zurück zu Aktuelles

Ritualbad aus der Tempelzeit in Nordisrael entdeckt

JERUSALEM, 05.10.2020 (TPS/TM) – Eine 2000 Jahre alte Mikwe, ein Ritualbad, ist kürzlich von Archäologen der israelischen Altertumsbehörde (IAA) bei Grabungen entdeckt worden. Diese bedeutende Entdeckung lieferte erstmals Beweise für jüdische Gehöfte in Galiläa zur Zeit des Zweiten Tempels. Arbeiter waren bei Bauarbeiten für eine große Fernstraßen-Kreuzung auf die Mikwe gestoßen und hatten die Fachleute hinzu gerufen.

Abd Elghani Ibrahim und Dr. Walid Atrash, Direktoren der Ausgrabung im Auftrag der IAA, erläuterten, dass die Existenz der Mikwe „eindeutig darauf hindeutet, dass die Bewohner der alten Farm Juden waren, die eine religiöse und traditionelle Lebensweise führten, und Reinheit als Tora-Gebot bewahrten.“ Der Besuch der Mikwe sei für Juden heute noch so wichtig wie vor zwei Jahrtausenden. Laut Ibrahim und Atrash ändert die Entdeckung „das, was wir über den Lebensstil der Juden in der Zeit des Zweiten Tempels wussten“.

Bis zu dieser Entdeckung waren keine jüdischen Bauernhöfe in Galiläa gefunden worden. Deshalb hatte man vermutet, dass Juden unter der römischen Besatzung im Norden Israels keine Bauernhöfe außerhalb der Dörfer oder Städte bewirtschafteten. Die Entdeckung des Gehöfts in einiger Entfernung vom Dorf Shikhin und der großen jüdischen Stadt Zippori (Sepphoris) zeigt jedoch, dass sich Juden auch in Gehöften niederließen. Möglicherweise lieferten sie Produkte wie Wein und Olivenöl nach Zippori.

Ungefähr 1700 Jahre sind vergangen, seit die Farm bei einem Erdbeben zerstört wurde, und ungefähr 1400 Jahre, seit das Gelände endgültig aufgegeben wurde.

Mikwe in Kibbuz verlegt

Um die Mikwe zu erhalten und von der Baustelle zu entfernen, wurde beschlossen, sie in den nahe gelegenen Kibbuz Hannaton zu verlegen und sie dort in der Nähe einer modernen Mikwe zu platzieren. Der Transport war aufwändig: Die Mikwe, die ungefähr 57 Tonnen wiegt, wurde zuerst von allen Seiten freigelegt, vom Grundgestein gelöst und mit einem Stahlkäfig umgeben, um sie zu schützen und das Heben zu ermöglichen.

Annat Harrel vom Kibbuz Hannaton unterstrich, dass die antike Mikwe den Kibbuz-Mitgliedern viel bedeute: „Wir sind begeistert“, sagte sie. „Sie steht jetzt nur 20 Meter von unserer aktuellen Mikwe entfernt. Unser Motto lautet: ‚Das Alte erneuern und das Neue heiligen“. Wir haben das Gefühl, dass wir es wirklich getan haben, wir haben etwas sehr Altes genommen und erneuern es … Wir planen, die historische Mikwe wieder nutzbar zu machen.“

Rituelles Tauchbad

Die Mikwe ist ein rituelles Tauchbad, dem in den jüdischen Gemeinden eine hohe Bedeutung zukommt. Fast jede Gemeinde ist im Besitz eines solchen Tauchbades, das nur mit Wasser natürlichen Ursprungs (Quell-, Grund- oder Regenwasser) gefüllt werden darf. Das rituelle Tauchbad hat seine Ursprünge in der Zeit der Propheten und der Sinn besteht darin, den Menschen beziehungsweise einen Gegenstand im kultischen Sinne zu reinigen. 

Bild: Die freigelegte Mikwe wird mit schwerem Gerät von der Baustelle abtransportiert. Foto: Screenshot IAA

Weitere News aus dem Heiligen Land