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Angriff auf vermeintlichen Lastwagen mit Gaza-Hilfsgütern – LKW-Fahrer und Soldaten schwer verletzt

JERUSALEM, 20.05.2024 (NH) – Die Frage über humanitäre Hilfsgüter für den Gazastreifen und seine Bewohner spaltet das Land. Viele israelische Aktivisten protestieren vehement gegen die Einfuhr von Hilfsgütern in die Enklave. Immer wieder werden Zufahrtstraßen belagert und Lastwagen gestoppt. Jetzt wurde ein LKW angegriffen, von dem die Demonstranten glaubten, er sei auf dem Weg nach Gaza. Die Waren wurden geplündert und das Fahrzeug angezündet. Bei der Attacke wurden der Fahrer sowie drei Soldaten mittelschwer verletzt. Tatsächlich waren die Produkte überhaupt nicht auf den Weg zu vermeintlichen Hamas-Anhängern in der Enklave.

LKW-Fahrer steht unter Schock

Ein ungewöhnlicher Vorfall ereignete sich an der Givat Assaf-Kreuzung in Binyamin. Aktivisten griffen einen arabischen Lastwagenfahrer an, nachdem sie ihn verdächtigten, humanitäre Hilfe für Gaza-Bewohner zu transportieren. Der Mob griff nicht nur den LKW-Fahrer, sondern auch eine Truppe von Soldaten an, die zum Tatort gerufen wurden. Die Waren wurden zerstört und das Fahrzeug in Brand gesteckt. Die drei Soldaten erlitten leichte Verletzungen und wurden vor Ort medizinisch versorgt, der Fahrer des Gefährts wurde zur weiteren Behandlung ins Jerusalemer Shaarei-Zedek-Krankenhaus gebracht. Zwei Verdächtige wurden von der Polizei festgenommen.

Der Lastwagenfahrer Ibrahim R. schilderte gestern in den israelischen Medien den Angriff. Dem 35-Jährigen zufolge waren selbst die Soldaten nicht in der Lage, die Angreifer zu stoppen. “Die Wahrheit ist, dass ich in diesem Moment den Tod sah. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich lebend herausgekommen bin”, berichtete Ibrahim R., der mit einer Rippen- und Nasenfraktur diagnostiziert wurde. “Sie hätten mich töten können. Es ist nicht einfach für mich, das Erlebte zu verarbeiten.”

Israelis blockieren Hilfslastwagen, die auf der Autobahn zwischen Jerusalem und Tel Aviv in den Gazastreifen fahren. Der nationale US-Sicherheitsberater Jake Sullivan verurteilt die Blockaden als “absolut empörend”. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Wut über Lebensmittel für Mörder

Der Rabbiner der Gemeinde, Rabbi Ohad Krakower, verurteilte den Gewaltakt: “Demonstranten, die einen arabischen Fahrer verprügelten, schlugen auch Reservisten, die versuchten, ihn zu schützen. Jede Gewalt ist inakzeptabel und gefährlich, aber Soldaten zu schlagen ist eine ernste Sache, die in keiner Weise toleriert und ignoriert werden darf”, so der Geistliche. “Die Art der Proteste gegen die Einführung von Hilfsgütern muss überdacht werden. Die Lieferungen von Hilfe für die Hamas bringt das Blut zum Kochen, aber gestern endete der Vorfall fast in einer Katastrophe.” Auch Oppositionsführer Yair Lapid kritisierte die mutwilligen Ausschreitungen scharf und nannte sie  “einen direkten Schlag gegen die Staatssicherheit und die internationalen Beziehungen Israels”. 

Shlomo Sarid, Reservesoldat und Organisator der LKW-Demonstranten, die unter dem Namen “Order 9” aktiv sind, reagierte ebenfalls auf den Vorfall. “Nachdem ich im Gazastreifen gekämpft hatte, gründete ich mit Anderen die ‘Order 9‘, um die Hilfe zu stoppen, die direkt an die Hamas geht. Wir wollen die Kampfziele vorantreiben, die die Rückkehr der Entführten und die Niederlage der Hamas beinhalten”, so Sarid. “Yair Lapid, anstatt uns aus der Knesset heraus zu unterstützen und die Regierung zum Sieg, zum Sieg über die Hamas und zur Rückkehr der Geiseln zu drängen, entscheidest Du Dich dafür, uns als gewalttätig und extremistisch zu bezeichnen? Schande über Dich.”

Keine Leckereien vom Staat Israel

Avigdor Lieberman, Vorsitzender der “Yisrael Beiteinu”-Partei, fand unterstützende Worte für die Protestorganisation: “Ich gratuliere den Anhängern von ‘Order 9‘ zu ihrer mutigen und korrekten zivilen Aktivität. Es ist unvorstellbar, dass die Menschen, die unsere Brüder und Schwestern ermordet und verbrannt haben, weiterhin ungehindert Lastwagenladungen mit Leckereien vom Staat Israel erhalten, während sie gleichzeitig Vertreter des Roten Kreuzes daran hindern, unsere Entführten zu besuchen. Es ist eine Schande, dass der Premierminister und seine Koalitionskollegen nicht in der Lage sind, die Interessen des Staates Israel zu verteidigen und dem internationalen Druck standzuhalten.”

Titelbild: Bewaffnete und maskierte Palästinenser auf einem Lastwagen mit internationaler humanitärer Hilfe, die über den israelischen Grenzübergang Kerem Shalom im südlichen Gazastreifen in der Enklave einreisen. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

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