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Im Schatten brutaler Gewalt gegen Ärzte – Generalstreik in Israels Gesundheitssystem

JERUSALEM, 22.01.2023 (NH) – Gewaltexzesse in Krankenhäusern und gegen medizinisches Personal sind in Israel traurigerweise keine Seltenheit. In den vergangenen Jahren mehren sich jedoch die Vorfälle und drohen zu einer echten Epidemie zu werden. Nach zwei weiteren brutalen Übergriffen auf Ärzte innerhalb weniger Tage hat die israelische Ärztegewerkschaft entschieden, am kommenden Montag einen Generalstreik auszurufen. Krankenhäuser und örtliche Krankenkassen werden im sogenannten „Schabbat-Format“ arbeiten, was bedeutet, dass nur lebensrettende Operationen durchgeführt werden.

Warnstreik zeigt keine Wirkung

Prof. Zion Hagai, Vorsitzender der israelischen Ärztekammer, erklärt, dass ein Streik nie die Standardwahl der Mediziner sei. „Die Gewalt im Gesundheitssystem ist längst zu einer Epidemie geworden und fast jeden Tag werden die roten Linien überschritten“, untermauert Prof. Hagai die Entscheidung. „Am Montag sagen die Ärzte genug zur Gewalt.“

Der einschneidende Beschluss, das gesamte Gesundheitssystem zu schließen, wurde bereits am Donnerstag verabschiedet. Nachdem binnen einer Woche zwei schwerwiegende Gewaltausbrüche gegen medizinisches Personal verschrieben wurden, sehen die Mediziner keinen anderen Ausweg.

Am Mittwoch kam es zu einem zweistündigen Warnstreik im Soroka-Krankenhaus in Beersheva. Die Eltern eines 15 Monate alten Jungen hatten die Sekretärin angegriffen, weil dem Paar die Wartezeit zu lange erschien. Der zu Hilfe eilende Arzt, wurde zu Boden gestoßen, geschlagen und gebissen.

Schockierende Gewalt an der Tagesordnung

Dem schockierenden Angriff im Soroka-Krankenhaus folgte eine schwere Attacke im Frauengesundheitszentrum in Ramle. Eine 17-jährige Patientin wird verdächtigt, ihren Arzt mit Schlagringen angegriffen und ihm gegen den Kopf getreten zu haben. Der verletzte Mediziner musste in einem nahe gelegenen Krankenhaus behandelt werden.

Im vergangenen Jahr trat die Ärztegewerkschaft in einen zweitägigen Streik, um auf das Versäumnis der Regierung, einen Plan zur Bekämpfung der Vorfälle umzusetzen, hinzuweisen. Das, nachdem im Mai Dutzende aufgebrachte Angehörige eines Verstorbenen im Hadassa Mount Scopus-Krankenhaus randaliert hatten. Neben zerstörten Türen, Fenster und medizinischen Geräten schlugen die Randalierer wild auf das Krankenhauspersonal ein. Zwei Ärzte mussten nach dem Gewaltexzess medizinisch behandelt werden.

Mit der Einrichtung von Polizeistellen in Notaufnahmen und härteren Gesetzen zur Strafverfolgung hat Israels vorherige Regierung versucht, die Gewaltexzesse einzudämmen. Doch für den Vorsitzenden der israelischen Ärztekammer sind die Schritte nicht ausreichend: „Wir werden in keiner Weise einer Realität zustimmen, in der Ärzte genau dort im Stich gelassen werden, wo sie Tag und Nacht damit beschäftigt sind, Leben zu retten“, erklärt Prof. Hagai.

Titelbild: Mit Schildern wie „Hier wird gestreikt“ – „Schluss mit Gewalt“ protestierten die Ärzte des Hadassah Mount Scopus-Krankenhauses nach schweren Gewaltangriffen bereits im vergangenen Mai. Foto von Olivier Fitoussi / Flash90

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