zurück zu Aktuelles

Eiskalt abserviert: Die amerikanische Speiseeiskette Ben&Jerrys verliert antisemitischen Siedlungs-Boykott

JERUSALEM, 30.06.2022 (NH) – Die amerikanische Eiscreme-Kette Ben&Jerrys zählt zu den beliebtesten Eiscrememarken der Israelis. Letztes Jahr erhielten die Liebhaber des Herstellers einen kalten Schock. Die ikonische Dessert-Kette kündigte an, den Verkauf in „besetzten palästinensischen Gebieten“ einzustellen.

Mehr als nur ein eiskalter Rechtsstreit

Der kleine jüdische Staat nahm die antisemitische Ankündigung persönlich und kündigte zusammen mit dem Inhaber der Ben&Jerrys Lizenzvereinbarung in Israel, Avi Zinger, dem weltbekannten Eishersteller den Kampf an – mit Erfolg. Avi Zinger verklagte nach der Äußerung des Herstellers beide Konzerne vor einem Bundesgericht in den USA. Zinger erklärte, die Unternehmen hätten die Geschäftsbeziehungen rechtswidrig beendet.

Am Mittwoch ließ die Muttergesellschaft des Eisherstellers Unilever verlauten, beide Seiten hätten in dem Rechtsstreit eine Einigung gefunden. Demnach habe Unilever seine Ben&Jerrys Geschäftsanteile in Israel an Avi Zinger verkauft. Zinger hat im gleichen Zug auch die exklusiven Rechte des bekannten Markenlogos in hebräischer und arabischer Marke erworben. Der israelische Vertreiber der Marke ist nun nach 35 Jahren unabhängig. Mit dem Kauf aller Lizenzvereinbarungen hat Avi Zinger nun das Recht, das beliebte Eis nach wie vor in allen Gebieten des Heiligen Landes zu vermarkten.

Im Text Bild: Pro-israelische Demonstranten protestieren in Manhattan gegen den Boykott des Eiscremherstellers Ben&Jerrys. Der Konzern plante, den Verkauf des Speiseeis in der sogenannten Westbank einzustellen. Foto: Luke Tress / Flash90

Boykott: Nur im sogenannten Westjordanland

Tatsächlich wurde der Eis-Krieg weltweit diskutiert und fand breite Unterstützung in jüdischen Gemeinden in der USA und unter Israelfreunden. Ein Feuersturm der Kritik brach über Unilever und Ben&Jerrys herein. Untermauert wurde die Anschuldigung, die Firmen zeigten eine antisemitische Haltung, mit dem Fakt, dass die Konzerne Boykotte dieser Art in keinem anderen Land der Welt durchführen. Ben&Jerrys wird unter anderem in Staaten verkauft, die beschuldigt werden, schwere Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Abnehmer der Eismarke sind unter anderem Saudi-Arabien, Russland, China, Syrien und der Iran.

Zum Anstoß wurden Judäa und Samaria nach der jüngsten Gazaoffensive im Mai letzten Jahres. Die Aussage der beiden jüdischen Firmengründer, von dem Verkauf ihres Produktes in den„besetzten Gebieten“ absehen zu wollen, führte zu der Annahme, die antiisraelische Boykottbewegung BDS stehe hinter der Entscheidung. Dass in den Ben&Jerrys Fabriken Araber und Juden zusammenarbeiten und in der Liefer- und Vertriebskette tausende Israelis und Palästinenser gemeinsam arbeiten, scheinten die Entscheidungsträger auszublenden.

Sieg über BDS-Bewegung

In Israel wird der Sieg über den antisemitischen Boykott der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) bejubelt. Auch Außenminister Yair Lapid begrüßte die Entscheidung. Er versprach, weiterhin gegen Boykottbewegungen, die dem jüdischen Staat schaden wollen, vorzugehen.

Avi Zinger gab dem Kampf gegen den weltweit rasant steigenden Antisemitismus unter dem Deckmantel antiisraelischer Einstellungen ein Gesicht. Nach den erfreulichen Vereinbarungen kann sich der Geschäftsmann nun wieder seiner Lieblingsbeschäftigung widmen – der Herstellung von köstlichem Speiseeis.

Titelbild: Ein Blick auf den Fabrikverkauf von Ben&Jerrys in Yavne. Nach dem Gerichtsurteil kann der Sommer kommen. Foto von Flash90

Weitere News aus dem Heiligen Land