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Mutter einer Geisel: Neun Monate Gefangenschaft in Gaza – vielleicht bin ich schon Großmutter

JERUSALEM 27.06.2024 (LS) – Familienangehörige mehrerer Geiseln, die von der Hamas im Gazastreifen festgehalten werden, haben am Mittwoch eine Pressekonferenz abgehalten und von Premierminister Benjamin Netanjahu klare und entschiedene Aussagen zur israelischen Haltung bei den Verhandlungen über die Rückführung ihrer Angehörigen gefordert.

Orly Gilboa, die Mutter von Daniella Gilboa, erklärte, sie mache sich Sorgen, dass sie aufgrund der Misshandlungen, der ihre Tochter seit neun Monaten in Gefangenschaft ausgesetzt ist, bald Großmutter werden könnte. Daniella gehörte zu den aus dem Stützpunkt Nahal Oz entführten Überwachungssoldatinnen. Ihre Entführung sowie die vier weiterer Soldatinnen ist auf mehreren Hamasvideos vom 7. Oktober zu sehen.

Die Furcht einer Mutter

“Daniela ist eine von 16 Frauen, die seit 9 Monaten in Gefangenschaft sind. Normalerweise werden 9 Monate mit Neuanfängen, Geburt und Glück assoziiert, aber was bedeuten diese 9 Monate für Frauen, die von Monstern festgehalten werden? Ich kann mich des schrecklichen Gedankens nicht erwehren, dass ich bald eine Großmutter sein könnte. Es besteht die Möglichkeit, dass ich bereits eine bin”, so Gilboa.

Daniella Gilboa (links) und Karina Ariev werden von Hamasterroristen auf dem Stützpunkt Nahal Oz als Geiseln genommen. Foto: Screenshot Hamasvideo

„Der Deal ist da und muss unterzeichnet und umgesetzt werden. Ich fordere meine eigene Regierung auf, hinter ihrem eigenen Vorschlag zu stehen, so mutig zu sein wie unsere Mädchen, um sie zu retten, um uns zu retten. Deshalb rufe ich hier im Namen aller Familien der Geiseln die internationale Gemeinschaft auf, gemeinsam Druck auf die Hamas auszuüben, damit sie dieses Abkommen akzeptiert und ALLE 120 Geiseln freilässt. Wir können es uns nicht leisten, die Gelegenheit zu verpassen, jetzt ein Abkommen zu unterzeichnen. Wir müssen das beenden. Sofort!”

Keine Aussicht auf einen Deal

Mittlerweile haben die USA jedoch bestätigt, dass die Hamas einen als „sehr großzügigen“ bezeichneten Vorschlag abgelehnt hat, den die Biden-Administration ausgearbeitet und den Israel angenommen hatte.

„Die Angehörigen der entführten Israelis können nicht tatenlos herumsitzen, während ihre Lieben in der Hölle schmoren“, erklärte Louis Har, der im Februar von einer Spezialeinheit aus dem Gazastreifen befreit wurde.

Es gibt jedoch nicht viel, das die israelische Regierung tun kann. Die Hamas lehnt jedes Abkommen zur Befreiung der Geiseln ab und auf militärischer Ebene wird Israel von den USA und Europa im Zaum gehalten. Doch solange der militärische Druck auf die Hamas nicht stark genug ist, wird sie sich nicht gezwungen sehen, einem Geiselabkommen  zuzustimmen.

Titelbild: Angehörige israelischer Geiseln (ganz links die Mutter von Daniella Gilboa) und die befreite Geisel Louis Har (ganz rechts) geben am 26. Juni 2024 eine Pressekonferenz in Tel Aviv. Foto: Avshalom Sassoni/Flash90

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