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Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Alex Dancyg

JERUSALEM, 14.05.2024 (NH) – Während Israel seinen 76. Unabhängigkeitstag zelebriert, können nicht alle Bürger des Landes ihre Unabhängigkeit feiern. Noch immer haben Hamasterroristen und Anhänger des Islamischen Dschihad 133 Israelis, Männer, Frauen, Kinder und Babys in ihrer Gewalt. Seit 220 Tagen befinden sich die Entführten in Geiselhaft. Auch an diesem so wichtigen Tag möchten wir den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.

„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt” (Mischna, Sanhedrin 4:5)

Alex Dancyg (76), Kibbuz Nir Oz

Alex wurde im Jahr 1948 in Warschau, Polen geboren. Seine Eltern sind beide Holocaustüberlebende. Die Dancygs wanderten im Jahr 1957 in Israel ein. Seit seinem Militärdienst lebte Alex im Kibbuz Nir Oz. 

Alex wird von seiner Familie und seinem Freundeskreis als einzigartiger Mensch mit unglaublichem Wissen und phänomenalem Gedächtnis beschrieben. Der fürsorgliche 76-Jährige liebt Bücher und den Ackerbau – ein zionistischer Traum, den er sich erfüllte. Der 76-Jährige arbeitet nicht nur als Erdnuss- und Kartoffelbauer. Der liebevolle Vater und Großvater hat sein Leben der Holocaust-Aufklärung gewidmet und wird heute als einer der renommiertesten Holocaust-Aufklärer und Aktivisten für die jüdisch-polnischen Beziehungen angesehen. Alex hat unter anderem israelischen und polnischen Pädagogen, Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und sogar der Leitung der Gedenkstätte “Yad Vashem” beigebracht, wie man den Holocaust unterrichtet. Alex leitete auch ein Austauschprogramm für 120 israelische und polnische Schulen, die sich während israelischer Klassenfahrten in Polen trafen.

Alex wurde in Polen gar für seine wichtige Pionierarbeit ausgezeichnet und erhielt von dem damaligen polnischen Staatsoberhaupt Lech Kaczyński das Silberne Verdienstkreuz sowie eine Auszeichnung im Namen des polnischen Bildungsministeriums. Nach der Entführung des 76-Jährigen haben das Polnische Institut in Tel Aviv, das mit dem polnischen Außenministerium verbunden ist, sowie das Auschwitz-Museum und Yad Vashem eine öffentliche Kampagne ins Leben gerufen, um auf seine Notlage aufmerksam zu machen.

Der leere Platz des Warschauer Ghettos an der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Alex Dancyg gehörte zu den renommiertesten Holocaust-Aufklärern und Aktivisten. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Handysignal in Gaza geortet

Am frühen Morgen des 7. Oktober 2023 drangen hunderte Hamasterroristen in den Grenzkibbuz Nir Oz ein. Der Kibbuz war die dem Gazastreifen am nächsten gelegene Zivilgemeinde. So wurde die idyllische Gemeinde zu einem der Hauptziele der Terrorgruppe. Das Mordkommando kam gleichzeitig aus allen Richtungen, umzingelte den Kibbuz und riss den Schutzzaun nieder. Die Terroristen massakrierten über Stunden Männer, Frauen, Kinder und sogar die Haustiere der Gemeinde. 38 Kibbuzbewohner wurden auf bestialische Weise ermordet, weitere 78 als Geiseln nach Gaza verschleppt. Einige wurden in Gefangenschaft ermordet – ihre Leichen werden immer noch von der Hamas in der Enklave festgehalten.

Um 8.30 Uhr am besagten Schwarzen Schabbat hatte Alex das letzte Mal Kontakt zu seinem Sohn Yuval. In einer SMS unterrichtete er Yuval über die Lage im Kibbuz. Danach galt der 76-Jährige zunächst als vermisst. Seine geschiedene Frau und drei ihrer gemeinsamen Enkelkinder waren während des Massakers ebenfalls im Kibbuz. Die tapfere Großmutter schaffte es aber, sich und ihre Enkel zu retten, nachdem sie den Griff des Schutzraums mehr als sieben Stunden festgehalten hatte.

Das Grauen im Kibbuz Nir Oz. Alex Dancyg schaffte es, eine letzte Nachricht an seinen Sohn zu schreiben und über das Massaker in der Gemeinde zu berichten – dann brach der Kontakt zu dem 76-Jährigen ab. Foto: Erik Marmor/Flash90

Am 18. Oktober informierte das israelische Militär die Familie, Alexs Handysignal sei in Gaza geortet worden. Der Großvater bekam den schmerzhaften Titel “Geisel”. Einige Wochen nach seiner Entführung wurde auf dem Grzybowski-Platz in Warschau eine Mahnwache für ihn und alle anderen Gefangenen abgehalten. Sein Sohn Mati las bei diesem Anlass einen Brief für seinen Vater vor und forderte die israelische Regierung dazu auf, die Geiseln zurück nach Hause zu bringen: “Den Kibbuz Nir Oz, den du so geliebt hast, gibt es nicht mehr. Er wurde geschändet, geplündert und niedergebrannt. Ganze Familien wurden ermordet. Ich vermisse dich. Ich vermisse unsere spannenden Gespräche. Ich vermisse deinen liebevollen Blick, wenn ich dich mit den Mädchen besuche. Geliebter Vater, komm nach Hause.”

Alex wurde vor einigen Jahren am Herzen operiert und benötigt dringend Medikamente, um seinen Gesundheitszustand aufrechtzuerhalten.  

Alex, wir beten für Deine Rückkehr.

Forum der Familien und Freunde von Hunderten von unschuldigen Entführten, die von der Hamas als Geiseln genommen wurden.

Titelbild: Alex Dancyg. Foto: privat

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