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Trauer und Freude in einem Atemzug

JERUSALEM, 13.04.2021 (NH) – Israels Straßen sind  blau-weiß geschmückt. Auf öffentlichen Plätzen, Autobahnen, Wohnhäusern und Fahrzeugen wehen israelische Flaggen. Über den Köpfen der Bürger drehen Kampfjets ihre Runden und üben ihre Formation für den 73. Unabhängigkeitstag am Donnerstag. Doch der feierlichen Stimmung mischt sich ein tiefer Schmerz bei: Die Trauer über den Verlust von 23.928 israelischen Soldaten und Zivilisten, welche einen teuren Preis für die Unabhängigkeit des kleinen Staates zahlten.

Die hinterbliebenen Familien trauern

Eines der Opfer des vergangenen Jahres ist Amit Ben Yigal (*08.02.1999 – 12.05.2020). Ben Yigal wurde während einer Militäroperation im arabischen Dorf Yabad in Samaria durch einen Steinblock tödlich verletzt. Die Truppe der Golani-Einheit verhaftete vier verdächtige Palästinenser und befand sich bereits auf dem Rückweg, als ein Bewohner des Dorfes die Soldaten mit Steinen bewarf. Ben Yigal, welcher einen Helm trug und nur kurz den Kopf hob, wurde von einem Steinblock erschlagen. Der 49-jährige Täter Nazim Abu-M., welcher wenige Stunden nach dem Attentat verhaftet wurde, warf den Steinblock vom Dach seines Wohnhauses. Amit wurde mit dem Hubschrauber evakuiert und erlag wenig später im Rambam Krankenhaus seiner schweren Verletzung.

Sein Vater Baruch Ben Yigal erklärte dem Nachrichtensender Aruz 12 (Kanal 12) sichtlich bewegt: „Es ist der erste Gedenktag, an welchem wir nicht nur den gefallenen Soldaten gedenken, sondern auch unserem eigenen Sohn. Wir haben die Seiten gewechselt und gehören jetzt leider auch in die Kategorie verwaiste Eltern.“

Das Gedenken der Gefallenen aufrecht erhalten

Das jüdische Volk ist mit seinen Soldaten tief verbunden. In Liebe an die gefallenen Söhne wird schon in Grundschulen das Gedenken an die Verstorbenen aufrecht erhalten. So schreiben zum Beispiel schon Fünftklässler Briefe an hinterbliebene Familienangehörige und Spielplätze werden auf die Namen gefallener Soldaten getauft.

In der weiterführenden Schule „Mekif Gilo“ wird zum Gedenken an zwei ehemalige Schüler die gefallenen Soldaten Tal Bardugo (05.10.1982 – 23.09.2004) und Dor Deri (07.10.1995 – 28.07.2014) ein jährliches Gedächtnisturnier und ein von der Familie organisierter Gedächtnismarathon abgehalten. Der Sportlehrer der beiden, Erez Sidi sagte genüber Fokus Jerusalem: „Tal und Dor waren ausgesprochen sportliche Schüler. Sie liebten beide Fußball und das Joggen. Daher war es naheliegend, dass wir ihr Gedenken aufrecht erhalten, mit dem was sie am Meisten liebten. Tal kannte ich leider nicht lange, doch Dor war vier Jahre lang mein Schüler. Er war ein ausgesprochen fröhlicher Teenager, der stets seinen Mitschülern half.“ Nach einem tiefen Atemzug fügt Erez hinzu: „Dors Lächeln wird mich immer begleiten.“.

Tal Bardugo starb bei einem Terroranschlag auf den militärischen Außenposten in der Siedlung Morag, Nähe des Gazastreifens. Kurz vor 6 Uhr morgens drangen drei palästinensische Terroristen in den Außenposten ein und erschossen die dort positionierten Soldaten. Neben Tal wurden bei diesem Übergriff zwei weitere Soldaten getötet.

Bild: Dor Deri bei seiner Vereidigung. Foto: Facebookseite Shimi Deri

Dor Deri fiel während der Gazaoperation „Zuk Eitan“ (zu deutsch: starker Fels), als 13 Terroristen durch einen Terrortunnel nach Israel eindrangen und den Wachposten von Nahal Oz überfielen. Die Terroristen versuchten die Leiche von Dor zu entführen, um später die sterblichen Überreste des Soldaten als Pfand bei einem Gefangenenaustausch zu benutzen, was jedoch von den unverletzten Soldaten verhindert werden konnte. Neben Dor fielen vier weitere Soldaten.

Heute Abend wird sich das Land ein weiteres Mal zum Klang der Sirenen ein Land in der Trauer vereinen und denen gedenken, die ihr Leben gaben.

Bild: Demomstartion gegen die Entscheidung des Obersten Gerichtshof, den Abriß-Befehl für das Haus des palästinensischen Terroristen Nazim Abu-M. aufzuheben. Foto: Tomer Neuberg/Flash90

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