
***ERMORDET*** Die Gesichter & Geschichten hinter den Geiseln – Oded Lifshitz
JERUSALEM, 02.06.2024 (NH) – Wir wollen den Geiseln in Gaza ein Gesicht geben und ihre Geschichte erzählen. Wir wollen gemeinsam unseren Alltag für ein paar Minuten anhalten und für die Heimkehr eines jeden Einzelnen beten.
„Wer auch nur ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ (Mischna, Sanhedrin 4:5)
Oded Lifshitz (84), Kibbuz Nir Oz
Oded Lifshitz wuchs in Haifa auf und machte 1957 seinen Abschluss an der hebräischen Reali-Schule in der wunderschönen Küstenstadt. Seine Armeeausbildung absolvierte Oded im 50. Bataillon der Fallschirmjäger-Nahal-Brigarde. Lifshitz kämpfte im Sechstagekrieg, im Zermürbungskrieg, im Jom-Kippur-Krieg und im Ersten Libanonkrieg.
Oded war später einer der Gründungsmitglieder des idyllischen Grenzkibbuz Nir Oz, der nur wenige Kilometer vom Gazastreifen entfernt liegt. Der 84-Jährige hielt einige Positionen innerhalb der Gemeinde inne. So agierte der Kibbuznik im Laufe der Jahre nicht nur als Sekretär, Koordinator und Schatzmeister, sondern auch als Vorsitzender des Bildungsausschusses und Wirtschaftsvorsitzender. Viele Jahre arbeitete Oded neben seinen öffentlichen und parteilichen Aktivitäten auch als Journalist. Er wird als brillanter und streitlustiger Reporter mit großem Gerechtigkeitssinn beschrieben
Der 84-Jährige setzte sich unentwegt für das Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsschichten im Land ein und kämpfte für die Koexistenz von Israelis, Arabern und Palästinensern. Einer seiner bekannten Friedensengagements waren für die Rechte der Beduinen auf ihrem Land im Negev. In diesem Kampf, forderte Lifshitz damals den Premierminister Menachem Begin persönlich dazu auf, zu intervenieren, um die Politik zu verhindern, die der damals amtierende Landwirtschaftsminister Ariel Sharon anstrebte. In den Augen von Lifshitz hat die Beduinen-Gemeinschaft große Loyalität gegenüber dem Staat bewiesen und ihr Image darf in den Augen der israelischen Öffentlichkeit nicht beschmutzt werden.
Oded ist mit Yocheved (85) verheiratet. Seine geliebte Ehefrau arbeitete als Sportlehrerin und gab sich später der Fotografie hin. So agierte die rüstige 85-Jährige später als Fotografie-Lehrerin an der regionalen High School. Gemeinsam hat das Paar vier Kinder sowie Enkelkinder und einen kleinen Urenkel.

Nir-Oz-Massaker
Am 7. Oktober 2023, während des Hamas-Massakers in jüdischen Grenzgemeinden, drangen die Mörder auch in den Kibbuz von Oded und Yocheved ein. Das alte Ehepaar wurden aus ihrem Haus gezerrt und nach Gaza entführt. Das Privathaus wurde anschließend bis auf die Grundmauern niedergebrannt.
Am 23. Oktober, nach „nur“ zwei Wochen Geiselhaft, wurde Yocheved gemeinsam mit Nurit Cooper (79) freigelassen. Auch Nurit wurde zusammen mit ihrem Ehemann Amiram Cooper einem der Mitgründer von Nir Oz, entführt.
Nach ihrer Rückkehr berichtete Yocheved, sie und Oded seien in der Geiselhaft getrennt worden.
Weiter hätte man die beiden ohne ihre benötigten Medikamente gefangen gehalten.

Nach ihrer Freilassung veröffentlichte der Kibbuz Nir Oz eine kurze Stellungnahme: „Nir Oz begrüßt die Rückkehr von zwei seiner Dutzenden vermissten Kibbuzbewohner. Wir wünschen beiden Frauen viel Gesundheit. Etwa ein Viertel des Kibbuz Nir Oz, darunter Kinder, Babys, Erwachsene und Familien, gelten noch immer als vermisst, entführt oder wurden ermordet. Wir warten und hoffen auf die Rückkehr aller Entführten und Vermissten aus dem ganzen Negev und dem ganzen Land. Die Gemeinde von Nir Oz verlangt, dass die Regierung jetzt alle sicher nach Hause bringt.“
Daniel Lifshitz, einer der Enkel von Yocheved und Oded, sagte auf einer Pressekonferenz der Geisel-Familien: „Ich stehe hier im Namen meines Großvaters. Er ist der einzige Urgroßvater auf der ganzen Welt, der gefangen gehalten wird. Es muss Druck auf Hamas-ISIS und Sinwar ausgeübt werden, um zur Freilassung aller Entführten zu führen. Es ist unglaublich, dass ein 84-jähriger Mann, ein Urgroßvater, 202 Tage lang festgehalten wurde. Jetzt ist es an der Zeit, eine internationale Koalition zu bilden, um das Leiden der Entführten und der gesamten Region zu beenden.“
Oded, wir beten für Deine Rückkehr.
+++UPDATE+++
Die Leichen von Oded Lifshiz (84), Shiri Bibas (32) und ihren beiden kleinen Söhnen Ariel (4) und Kfir (9 Monate) wurden nach 503 Tagen Hoffnung im Gazastreifen nach einer grausamen Propagandashow an das Rote Kreuz übergeben. Die Übergabe fand in Bani Suheila, einem Vorort von Khan Yunis im südlichen Gazastreifen, statt. Mitarbeiter des Roten Kreuzes versuchten, das brutale Spektakel zu stoppen, doch nach minutenlangen Drohungen der Hamas, „die Leichen“ nicht herauszugeben, setzte die Terrororganisation ihre Zeremonie fort.
Die Särge wurden schließlich noch innerhalb der Enklave dem israelischen Militär übergeben. In einem weiteren Versuch, ihren brutalen Psychoterror fortzusetzen, übergab die Terrororganisation die Särge der Gefallenen mit nicht passenden Schlüsseln. Ein Spezialteam von Ingenieuren des Militärs wurde gezwungen, die Särge aufzubrechen, begleitet von der Befürchtung, dass in den Särgen Sprengstoff versteckt sein könnte.
Israels oberster Militärrabbiner, Brigadegeneral Eyal Karim, las anschließend Psalmen und das jüdische Gebet „Gott ist voller Barmherzigkeit“. Die Särge wurden in die israelische Flagge gehüllt und nach Israel überführt.
Im ganzen Land waren Bürger mit israelischen Fahnen auf den Straßen, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen und den Konvoi mit den vier Särgen zum Institut für Gerichtsmedizin in Abu Kabir zu begleiten. Im Stadtteil Karmei Gat in Kiryat Gat, wohin die Mitglieder des Kibbuz Nir Oz evakuiert worden waren, sowie in allen israelischen Medien wurde eine Schweigeminute zum Gedenken an die Toten abgehalten.
Präsident Isaac Herzog erklärte: „Dies ist ein Moment der Angst und des Schmerzes. Das Herz einer ganzen Nation ist zerrissen. Im Namen des Staates Israel verneige ich mich und bitte um Vergebung. Es tut uns leid, dass wir unsere Pflicht nicht erfüllt haben. Es tut uns leid, dass wir Euch an diesem verdammten Tag nicht beschützt haben. Es tut uns leid, dass wir Euch nicht sicher nach Hause gebracht haben.“
Oded, Shiri, Ariel und Kfir, möge ihr Andenken gesegnet sein.

Titelbild: Oded Lifshitz. Foto: privat