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Netanjahu will im Wahlkampf verstärkt um Stimmen von Arabern werben

UMM AL-FAHM, 03.01.2021 (TG) – Premierminister Benjamin Netanjahu plant eine starke Wahlkampagne, um arabische Wähler zu gewinnen. Das hat er bei einem Besuch in der arabisch-israelischen Stadt Umm al-Fahm bekannt gegeben. Netanjahu verstehe nicht, warum die arabischen Staatsbürger „kein Teil von Israels Erfolgsgeschichte sind“. Dies möchte der Regierungschef ändern. Er hofft auf zwei zusätzliche Sitze für seine Likudpartei durch arabische Wählerstimmen. 
Im arabischen Sektor wurden sein Besuch und seine Wahlkampagne nicht begrüßt. 

Arabische Bevölkerung mit „großem Potenzial“

Die arabische Bevölkerung, die etwas mehr als 20 Prozent der israelischen Bevölkerung ausmacht, fühlt sich von Netanjahu im Stich gelassen. In ihren Städten und Gemeinden spielen seit Jahren Gewalt und fehlende Infrastruktur eine große Rolle. Arabische Parteien und zivile Organisationen werfen der Regierung vor, diese Probleme nicht in den Griff zu bekommen. Zudem wird Netanjahu von vielen arabischen Bewohnern als Rassist angesehen. „Wir haben seine Aussagen und seine Politik uns gegenüber nicht vergessen. Netanjahu sieht uns Araber als Feinde an“, erklärte ein Anwohner der Stadt, Mahmoud Adib Aghbaria, „er ist hier nicht willkommen“. Netanjahu hatte im voran gegangenen Wahlkampf vor einem drohenden Machtgewinn der Araber gewarnt. 
Bei seinem Besuch äußerte der Premierminister die Hoffnung auf mehr politische Zusammenarbeit. Er sieht in der arabischen Bevölkerung ein „großes Potenzial“. Netanjahu schloss nicht aus, bei den kommenden Wahlen arabische Mitglieder auf die Liste seiner Likudpartei zu setzen. „Jahrelang wurde die arabische Bevölkerung außen vorgelassen, was Führungsposition angeht, ich verstehe nicht wieso. Es gibt keinen Grund dafür. Die Menschen tragen ihren Teil bei. Wir müssen mit ihnen zusammenarbeiten“, unterstrich der Regierungschef. 
Den Vorwürfen, nicht genug für die arabische Bevölkerung zu tun, widersprach Netanjahu. Er wies darauf hin, dass er und seine Regierung in den vergangenen Jahren acht neue Polizeistationen in arabischen Städten erbaut haben.

Mehr Aufmerksamkeit erfordert 

Der Bürgermeister von Umm al-Fahm, Dr. Samir Mahmid, wusste Netanjahus Bemühungen zu schätzen. Doch er scheute sich nicht, dem Regierungschef zu verstehen zu geben, dass diese Bemühungen der arabischen Bevölkerung nicht ausreichen. Sie wünsche sich tagtägliche Aufmerksamkeit für ihre Probleme. Das gilt insbesondere für die Infrastruktur und die Bekämpfung der brutalen Gewalt, die häufig von arabischen Familienclans ausgeht. Immer wieder beklagen arabische Israelis, die israelische Polizei halte sich zurück und nehme hin, dass sich viele Clans illegal bewaffnen.

Die arabischen Israelis sprechen unabhängig von ihrer Religion Arabisch als Muttersprache. Rund 84 Prozent sind sunnitische Muslime, etwa 8 Prozent Drusen und 8 Prozent arabische Christen. Die weit überwiegende Mehrheit sieht sich selbst nicht als Palästinenser, sondern als Israelis. Arabische Israelis sind sowohl im Parlament als auch im Obersten Gerichtshof vertreten. In der israelischen Armee gibt es drusische Generäle.

Bild: Ministerpräsident Netanjahu in Umm al-Fahm, wo der einmillionste Israeli gegen das Coronavirus geimpft wurde. Diese Impfung erhielt Muhammad Abd al-Wahab Jabarin (66). Foto: Haim Zach / GPO

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