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Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Eli Sharabi

JERUSALEM, 31.03.2024 (NH) – Wir wollen den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.

„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ (Mischna, Sanhedrin 4:5)

Eli Sharabi (51), Kibbutz Be’eri

Eli lebt mit seiner Frau Lianne und ihren beiden gemeinsamen Töchtern in dem pastoralen Kibbuz Be’eri. Lianne, eine britische Staatsbürgerin, wanderte als freiwillige Helferin in den Kibbuz ein. Dort lernte sie ihre große Liebe Eli kennen und nach sechs Jahren heiratete das Paar. Eli und Lianne wurden mit zwei bezaubernden Töchtern gesegnet: Noya (16) und Yahel (13).

Eli war mit seinen vier weiteren Geschwistern in Tel Avi aufgewachsen. Er wird von seinem Umfeld als sehr sensibel und unterstützende Person beschrieben. Im Alter von 20 Jahren beschloss Eli, die Mittelmeermetropole zu verlassen und nach Be’eri zu ziehen. Elis älterer Bruder Yossi folgte ihm kurze Zeit später in den Grenzkibbuz. Dort lebten die beiden Brüder gemeinsam mit ihren Familien glücklich Seite an Seite. Am 7. Oktober infiltrierten Hamas-Terroristen den Kibbuz, töteten, verbrannten und entführten die Gemeindemitglieder.

Eli und seine Lianne mit ihren Töchtern Noya und Yahel. Foto: Privat

Am Morgen des Schwarzen Schabbat versteckte sich Eli mit seiner Frau und seinen Töchtern im Schutzraum des Hauses. Er berichtete seinen Familienmitgliedern per Textnachrichten von lauten Explosionen, Schüssen und grausamen Schreien. Gegen 11:30 erreichten die Terroristen Elis Haus. Die Terroristen erschossen den Hund der Familie und brachen den Schutzbunker auf. Sie nahmen die gesamte Familie als Geiseln und steckten das Haus in Brand. Eli und seine Familie galten zunächst als vermisst. Eine Woche später wurden die verstümmelten Leichen von Lianne, Noya und Yahel gefunden und  identifiziert. Eli wurde als Geisel nach Gaza verschleppt.

Familie und Freunde nehmen Abschied von Lianne, Noya und Yahel. Die drei Frauen wurden am 7. Oktober von Hamasterroristen bestialisch ermordet. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Neben Eli entführten die Hamaskämpfer auch seinen älteren Bruder Yossi (53). Yossis Ehefrau Nira und weitere Kibbuzbewohner berichten, wie Yossi mit Ofir Engel (18) und Amit Shani (16) auf einen weißen Pickup geladen und entführt wurden (Ofir und Amit wurden am 29. November 2023 im Rahmen eines vorübergehenden Waffenstillstandsabkommens freigelassen). Zunächst versuchten die Terroristen, die gesamte Familie in das Auto zu pferchen. Aber das Auto war zu klein und so beschlossen die Mörder, „nur“ die drei Männer mitzunehmen. Nira blieb mit ihren drei Töchtern in dem Inferno zurück. Sie sammelte die Nachbarn in ihrer Umgebung, etwa neun Personen, und gemeinsam versteckten sie sich stundenlang in einem abgebrannten Wohnhaus. Sie hofften, die Terroristen würden die Trümmer nicht noch einmal betreten. Nira und ihre drei Töchter überlebten das Massaker.

Zwei Brüder in Gaza

Die hinterbliebenen Angehörigen befürchten, dass Eli vielleicht weiß, dass seine Frau Lianne und seine Töchter den tragischen Schwarzen Schabbat nicht überlebt haben. Die Familie wendete sich in mehreren Radiointerviews an Eli: „Wenn er uns jetzt hört, möchten wir ihm von hier aus sagen, dass wir für den Rest seines Lebens zu ihm halten werden“. Seine Geschwister versichern Eli, ihm nach dieser Tragödie beizustehen und sich Tag und Nacht für seine Rückkehr einzusetzen. „Meine Aufgabe ist es, meine Brüder nach Hause zu bringen“, so Sharon Sharabi (48), einer der hinterbliebenen Sharabi-Brüder. Doch einige Wochen später ereilte die trauernde Familie eine weitere grausame Botschaft.

Am 16. Januar veröffentlichte die Terrororganisation ein bestialisches Video, das die sterblichen Überreste von Yossi dokumentierte. Der Kibbuz Be’eri gab wenig später bekannt, Yossi Sharabi sei zusammen mit einer weiteren Geisel, Itai Swirsky, in Gefangenschaft ermordet worden. „Mit Herzschmerz und tiefer Trauer wurden wir heute Abend über die Ermordung von Itai Swirsky und Yossi Sharabi informiert. Ihre Leichen werden von der Hamas gefangen gehalten, wir werden ihre Rückgabe zusammen mit dem Rest unserer Entführten fordern. Unsere Herzen sind in ihrem unermesslichen Schmerz bei den Familien. Möge ihr Andenken gesegnet sein“, so das Kibbuz-Sekretariat.

Yossi Sharabi wurde in Gefangenschaft ermordet. Das veröffentlichte Hamasvideo lässt keine Zweifel offen. Foto: Hamasvideo Screenshot

Sharon, der Bruder des entführten Eli und ermordeten Yossi, erklärt: „Leider wissen wir nicht, was genau mit Yossi passiert ist. Wir klammern uns jetzt an die Hoffnung, das Eli lebt – denn er ist der letzte Überlebende seiner Familie. Wir haben bereits vier Mitglieder unserer Familie verloren. Wir sitzen am Schabbattisch und es gibt fünf leere Stühle. Auf vier dieser Stühle wird nie wieder ein Teil dieser kostbaren Familie sitzen. Selbst wenn Eli zurückkehrt, hat er keine Familie“. Zeit zum Trauern hat die Sharabi-Familie jedoch nicht. Sie kämpfen weiter um die Rückkehr ihres Bruders Eli.

Eli, wir beten für Deine Rückkehr.

Forum der Familien und Freunde von Hunderten von unschuldigen Entführten, die von der Hamas als Geiseln genommen wurden.

Titelbild: Eli Sharabi. Foto: privat

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