
***GERETTET*** Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Noa Argamani
JERUSALEM, 10.12.2023 (NH) – Wir wollen den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.
„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ (Mischna, Sanhedrin 4:5)
Noa Argamani (26), Beer Sheva
Noas Video ging um die Welt. Eine bildhübsche junge Frau wird kaltblütig von Hamasterroristen auf einem Motorrad nach Gaza entführt. Ihr wunderschönes Gesicht drückt Angst und Schrecken aus. Die junge Frau schluchzt und schreit: „Tötet mich nicht!“. Ihr Freund Avinatan Or wird ebenfalls verschleppt. Die grausame Entführung Noas wurde zum Symbol der Brutalität der Terrororganisation.
Am besagten schwarzen Schabbat feierten Noa und Avinatan auf der Supernova Party in der Nähe des Kibbuz Re’im. Berichten zufolge versteckte sich das Paar nach der blutigen Hamas-Invasion stundenlang vor den Terroristen. Die Beiden versendeten ihren Standort und flehten per SMS um Hilfe.
Ihr Vater versuchte unterdessen den gesamten Morgen, seine Tochter und ihren Lebenspartner zu erreichen. Erfolglos. Nach einigen Stunden meldete sich einer von Noas Freunden bei den besorgten Eltern und berichtete die grausame Entdeckung: Hamasterroristen hatten das Entführungsvideo veröffentlicht. Später bekommen die geschockten Eltern mit einem weiteren Video die endgültige Bestätigung, dass ihre Noa als Geisel verschleppt worden war: Das Bildmaterial dokumentiert die junge Frau in einem Haus in Gaza, wie sie an einer Wasserflasche nippt.

Noa ist die einzige Tochter von Yaakov und Liora. Die 26-Jährige befindet sich im zweiten Studienjahr an der Ben-Gurion-Universität. Ihre Eltern erzählen in den israelischen Nachrichten, wie stolz sie auf ihr Kind sind: „Als sie geboren wurde, erkannte ich auf den ersten Blick, dass ich das wunderbarste, das schönste, das süßeste und das beste Geschenk bekommen habe, das sich ein Vater je wünschen kann. Sie war die tragende Säule unseres Hauses, wir haben immer alles für sie getan“, berichtet Yaakov unter Tränen.
Nur vier Tage nach ihrer Entführung, am 12. Oktober, hätte Noa ihren 26. Geburtstag im Kreise ihrer Lieben zelebrieren sollen.Die Nachbarn des Wohnviertels beschlossen, die gebrochenen Eltern in der schweren Stunde zu unterstützen: Sie organisierten eine bewegende Feier mit Geburtstagsliedern, verschiedenen Köstlichkeiten und T-Shirts, die mit Noas Foto und dem hoffnungsvollen Slogan „Unsere Noa, wir warten zu Hause auf Dich“ bedruckt waren.

Noas Mutter appellierte in den letzten Tagen sogar an US-Präsidenten Joe Biden sowie das Rote Kreuz und bettelte um die Rückkehr ihrer Tochter: „Ich habe einen Hirntumor, ich weiß nicht, wie viel Zeit mir noch bleibt. Bringt mir meine Noa, damit ich sie ein letztes Mal sehen kann“. Liora (61) kämpft gegen unheilbaren Krebs. In den letzten Monaten hat sich ihr Zustand dramatisch verschlechtert. Die Ärzte schätzen, dass ihr nur noch wenige Wochen bleiben. In dem herzergreifenden Appell wendet sich Liora an ihre Tochter: „Noa, wenn ich Dich nicht mehr sehe, dann wisse, dass ich Dich sehr, sehr liebe.“
Noa, Wir beten für Deine Rückkehr.
***UPDATE***
Die Geiselfamilien und die gesamte israelische Nation warteten 246 Tage lang auf diese Nachricht: Das israelische Militär hat am 8. Juni nach acht Monaten Gefangenschaft die Geiseln Noa Argamani (26), Almog Meir Jan (21), Andrej Kozlov (27) und Shlomi Ziv (40) aus zwei zivilen Wohnhäusern in Nuseirat im Herzen des zentralen Gazastreifens befreit. An der komplexen und waghalsigen Rettungsaktion waren hunderte Spezialkräfte der Armee und der Anti-Terror-Einheit der Grenzpolizei beteiligt. Da es sich bei der Palästinenserstadt Nuseirat um dicht besiedeltes Wohngebiet handelt, wurde die Operation über mehrere Wochen akribisch geplant, um die Opfer auf palästinensischer Seite zu minimieren.
Noa wurde getrennt von Almog, Andrej und Shlomi festgehalten. Die 26-Jährige befand sich in einem Wohnhaus im ersten Stock, die drei Männer wurden hunderte Meter weiter im dritten Stock eines anderen Gebäudes festgehalten. Alle Entführten befanden sich in der Gewalt palästinensischer ziviler Familien, die von der Hamas bezahlt wurden.
Die Rettung der vier Geiseln führte nicht nur zu Freudenausbrüchen im ganzen Land, sondern auch zu Feierlichkeiten unter Israelis im Ausland. Besonders bewegende Momente gab es bei der Wiedervereinigung der Entführten mit ihren Familien und Freunden. Noa, Almog, Andrej und Shlomi – Willkommen Zuhause!


Titelbild: Noa Argamani. Foto: privat