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Kliniken im Untergrund, Armee trainiert: Ein großer Krieg mit der Hisbollah rückt näher

JERUSALEM, 14.06.2024 (TM/TPS) – Raketensalven und Drohnenangriffe verursachen Großfeuer, es gibt Verletzte: Die Hisbollah provoziert Israel immer stärker und versucht, den jüdischen Staat in einen großen Krieg zu verwickeln. Doch die israelische Armee hält sich bislang zurück. Statt eines Großangriffs auf den Südlibanon tötet sie gezielt hochrangige Kommandeure der Terrormiliz. Beide Seiten nutzen bislang nur einen Bruchteil ihres militärischen Potenzials. Aber eine Eskalation der Kämpfe, die dann nicht mehr auf den Norden Israels beschränkt wären, rückt näher.

Intensivstationen unter der Erde

Die Krankenhäuser in Galiläa sehen sich für die Ausweitung des Krieges mit vielen Opfern gerüstet. „Der Notfall liegt in unserer DNA. Von unseren unterirdischen Einrichtungen bis hin zu fortschrittlichen KI-Systemen sind wir auf das Schlimmste vorbereitet“, versichert Dr. Tsvi Sheleg, stellvertretender Generaldirektor des Galiläa Medical Center in Nahariya. Das Krankenhaus liegt nur neun Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt.

Das Hospital war das erste im Land, das umfangreiche unterirdische Infrastruktur entwickelt hat, um im Falle eines Angriffs eine ununterbrochene medizinische Versorgung zu gewährleisten. Dazu gehören 450 Betten unter der Erde. Die Stationen sind durch Tunnel miteinander verbunden. Die Notaufnahme des Krankenhauses und andere kritische Bereiche sind geschützt, damit das Personal auch im Falle eines Raketenangriffs weiterarbeiten kann. Um im Notfall CT-Bilder von Verletzten schnell auswerten zu können, setzt die Klinik künstliche Intelligenz (KI) ein.

Geburtsstation erwartet Schwangere

In Haifa nutzt das Rambam-Krankenhaus die Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Zweiten Libanonkrieg 2006. Das Krankenhaus betreut etwa 400 Geburten pro Monat. In Kriegszeiten ist es darauf vorbereitet, dass sich diese Zahl verdoppelt. Es wird erwartet, dass Schwangere aus den nördlichen Städten in die Gegend von Haifa verlegt werden. Die Entbindungsstation ist noch nicht in geschützte Räume umgezogen, das ist aber innerhalb weniger Stunden möglich.

Auch in Jerusalem ist man auf Krieg vorbereitet: Das Hadassah-Hospital kann seine Intensivstation in ein unterirdisches Parkhaus verlegen. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Die Hisbollah hat am Donnerstag nach eigenen Angaben mehr als 150 Raketen auf den Norden Israels abgefeuert. Am Vortag, als die Israelis das Schawuot-Fest feierten, waren es 215 Raketen. Im Norden Israels, wo die Temperaturen 41 Grad erreichen, kämpfen Feuerwehrleute gegen Brände, die durch den Raketenbeschuss ausgelöst werden.

Sanitäter des Rettungsdienstes Magen David Adom behandelten zwei Israelis mit leichten Schrapnell-Verletzungen. Später am Donnerstag wurden zwei weitere Soldaten bei einem Angriff der Hisbollah mit Panzerabwehrraketen verletzt.

Die Schulen in Safed und auf dem gesamten Golan blieben vorerst geschlossen, so dass die lokalen Behörden die Abiturprüfungen zum Schuljahresende verschieben mussten.

Angriffe halten an

Heute früh wurden vom Libanon aus mehrere Panzerabwehrraketen auf die nördliche Gemeinde Metula abgefeuert, die neue Brände verursachten. In der Nacht hatte es im Norden mehrfach Luftalarm gegeben. In einer Erklärung der Terrorgruppe heißt es, sie habe sechs Armeestützpunkte mit Katjuscha- und Falaq-Raketen sowie drei weitere Stützpunkte in der Region mit Sprengstoff-Drohnen angegriffen.

Die Raketen der Hisbollah verusachen bei dem derzeit heißen und trockenen Wetter immer wieder Brände, wie hier im Biriya-Wald in Nordisrael. Foto: David Cohen/Flash90

Die israelische Armee teilte mit, dass Panzer- und Fallschirmjäger-Einheiten eine zweiwöchige Übung abgeschlossen haben, bei der Kämpfe im Libanon simuliert wurden. Israel hat sich offen für eine diplomatische Lösung des Konflikts gezeigt, droht aber mit einem Krieg gegen die Hisbollah, um die Sicherheit im Norden Israels wiederherzustellen, aus dem bereits Zehntausende Zivilisten wegen des Krieges flüchten mussten.

Titelbild: Polizisten an der Stelle, an der eine aus dem Libanon abgefeuerte Rakete in der nordisraelischen Stadt Katsrin einschlug und Schäden verursachte. Foto: Michael Giladi/Flash90

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