
+++FREIGELASSEN+++ Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Guy Gilboa-Dalal
JERUSALEM, 18.01.2024 (LS) – Wir wollen den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.
„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ (Mischna, Sanhedrin 4:5)
Guy Gilboa-Dalal (22)
Guy wurde am 7. Oktober auf dem Supernova-Naturfestival von Hamas-Terroristen als Geisel genommen.
Es war Guys erste Rave-Party. Er hatte seine Teilnahme mit drei Freunden schon seit Monaten geplant. Sein älterer Bruder Gal fuhr an diesem Morgen erst um 5:30 Uhr zu dem Festival.
Die beiden Brüder trafen sich, umarmten sich und machten ein Selfie, das Guy an seine Mutter schickte.
Dieses Selfie war ihr letzter gemeinsamer glücklicher Moment vor dem Angriff. Guy machte sich auf den Weg zur Tanzfläche, und Gal versprach, sich zu melden.
„Sobald die Sirenen ertönten, hörte die Musik auf. Die Sicherheitsleute sagten allen, sie sollten entweder in Deckung gehen oder sofort verschwinden.“
Dann seien die ersten Kugeln geflogen.
„Es wurde zu einem Schlachtfeld. Man konnte hören, wie die Kugeln in die Autos einschlugen und über uns hinwegpfiffen“, erzählt Gal.
Er erklärt, er sei in dem Stau der vielen Autos, die die Party auf einmal verlassen wollten, stecken geblieben. Also habe er sein Auto stehen lassen und einen Platz zum Verstecken gefunden. Er rief auch seinen Bruder an.
„Ich sagte ihm, er solle so nah wie möglich bei unseren Sicherheitskräften bleiben und sich versteckt halten.“
Gal versteckte sich fast acht Stunden lang vor den Terroristen und geriet in Panik, als sein Bruder nicht mehr ans Telefon ging.
Dann kam der Anruf seines Vaters.
„Er sagte, dass mein Bruder in den Gazastreifen entführt wurde und dort als Geisel gehalten wird. Es gebe ein Geiselvideo von ihm, das bestätigt, dass er bereits in Gaza ist“, so der verzweifelte Bruder. „Ich habe geschrien und geweint. Ich schlug auf den Boden und riss mir die Haare aus, ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte.“

Guys Mutter Meirav hat in Interviews zur Einheit der israelischen Nation aufgerufen. In einem Interview mit dem Radiosender 103 FM betonte sie, Einheit werde die nötige Kraft geben, um „uns zum Sieg zu verhelfen“.
„Sie haben mein Herz genommen, und das sage ich nicht einfach so daher“, erklärte sie dem Radiosender. „Ich schlafe nur, wenn ich eine Schlaftablette nehme. Wenn ich aufwache, kommt alles zurück, es ist unerträglich (…) Alles, was ich mir jetzt wünsche, ist die Einigkeit der Nation, die uns Kraft gibt und uns hilft, zu gewinnen.“
Guys Vater erzählt, sein Sohn sei sehr musikalisch und spiele gerne Gitarre. Er sei sehr charmant und werde von allen geliebt.
Die Familie beschreibt auch Guys große Liebe zu Japan und der japanischen Kultur. Er habe sich selbst Japanisch beigebracht und hatte geplant, eines Tages dorthin zu reisen.
„Das war sein größter Traum“, erzählt Gal.
Guy, wir beten für Deine Rückkehr.
+++UPDATE+++
Im Rahmen eines Geiselabkommens haben die Terrororganisationen Hamas, Islamischer Dschihad und weitere Terrormilizen am 13. Oktober 2025 die restlichen 20 lebenden israelischen Geiseln nach mehr als 739 Tagen freigelassen. Die Übergabe fand an zwei verschiedenen Orten im Gazastreifen statt. Matan Angrest, Yosef Chaim Ohana, Matan Zangauker, Ariel Cunio, David Cunio, Elchanan Bohbot, Bar Kupershtein, Evyatar David, Guy Gilboa Dalal, Maxim Herkin, Avinatan Or, Eitan Mor, Ziv und Gali Berman, Omri Miran, Rom Braslavski, Eitan Horn, Segev Kalfon, Nimrod Cohen und Alon Ohel kehrten am Vormittag ohne eine propagandistisch aufgeladene Zeremonie nach Israel zurück. Auf einer Militärbasis nahe der Grenze zum Gazastreifen konnten sie ihre Familien in die Arme schließen. Willkommen zuhause.
Nun erwartet Israel die Freigabe aller sterblichen Überreste von 28 Israelis, die am 7. Oktober massakriert und entführt oder in Gefangenschaft hingerichtet wurden.
Im Rahmen des Abkommens ist Israel verpflichtet, 1.950 Terroristen freizulassen, darunter 250 Massenmörder mit mehrfachen lebenslänglichen Haftstrafen.

Titelbild: Guy Gilboa-Dalal. Foto: privat