Bereichen an der Klagemauer. Quelle: Yonatan Sindel/Flash90

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