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Einstellung von vier palästinensischen Kindergärtnerinnen: Israelische Eltern protestieren

CHOLON, 14.09.2022 (NH) – Dutzende von aufgebrachten Eltern blockieren den Eingang einer Vorschule in der zentralisraelischen Stadt Cholon. Dem lautstarken Protest geht die Einstellung von vier neuen Betreuerinnen in der Kindertagesstätte voraus. Bei den neuen Kita-Mitarbeitern handelt es sich um palästinensische Araberinnen aus Ostjerusalem. Die besorgten Eltern fordern die sofortige Entlassung des neuen Betreuerteams.

Verhalten der Eltern sei rassistisch

Die Kindertagesstätte in Cholon wird von der Organisation „Naamat“ geleitet. Der gemeinnützige israelische Verein beschreibt sich selbst als „gesellschaftspolitische Mehrparteien-Frauenbewegung, die sich aus Frauen aus verschiedenen Bereichen der Bevölkerung, Gemeinschaften, Herkunftsländern und religiösen Strömungen zusammensetzt.“ Das Verhalten der Eltern kollidiere daher mit dem Motto der Organisation. Naamat bezeichnet den Protest der verängstigten Eltern als „rassistisch“ und „beschämend“. Hagit Peer, Leiterin der Organisation, zeigt sich empört: „Wir werden das Recht jedes Arbeitnehmers schützen, unabhängig von seiner ethnischen Zugehörigkeit oder religiösen Überzeugung. Es ist erstaunlich, dass dies 2022 in Israel deutlich gemacht werden muss.“ Peer berichtet, das Kita-Personal habe den internen Notruf betätigen müssen, weil es sich von den Eltern der Kinder bedroht gefühlt habe.

Sorge der Eltern wird nicht ernst genommen

Die besorgten Eltern hingegen erklären, die neuen Mitarbeiterinnen seien ohne ihre Zustimmung und ohne sie darüber in Kenntnis zu setzen, eingestellt worden. Daraufhin bemühten sich die Eltern um ein Gespräch mit dem Direktor der Vorschule. Der leitende Direktor habe die Angst der Eltern mit mangelndem Verständnis und fehlender Empathie übergangen.

Noy Levi, eine der Mütter des Kindergartens, schrieb daraufhin in der Facebookgruppe der Stadt Cholon einen „Post“: „Die Kindertagesstätte stellt vier Betreuer aus Ostjerusalem ein, die kein Hebräisch können und keine Sicherheitskontrollen durchlaufen haben. Sie verfügen weder über die erforderlichen Qualifikationen, um sich um unsere Kinder zu kümmern, noch wurden sie von einem Sozialarbeiter bewertet.“ Levis Facebookpost zog Hunderte von unterstützenden Kommentaren nach sich, welche die Sorge der Eltern um die Kleinkinder verstehen.

Kindergarten streikt

In den letzten Monaten wird Israel von einer anhaltenden Welle der Gewalt überrollt. Ostjerusalem befand sich vermehrt in den Schlagzeilen, nachdem es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften kam. Die Sorge der Eltern, bei den neuen Kindergärtnerinnen könne es sich um Muslime mit radikalisiertem Gedankengut handeln, sieht die Mehrheit der Israelis, die den Protest der Eltern unterstützten, daher als gerechtfertigt.

Die vier Palästinenserinnen seien nach dem Tumult nach Jerusalem zurückgekehrt. Sie kündigten an, ihre Arbeit in Cholon nicht fortzuführen. Die Organisation Naamat verkündete im Anschluss, der Vorfall werde nicht toleriert und die Türen des Kindergartens aus Protest in den nächsten zwei Tagen geschlossen bleiben.

Titelbild: Nach wiederkehrenden Anschlägen in den vergangenen Monaten sorgen sich die Eltern um das Wohl der Kleinsten. Palästinensische Kindergärtnerinnen haben in israelischen Einrichtungen keinen Platz. Yossi Aloni/FLASH90

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