zurück zu Aktuelles

Armee-Kommandeur enthüllt: Israel nutzt künstliche Intelligenz, um Hamas-Führung anzugreifen

JERUSALEM, 14.02.2023 (NH) – Ein hochrangiger Kommandeur der Elite-Geheimdiensteinheit 8200 hat veröffentlicht, dass die israelische Armee während des Gazakriegs „Hüter der Mauern“ im Mai 2021 Künstliche Intelligenz nutzte, um Hamas-Terroristen anzugreifen. Laut seinen Aussagen auf der „KI“-Konferenz an der Universität Tel Aviv sind dank Cybersicherheitsanalysen mindestens zwei Hamas-Kommandeure sowie andere Terroristen erfolgreich identifiziert und angegriffen worden.

Digitale Kriegsführung

Oberst Yoav C. (Name aus Sicherheitsgründen geändert), agiert als Befehlshaber im Zentrum für Künstliche Intelligenz, kurz KI, in der 8200-Einheit. Die Einheit untersteht dem weltbekannten Militärnachrichtendienst AMAN (Hebräisches Akronym für militärischen Geheimdienst). Der AMAN rekrutierte in den 60-er Jahren Eli Cohen für den israelischen Spionagedienst.

Tatsächlich wird die Offensive im Jahr 2021 „als erster digitaler Krieg“ bezeichnet. Laut Yoav C. nutze das israelische Militär Datenwissenschaften und algorithmische Systeme, um Raketenkommandanten und Panzerabwehrraketeneinheiten innerhalb des Gazastreifens zu entlarven. „Unsere Datenwissenschafts- und KI-Technik hat die Fähigkeit der Armee, Terroranschläge zu vereiteln, erheblich erhöht“, erklärt der israelische Kommandeur.

„Eines der wichtigsten Werkzeuge, die wir entwickelt haben und heute erfolgreich einsetzen, ist ein System, das als gefährlich definierte Personen anhand einer Liste zuvor belasteter Personen lokalisiert. Das System schließt den Suchprozess innerhalb von Sekunden ab. In der Vergangenheit hätte eine solche Lokalisierung Wochen gedauert und Hunderte von Geheimdienstlern erfordert“, so C.

Doch wie werden die Ziele ermittelt? „Wir nehmen ursprüngliche Untergruppen, berechnen ihren engen Personenkreis und ermitteln relevante Merkmale und Ergebnisse. Dann bestimmen wir sogenannte Schwellenwerte und mit dem Feedback der Geheimdienstmitarbeiter wird der Algorithmus verbessert. Dann werden klassifizierte digitale Plattformen genutzt, um die Ziele zu lokalisieren“, erklärt Befehlshaber Yoav C.

Hält die Hamas technologisch Schritt?

Laut 8200 hat die neuartige digitale Intelligenz bereits menschliche Grenzen durchbrochen. „Es gab Zeiten, in denen wir fast ein Jahr für die gleiche Arbeit gebraucht hätten“, erklärt der Oberst. Der IDF-Geheimdienstler bezieht sich darauf, dass die Armee während der Militäroperation in der Lage war, erstmalig eine Datenbank von über 200 neuen Terror-Zielen zu erstellen. Darüber hinaus habe die Cyber-Einheit während der 10-tägigen Offensive das System etwa 150 Mal aktualisiert, was direkte Auswirkungen auf die militärischen Fähigkeiten während des Kampfes gezeigt habe.

Generalmajor Eran Niv ist für die Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die Digital- und Cyberverteidigung der israelischen Armee verantwortlich. Er berichtet in israelischen Medien, die regierende Terrororganisation in Gaza versuche zwar, sich in allen Bereichen zu entwickeln, jedoch ohne Erfolg. Die Hamas erziele weder im zivilen noch im militärischen Bereich erwähnenswerte Erfolge. Während der Armeeoperation 2021 habe das israelische Militär den größten Teil der Cybereinheit der Hamas vernichtet. Die IDF habe so die Fähigkeit der Terrororganisation, Cyberangriffe durchzuführen, stark beeinträchtigt.

„Intelligente“ Systeme werden bereits weltweit in vielen militärischen Verbindungen verwendet. Die Technik reformiert die Kriegsführung in Bereichen der Logistik und Aufklärung. Während einige über eine militärische Revolution sprechen, sehen viele schwere Folgen für die Modalität zukünftiger Kriege voraus.


Titelbild: Der israelische Geheimdienst greift bereits auf künstliche Intelligenz zurück – die Hamas versucht sich in Cyberangriffen. Wie weit sind wir von einem Krieg der Roboter entfernt? Foto: Pixabay

Weitere News aus dem Heiligen Land