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Familien gefallener Streitkräfte fordern Bodenmanöver in Rafah – Soldateneltern warnen vor “Todesfalle”

JERUSALEM, 06.05.2024 (NH) – Der politische Druck auf Israels Premierminister Benjamin Netanjahu wächst. Neben einer Reihe von Politikern, die mit Verlassen der Regierung drohen, fordern auch die Eltern gefallener Soldaten eine sofortige Invasion in der südlichen Stadt Rafah im Gazastreifen. Im Schatten eines möglichen Geiselabkommens drohen die Proteste jetzt zu eskalieren.

Keine Regierung ohne Rafah-Offensive

Am Sonntag haben Knesset-Angehörige ihre politischen Drohungen verschärft und den Druck auf Netanjahu erhöht. Demnach soll der Regierungschef die Verhandlungen mit der Hamas umgehend einstellen und ein sofortiges Bodenmanöver in Rafah befehlen. Israels Wirtschaftsminister Nir Barkat, aus den Reihen Netanjahus, erklärte, die amtierende Regierung habe keine Existenzberechtigung, sollte die Terrororganisation in Gaza nicht zerstört werden. Barkat zufolge müsse alle getan werden, um weitere Ereignisse wie die des 7. Oktobers zu verhindern. An die Drohungen des Wirtschaftsministers reihen sich auch die Warnungen der als radikal geltenden Minister Itamar Ben-Gvir, der als Minister für nationale Sicherheit agiert, und des Finanzministers Bezalel Smotrich. Letzterer drohte ausdrücklich, die Regierung zu verlassen, sollte es zu einem verlängerten Waffenstillstand mit der Hamas im Rahmen einer Geiselbefreiung kommen.

Den Einmarsch in Rafah fordern neben den Politikern auch Familien von Soldaten, die im jüngsten Gaza-Krieg gefallen sind. Im Schatten der Gespräche eines nahenden Geiseldeals drohen die Proteste jetzt zu eskalieren. Am Sonntag marschierten dutzende Hinterbliebene durch Jerusalem, blockierten den Eingang des Premierministers-Büros und versperrten den Ministern den Zugang zur gestrigen Kabinettssitzung. Während der Demonstrationen kam es zu Ausschreitungen zwischen den trauernden Familien und der Polizei. Den Familien der Verstorbenen zufolge verfügen die israelischen Entscheidungsträger über “kein Mandat, sich der Hamas zu ergeben”: “Unsere Kinder sind nicht umsonst gefallen”.

Soldateneltern bangen um Leben ihrer Kinder

Auch das “Hope Forum”, das einige Geisel-Familienangehörige vertritt, scheint Netanjahu in Bedrängnis zu bringen. Das Forum ruft den Premierminister zum Rücktritt auf, sollte er nicht in der Lage sei, “dem Druck standzuhalten und dem Militär befehlen, zu gewinnen”. Es ist das erste Mal, dass die Organisation den Rücktritt Netanjahus fordert.

Zwischen die Forderungen einer massiven Bodenoffensive mischt sich die große Sorge von Soldateneltern, die in Rafah einmarschieren sollen. Mehr als 600 Eltern von Kämpfern aus verschiedenen Militäreinheiten, die seit Beginn des Krieges an der Front das Land verteidigen, schickten am Samstag ein Schreiben an Verteidigungsminister Yoav Gallant und den Militär-Generalstabschef Herzi Halevi. Die besorgten Eltern fordern, von einer Rafah-Invasion abzusehen. Der Brief wurde auch an die Mitglieder des Kriegskabinetts Benny Gantz und Gadi Eisenkot geschickt. In den Augen der Eltern würde ein Manöver in der südlichen Palästinenserstadt zu einer Todesfalle mutieren. “Jeder, der gesunden Menschenverstand besitzt, versteht, dass, wenn man seit Monaten ankündigt und davor warnt, in Rafah einzumarschieren, einige daran gearbeitet haben, den Boden entsprechend vorzubereiten, um unseren Truppen zu schaden”, so in dem Schreiben. Die Eltern hätten das Vertrauen in die Regierung aufgrund verschiedener Ereignisse und Zwischenfälle während der Gaza-Kämpfe verloren.

Titelbild: “Mit ihrem Tod befahlen sie uns den Sieg” – Hinterbliebene von gefallenen Soldaten halten Plakate ihrer getöteten Kinder und protestieren vor dem Büro des Premierministers. Sie fordern die Fortsetzung des Krieges. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

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