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Schawuot – Gott sprach zu Israel

JERUSALEM 11.06.2024 (LS) – Schawuot beginnt dieses Jahr am heutigen 11. Juni nach Sonnenuntergang und endet in Israel am Mittwochabend nach Sonnenuntergang.

Es ist interessant, dass Schawuot ein so wenig bekannter Feiertag ist, wenn man bedenkt, dass er an das wichtigste Ereignis in der jüdischen (und wahrscheinlich der menschlichen) Geschichte erinnert – die Übergabe der Thora am Berg Sinai.

Schawuot fällt auf den 6. Tag des jüdischen Monats Siwan. Der Feiertag beendet eine siebenwöchige Periode, der “Omerzählung”, die auf Pessach folgt. Schon der Name “Schawuot” bedeutet “Wochen”, in Anerkennung der Wochen der Vorbereitung und Erwartung, die zur Sinai-Erfahrung führten.

Was passierte am ersten Schawuot?

Vor drei Jahrtausenden zogen die Juden nach ihrem Auszug aus Ägypten in die Wüste Sinai. Die Befreiung aus der Sklaverei wird an Pessach gefeiert. 50 Tage später erlebte das gesamte jüdische Volk – die jüdische Tradition geht von 3 Millionen Männer, Frauen und Kindern aus – eine göttliche Offenbarung:

„Und der Herr redete mit euch mitten aus dem Feuer. Die Stimme seiner Worte hörtet ihr, aber ihr saht keine Gestalt, sondern vernahmt nur die Stimme. Und er verkündigte euch seinen Bund, den er euch zu halten gebot, nämlich die zehn Worte; und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.“ (5. Mose 4, 12-13)

Die Thora wurde dem jüdischen Volk von Gott auf dem Berg Sinai an Schawuot vor mehr als 3.300 Jahren gegeben. Jedes Jahr, am Feiertag Schawuot, erneuern die Juden ihre Annahme von Gottes Geschenk, und Gott “schenkt” ihnen die Thora erneut.

Die Übergabe der Thora war ein weitreichendes spirituelles Ereignis – eines, das den Kern der jüdischen Seele für alle Zeiten berührte. Die Weisen haben es mit einer Hochzeit zwischen Gott und dem jüdischen Volk verglichen. Schawuot bedeutet auch “Schwüre”, denn an diesem Tag schwor Gott ewige Ergebenheit, und das Volk Israel wiederum gelobte Ihm ewige Treue.

Traditionen des Tages

Schawuot (auch Wochenfest genannt) gehört zusammen mit Pessach und Sukkot zu den drei Wallfahrtsfesten. Diese drei Pilgerfeste, zu denen in Zeiten des Tempels die Juden aus dem ganzen Land (später auch der Diaspora) nach Jerusalem pilgerten, sind jeweils in Israel einen Tag kürzer als in der Diaspora.

Das Wochenfest ist eines der weniger bekannten jüdischen Feiertage. Vielleicht liegt der Grund für die relative Unbekanntheit von Schawuot darin, dass es an diesem Feiertag keine offensichtlichen “Symbole” gibt – also kein Schofar, keine Sukkah, keinen Chanukah-Leuchter.

An Schawuot gibt es keine Symbole, die das jüdische Volk vom zentralen Punkt des jüdischen Lebens ablenken: der Thora.

Es haben sich um diesen Feiertag jedoch einige Traditionen entwickelt:

  • Es ist ein weit verbreiteter Brauch, die ganze Nacht aufzubleiben und Thora zu lernen.
  • Im Synagogengottesdienst am Schawuot-Morgen liest man das biblische Buch Rut.
  • An Schawuot ist es üblich, die Synagoge mit Zweigen und Blumen zu schmücken.
  • Es ist eine allgemeine jüdische Tradition, an Schawuot Milchprodukte zu essen.

Als zweites der drei Pilgerfeste hat das Wochenfest neben seiner religiös-historischen auch eine auf die Natur bezogene Bedeutung. Es ist das Fest, an dem in biblischer Zeit die ersten geernteten Früchte als Dankopfer nach Jerusalem in den Tempel gebracht wurden. Sieben Wochen liegen zwischen Pessach, dem Beginn der Gerstenernte, und Schawuot, dem Beginn der Weizenernte.

Aus der Verbindung zur Ernte rührt der Brauch, alle Synagogen mit frischem Grün und Blumen zu schmücken. Außerdem erblühte der Berg Sinai laut Überlieferung am Tag der Thoragebung. Auch Familien dekorieren deshalb zum Wochenfest zusammen mit ihren Kindern gerne ihre Haustüren und Wohnungen mit Blumen und Zweigen.

Titelbild: Eine Familie bereitet einen Tisch mit Milchprodukten für Schawuot vor. Foto: Nati Shohat/Flash90

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