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Cyber-Terror: Iranische Hacker greifen israelische Dating-App an und erpressen Seitenbetreiber

TEL AVIV, 01.11.2021 (DK) – Nach einem Angriff der iranischen Hackergruppe „Black Shadow“ auf die israelische Dating-App Atraf, fürchten rund eine Million Nutzer die Veröffentlichung ihrer Daten. Dies ist besonders heikel, da die App auf homosexuelle Nutzer ausgelegt ist. Zum einen droht Mitgliedern mit religiösem Hintergrund, die Preisgebung ihrer sexuellen Orientierung gegen ihren Willen. Zum anderen haben einige Nutzer der Plattform höchst sensible Informationen, wie etwa ihren HIV-Status, angegeben. In einer Nachricht an die Betreiber erklärten die Hacker, sie erwarteten umgerechnet 870.000 Euro in digitaler Währung im Austausch für die Geheimhaltung von Informationen. Dass es „Black Shadow“ ernst meint, machten die Erpresser von Anfang an deutlich: Rund 1000 Profile sind bereits im Web öffentlich einsehbar. 

Privatchats und Kreditkarteninformationen in den Händen von Hackern 

„Wir haben es mit iranischem Cyberterror zu tun“, heißt es in einer Stellungnahme des Seitenbetreibers Cyberserve. Am Freitag hatte die Hackergruppe bekannt gegeben, sie habe sich in die Server des israelischen Internetunternehmens Cyberserve gehackt und drohte mit Datenlecks. Zunächst war nicht allein Atraf betroffen. Auch das Reisebüro Pegasus, das Busunternehmen Dan bis hin zum israelischen Kindermuseum waren Kunden von Cyberserve. Aber bei Atraf stießen die Hacker auf genug sensible Informationen, um die Daumenschrauben anzuziehen. Es steht weitaus mehr als nur die Enthüllungen von Namen auf dem Spiel. Ein verzweifelter Nutzer erklärte gegenüber der israelischen Nachrichtenseite Walla: „Ich surfe auf der Seite und kaufe dort auch Partytickets. Neben dem beunruhigenden Teil, geoutet zu werden, haben die Hacker auch meine Kreditkarten- und Identitätsdaten. Es ist einfach beängstigend.“

Eine Umfrage aus dem Jahr 2020 hat ergeben, dass israelische Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten über 1 Milliarde US-Dollar als Lösegeld an Hacker ausgezahlt haben. Es wird geschätzt, dass sich diese Zahlen im Jahr 2021 noch einmal erhöhen werden. 

Steckt Teheran hinter dem Angriff? 

Die Cyber-Sicherheitsexpertin Einat Meyron hält es für unwahrscheinlich, dass die iranische Regierung hinter dem Angriff steckt. Meyron betonte, dass „eine Verdächtigung von Iranern nicht unbedingt darauf hindeutet, dass es sich um eine ‚iranische Mission‘ handelt.“ Immerhin handelte es sich um eine Attacke auf private Firmen und nicht auf einen Teil der Infrastruktur des jüdischen Staates. 

Ganz unbegründet ist der Verdacht, Teheran sei der Drahtzieher hinter der Attacke jedoch nicht. Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass Israel und der Iran sich einen Schlagabtausch hinter dem Bildschirm liefern. Der Angriff von „Black Shadow“ erfolgte nur drei Tage, nachdem iranische Tankstellen von einem mutmaßlichen israelischen Cyberangriff ins Visier genommen  wurden. Im Mai 2020 hatte das Mullah-Regime einen Angriff auf das israelische Wasserversorgungssystem versucht, der glücklicherweise vereitelt werden konnte. Als Gegenschlag verursachte Israel Chaos am iranischen Hafen Shahid Rajaee. Es ist ein gegenseitiges Kräftemessen, ohne einen offenen militärischen Konflikt zu riskieren. 

Bild: Ein Hacker hält digitale Währung in die Höhe. Quelle: Tumisu/Pixabay

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