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Israels Regierungschef verspricht Lösung für steigende Lebenshaltungskosten in Israel

JERUSALEM, 07.02.2022 (DK) – Es ist der sicherste Weg mit jedem Israeli ins Gespräch zu kommen: Ungeachtet der politischen Gesinnung oder sozial-ökonomischen Lage, überall empört sich die Bevölkerung im Land über die steigenden Lebenshaltungskosten. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung teilt sich der jüdische Staat Platz zwei mit Island hinsichtlich der teuersten Preislage von Konsumerprodukten. Nur die Schweiz hat Israel überholt. Dabei liegt das durchschnittliche Einkommen israelischer Staatsbürger bei 2900 Euro Brutto. Ein deutsches Durchschnittsgehalt beträgt im Vergleich dazu 3975 Euro Brutto, obwohl die Lebenshaltungskosten dort deutlich billiger sind. Jetzt wollen die größten Lebensmittelkonzerne Israels die Preise innerhalb der nächsten Monate noch einmal erhöhen. Die Regierung plant den Unternehmen den Riegel vorschieben. 

Ministerien schicken eine Warnung an Lebensmittelhersteller

Premierminister Naftali Bennett hat zum Anfang dieser Woche angekündigt, dass die Regierung strengere Maßnahmen ergreifen wird, um eine weitere Inflation zu verhindern. „In den kommenden Tagen werden wir eine Reihe von Regelungen vorstellen, die darauf abzielen, die Lebenshaltungskosten im Land zu senken“, so Bennett. „Ich hoffe, dass es bald zu einer Senkung der Preise, insbesondere der Kosten für Lebensmittel, kommen wird. Es wurden bereits mehrere Maßnahmen in Bezug auf Handelsketten und Importeure ergriffen.“ Finanzminister Avigdor Liberman und Wirtschaftsministerin Orna Barbivai setzten sich im speziellen für Fairness gegenüber dem israelischen Verbraucher ein. Vergangene Woche verfassten ihre Ministerien gemeinsam ein Schreiben, das Lebensmittelunternehmen mahnte, „verantwortlich zu agieren“. 

Zu Beginn des dritten Pandemiejahres ist der Verbraucherpreisindex in Israel um 2,8% gestiegen. Im weltweiten Vergleich steht der Staat eigentlich gut da. In Deutschland wurde beispielsweise ein Anstieg von 5,5% verzeichnet. Doch Bennett brachte es in seiner Erklärung auf den Punkt: „Obwohl der Preisanstieg Israel im Vergleich zu anderen Ländern geringer ausfällt, fühlen wir die Auswirkungen stärker, weil die Preise bereits zuvor sehr hoch waren.“ Neben Lebensmitteln, geben vor allem die steigenden Immobilienpreise Anlass zur Sorge. Wohnkosten sind rund 10% höher als noch vor einem Jahr. 

Lebensmittelhersteller Ossem-Nestle friert Pläne ein

Um dem gefährlichen Trend entgegenzuwirken, hat Finanzminister Avigdor Liberman Steuersenkungen für Geringverdiener vorgeschlagen. Er beschuldigte Lebensmittelunternehmen, versucht zu haben, „auf Kosten der Öffentlichkeit zu profitieren“ und dankte den Unternehmen, die „Solidarität zeigten“, indem sie sich entschieden, die Preise zu diesem Zeitpunkt nicht zu erhöhen. Das Unternehmen Ossem-Nestle, einer der größten Lebensmittelhersteller Israels, gab Ende vergangener Woche bekannt, dass sie die Preiserhöhungen aufgrund des öffentlichen Aufschreis bis auf weiteres aufschieben würden. Vor dem Hauptquartier des Unternehmens war es zu Protesten gekommen. 

Bild: Israelis vor einem Regal mit Produkten von Ossem-Nestle im Supermarkt Ramy Levy. Quelle: Yonatan Sindel/Flash90

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