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Coronakrise: Bankrottes Schuhgeschäft in Tel Aviv gibt Ware gratis an Passanten

TEL AVIV, 14.10.2020 (DK) – Ein Schuhgeschäftbesitzer aus Tel Aviv hat alle Ware gratis an Passanten verteilt, nachdem der aktuelle Lockdown sein Geschäft endgültig in den Ruin trieb. Überall auf den sozialen Medien verbreitete sich das Video wie ein Lauffeuer. Fußgänger hielten vor dem Laden an und suchten nach Schuhen in ihrer passenden Größe. Für viele Israelis ist die Szene zum Symbol für die Verzweiflung vieler Kleinunternehmer im Land geworden, welche aufgrund der strengen Corona-Regelungen vor der Pleite stehen. 

„All dies ist durch geistige und finanzielle Verzweiflung verursacht worden“, sagte Eigentümer Avi Samay und wies mit einer Geste auf den leer geräumten Laden. Der 38-Jährige ist Vater von drei Kindern und lebt in der nahe gelegenen Stadt Holon. „Wenn ich alles verlieren werde, sollten zumindest andere davon profitieren“, erklärte er niedergeschlagen. „Ich werde den Laden schließen und mich nach einem Job wie die anderen eine Million Arbeitslosen umsehen“, fügte er hinzu. Zuerst hatten die Behörden ein Bußgeld von 5000 Schekel für Samays Aktion gefordert. Die Strafe wurde jedoch nachträglich zurückgezogen.

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Passanten in Tel Aviv stürzen sich auf die verschenkten Schuhe.

Bevölkerung verliert Vertrauen in Corona-Politik der Regierung

Der junge Familienvater ist nicht der einzige Geschäftsinhaber, der unter den wirtschaftlichen Konsequenzen des nun bereits seit einem Monat anhaltenden Lockdowns leidet. Am 18. September verhängte die israelische Regierung eine allgemeine Ausgangssperre, um die drastische zweite Welle der Corona-Pandemie im Land einzudämmen. Doch viele Bürger lehnen die auferlegten Einschränkungen ab. Überall im Land kam es regelmäßig zu Protesten und Zusammenstößen mit der Polizei. Weder bei den Massendemonstrationen gegen Premierminister Benjamin Netanjahu, noch in den ultraorthodoxen Gemeinden wurde den Regelungen viel Beachtung geschenkt.

Kleinunternehmer wollen Läden entgegen der Vorschriften wieder öffnen

Das Gesundheitsministerium hat kürzlich einen Vier-Monats-Plan zum schrittweisen Ausstieg aus der Coronakrise vorgestellt. Doch Hunderte Unternehmer haben sich nun zu einer Protest-Allianz zusammengeschlossen: Sie wollen geschlossen gegen die Corona-Maßnahmen vorgehen, in dem sie ihre Geschäfte offen lassen und gegebenenfalls die Zahlung von Bußgeldern verweigern. Die vom Staat geschnürten Hilfspakete waren bislang nicht in der Lage, die finanzielle Not der Betroffenen ausreichend zu lindern.

Bild: Schuhladen in der Scheinkin Straße in Tel Aviv. Quelle: Harari Isaac/Flash90

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