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Eine Antwort auf Israels geänderten Politikkurs: Hamas wählt emotionale Erpressung

GAZA, 08.06.2021 (NH) – Die Hamas hat neue Filmaufnahmen des Gefangenen Gilad Schalit und angebliche Tonaufnahmen einer zivilen Geisel, die sich derzeit in den Händen der Terrororganisation befindet, veröffentlicht. Israel reagierte unbeeindruckt auf die Filmschnitte: „Das ist einfach nur billige Manipulation.“

Workout und Spagetti – neue Aufnahmen von Gilad Schalit

Der arabische Sender Al Jazeera strahlte ein aufgezeichnetes Interview aus mit Marwan Issa, dem stellvertretenden Führer des militärisch-terroristischen Flügels der Hamas, Muhammad Deif, dem israelischen Staatsfeind Nummer eins, und Yahya Sinwar, dem militärischen Hamaschef im Gazastreifen. Issa war zum Ziel eines gezielten Luftangriffs der israelischen Armee in der letzten Militäroperation „Hüter der Mauern“ geworden.  Er konnte sich jedoch rechtzeitig aus seinem bombardierten Haus retten. Das Interview wurde von Videos unterbrochen, die den Gefangenen Schalit zeigen. Schalit war 2006 nach Gaza entführt worden und war fünf Jahre später im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigekommen. Die Videoaufnahmen zeigen den jungen Soldaten bei täglichen Handlungen, sportlichen Übungen, körperlicher Hygiene und sogar beim Essen.

Bei der Tonaufnahme handelt es sich um Fake News

Auch eine hebräische Tonaufnahme, die den Angaben der Hamas zufolge der israelischen Geisel Abra Mangistu in Gaza gehöre, wurde im Rahmen der arabischen Sendung ausgestrahlt. Mangistus Aufnahme wird als nicht glaubwürdig angesehen und seine Mutter hat bereits bestätigt, dass es sich nicht um ihren Sohn handelt.“Das ist eindeutig nicht mein Sohn. Das ist nicht seine Stimme!“, erklärte Agranesh Mangistu in den israelischen Nachrichten. „Ich warte auf meinen Sohn und hoffe ihn bald wiederzusehen, so wie es mir in den letzte Jahren versprochen wurde!“ In der Aufnahme ist ein Mann zu hören, dessen Identität unbekannt ist, der sagt: „Ich bin ein israelischer Soldat, der in Gefangenschaft der Al-Qassam-Brigaden ist. Ich hoffe, dass der Staat Israel noch existiert. Ich frage mich, ob die Führer des Landes über ihre gefangenen Soldaten nachdenken und sich darum bemühen, sie freizubekommen. Ich sterbe jeden Tag aufs Neue. Ich hoffe, bald im Schoß meiner Familie zu sein.“.

Neue Aufnahmen von Gilad Schalit der sich fünf Jahre in Gefangenschaft in Gaza befand. Foto: Screenshot TV

Aufnahmen deuten auf Hilflosigkeit der Terrororganisation hin

Ein unbekannter israelischer Sicherheitsbeamter erklärte gegenüber den Medien, dass die Aufnahme offenbar fabriziert wurde. Mangistu, der unter psychischen Erkrankungen leidet, überquerte im September 2014 den Grenzzaun in den Gazastreifen nahe der Sikim-Küste. Details über sein Schicksal sind seitdem nicht bekannt. Hochrangige Sicherheitsbeamte behaupten, dass die Veröffentlichung der Filmschnitte von Gilad Schalit aus der Zeit seiner Gefangenschaft in Gaza und die angebliche Tonaufzeichnung der israelischen Geisel auf Al Jazeera TV die Hilflosigkeit der Hamas hinsichtlich der aktuellen Situation verdeutlichen. Israel verbindet den Wiederaufbau des Gazastreifens mit der Rückgabe israelischer Geiseln und den sterblichen Überresten zweier israelischer Soldaten. Daher wähle die Hamas als emotionales Druckmittel die Veröffentlichung dieser Dokumente.

Nach Ansicht des Sicherheitsbeamten steht die Terrororganisation unter immensem Druck und habe letztendlich verstanden, dass sie auf die Bedingungen Israels eingehen muss, um den Wiederaufbau des Gazastreifens zu beginnen. Israel ließ die Hamas verstehen, dass es keine Fortschritte hinsichtlich der Regulierung und des Wiederaufbaus des Gazastreifens geben wird, sollte die Frage der Geiselrückgabe nicht eindeutig beantwortet werden. Deshalb versuche die Terrororganisation in Gaza nun Einfluss auf die israelische Öffentlichkeit zu nehmen.

Verschiedenen Quellen zufolge erwähnte Yahya Sinwar kürzlich die Zahl „1111“ in einer Rede, in der er sagte, die Hamas sei zu sofortigen Verhandlungen bereit. Es wird geschätzt, dass die Nummer „1111“ die Zahlenangabe der geforderten Sicherheitsgefangenen sei, die er im Zuge eines Geiselaustausches aus israelischen Gefängnissen befreien möchte. Ähnliche Botschaften wurden auch über die ägyptischen Vermittler an Israel herangetragen. Die politische Antwort Israels auf die Freigabe von Terroristen konstatiert, dass der Antrag eine „rote Linie sei, die nicht überschritten wird“. Israel plane nicht, Mörder freizulassen. Daher sucht Yayha Sinwar tatsächlich nach einem Ausweg, um die Verhandlungen über die Freilassung israelischer und palästinensischer Gefangenen voranzutreiben, um den Wiederaufbau in Gaza anzukurbeln.

Gilad Schalit beim Work-out. Foto: Screenshot TV

Ägypten gibt Gaza Rückenwind

Zudem finden derzeit Verhandlungen über die Öffnung der Grenzübergänge nach Gaza statt. Israel ermöglicht bis dato nur, dringende humanitäre Hilfe über den Erez-Grenzübergang nach Gaza zu schleusen. Der Transport von Benzin, Öl oder Gas wird solange unterbunden, bis die Hamas auf die Bedingung Israels eingehen wird, die israelischen Geiseln aus ihrer Gefangenschaft zu entlassen. Ägypten hat jedoch in den vergangenen Tagen eine Reihe von Operationen durchgeführt, die in Jerusalem für Unmut sorgten. Der Rafah-Übergang wurde geöffnet und die Durchfahrt von technischen Baumaschinen, Baumaterialien und anderen Gütern genehmigt. Quellen innerhalb des Militärs zufolge sollen diese Aktionen Ägyptens Katar vom Spielfeld drängen und den ägyptischen Einfluss in den Palästinensischen Autonomiegebieten ausweiten.

Israelische Armeesprecher schätzen, dass Ägypten auf Kosten Katars und anderer Länder versucht, sich selbst in den Vordergrund zu drängen, um die Beziehung zu Washington weiter auszubauen. Die Aufhebung eines teuren russischen Flugzeug-Deals für die ägyptische Armee und die Stornierung des Kaufes von Mehrmissionskampfjets unterstreichen diesen Plan. Die Entscheidung, das Abkommen mit Russland aufzuheben, hatte eine Annäherung zwischen dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fatah al-Sisi und dem Weißen Haus zur Folge. Nachdem bereits von einer Kürzung der amerikanischen Hilfsgelder für Ägypten die Rede war, kann man von einer eindeutigen Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Mächten sprechen, doch leider gehen diese auf Kosten der Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas.

Titelbild: Neue Aufnahmen von Gilad Schalit, der sich fünf Jahre in Gefangenschaft in Gaza befand. Foto: Screenshot TV

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