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Ultra-Orthodoxe demonstrieren gegen Wehrdienst

JERUSALEM 03.06.2024 (LS) – Während der Debatte des Obersten Gerichtshofs über den Gesetzesentwurf zum Wehrdienst ultra-orthodoxer Männer am Sonntag haben Dutzende den Verkehr am Ortseingang von Bnei Brak blockiert. Andere protestierten in Jerusalem.

Die Polizei setzte Wasserwerfer und andere Mittel ein, um die protestierende Menge unter Kontrolle zu bringen. Die Polizei gab an, sechs Demonstranten festgenommen zu haben.

Ordnungswidriges Verhalten

Nach Angaben der Polizei beschimpften die Demonstranten die Beamten vor Ort als “Nazis” und “Nukhbas”, nach den tödlichen Hamas-Spezialeinheiten, die am 7. Oktober in Israel eingefallen waren und zahlreiche Menschen getötet hatten.

Außerdem veröffentlichte die Polizei Fotos von zerstörten Plakaten und Flugblättern mit Bildern von gefallenen israelischen Soldaten, die im Krieg gegen die Hamas im Gazastreifen gefallen sind.

Die Demonstranten gehören der extremistischen Gemeinde von Rabbi Zvi Friedman an, die sich in den letzten zwei Jahren von der “Jerusalemer Fraktion” abspaltete und in Bezug auf Demonstrationen und Straßenblockaden als noch extremer gilt.

Wehrdienst oder Polizei

Der Oberste Gerichtshof hat am Sonntag eine wichtige Anhörung zur umstrittenen Frage der langjährigen Wehrdienstbefreiung ultra-orthodoxer Männer, die in einer Jeschiwa zum Thorastudium gemeldet sind, abgehalten. Die Anhörung könnte dazu führen, dass das Gericht den Staat endgültig anweist, mit der Einberufung der Jeschiwa-Studenten zu beginnen – ein Schritt, der dramatische soziale und politische Auswirkungen haben könnte.

Einige Tage vorher hatte Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir vorgeschlagen, ultra-orthodoxe Männer in die Polizei, anstatt in die Armee zu integrieren. Hier könnten sie ihren Dienst zur Verteidigung des Landes absolvieren, ohne ihren Lebensstil zu gefährden.

Die Schwierigkeit der Einhaltung aller jüdischen Gebote während des Armeedienstes ist eines der Hauptvorbehalte der orthodoxen Bevölkerung. In der Tat verfügt die israelische Armee derzeit noch nicht über die geeigneten Rahmenbedingungen, um tausende orthodoxe Juden aufzunehmen. Es müssten weitaus mehr religiöse Einheiten gebildet werden.

Ultra-Orthodoxe Rekruten der Grenzpolizei. Foto: Israel Police

In Israel müssen Polizisten keinen Wehrdienst leisten, daher wäre die israelische Polizei ein geeigneter Einsatzort. Orthodoxe Polizisten würden vorzugsweise in ihren Gemeinden eingesetzt werden, wo sie effiziente Arbeit leisten und zur Sicherung ihrer Städte beitragen könnten.

Ben-Gvir ordnete an, die Zahl der Rekruten zu verdoppeln und stellte zu diesem Zweck 1.200 Stellen zur Verfügung. Derzeit gibt es 358 ultra-orthodoxe Polizisten und 65 ultra-orthodoxe Polizistinnen. Von ihnen sind 230 fest angestellt, darunter 36 Offiziere und 208 Unteroffiziere.

Titelbild: Ultra-Orthodoxe demonstrieren gegen die Wehrpflicht. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

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