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Forscher behaupten: “Hisbollah und Israel bereiteten sich seit 2006 auf diesen Krieg vor”

JERUSALEM, 01.07.2024 (NH) – Der Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation Hisbollah rückt Tag für Tag näher. Es scheint ein Krieg zu sein, an dem keiner interessiert ist, außer der Kopf der größten und mächtigsten Terrororganisation der Welt, Hassan Nasrallah. Der Terrorchef fordert Israel seit fast neun Monaten tagtäglich heraus. Tatsächlich stehen beide Länder jetzt am Rande einer unkontrollierbaren Eskalation, die gar in einen Mehrfrontenkrieg mutieren könnte. Khalil Elhalo, ein Forscher für politische und strategische Angelegenheiten, erklärt jetzt in einem Interview mit dem saudischen Netzwerk “Al-Hadath”, wie ein dritter Krieg zwischen den beiden Fronten verlaufen könnte.

Israel verstärkt seit 2006 Militärkräfte

Seit dem Zweiten Libanonkrieg im Jahr 2006 war die israelische Nordfront relativ ruhig. Doch seit 2019 begann die Hisbollah, eine Eskalation zu intiieren. Mit Raketenbeschuss auf israelische, unbewohnte Gebiete, verletzten die Terroristen fast täglich den israelischen Luftraum – der Beschuss wurde mit Luftangriffen beantwortet. Aufgrund der geringen Opferzahlen auf beiden Seiten, “tolerierte” Israel bis dato die Hisbollahverstöße. Seit dem 7. Oktober verschärfte sich die Situation im Norden und das Bombardement auf jüdische Gemeinden erreichte nie dagewesene Dimensionen. Nasrallah scheint unterdessen auf eine “Vereinigung der Fronten” und auf die Unterstützung des Iran, Irak, Jemen, der Hamas und ähnlichen Terrorvereinigungen im Falle einer Eskalation zu hoffen.

 “Tatsächlich hat der Krieg zwischen den beiden Seiten nie aufgehört und beide Parteien haben sich seit 2006 darauf vorbereitet”, erklärt der Politforscher Khalil Elhalo und weist darauf hin, dass Israel dieses Mal ein sehr entwickeltes Waffensystem hat: “Im Jahr 2006 gab es in Israel keine Raketenabwehrsysteme. Heute haben sie das Iron Dome-System, David’s Sling und das Arrow 3-System, und auch vier Systeme für künstliche Intelligenz”, so Elhalo. Weiter erläutert er, dass “Israel seit dem Ende des Zweiten Libanonkriegs die Leistung seiner Armee neu bewertet und Schulungen durchgeführt hat, damit sie nicht in die gleichen Fehler verfällt, die sie 2006 gemacht hat”. Sicherheitsquellen zufolge hat das Militär zudem seine Manövrierfähigkeiten sowie Offensivkräfte verstärkt. So drohte kürzlich Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant, “die israelische Armee könne den Libanon in die Steinzeit zurückversetzen”. 

Hisbollah fordert Mehrfrontenkrieg heraus

Doch nicht nur Israel baute angesichts der feindlichen Herausforderungen ihre Stärken aus. Neben der Militärunterstützung und den  “Monatsgehältern” aus dem Iran, handelt es sich bei der Hisbollah um einen “syrischen Kriegsveteran”. Die Organisation sammelte in den letzten Jahren wertvolle Kampferfahrung und verfeinerte so ihre operativen Fähigkeiten. Weiter investierte Nasrallah in die “Radwan Force”, eine Elitekampftruppe, die sich aus Tausenden von Kämpfern auf relativ hohem Niveau zusammensetzt. Die Organisation prahlt auch mit der Erweiterung ihres Waffenarsenals mit Schwerpunkt auf ihre Raketenfähigkeiten.

“Was die Hisbollah betrifft, so ist es erwähnenswert, dass sie seit 2006 hauptsächlich junge Männer aus der südlichen Region in ihre Reihen rekrutiert. Das wissen wir, weil alle toten Hisbollah-Aktivisten Bewohner des Südlibanons sind”, erklärt Khalil Elhalo. “Die Organisation hat ein riesiges Netzwerk von Kämpfern in 65 Dörfern im Süden des Libanons. Außerdem können wir an ihrer Munition und ihren Tunneln erkennen, dass sie sich akribisch vorbereitet haben”. Elhalo erklärt, dass sich “die meisten Einrichtungen der Terrororganisation im Libanon unterirdisch befinden”. “Die Hisbollah und Israel haben sich lange auf diesen Feldzug vorbereitet, weil der Krieg von 2006 nicht endgültig war und keine der beiden Seiten den endgültigen Sieg errungen hat.”

Titelbild: Große Brände nach Raketenbeschuss auf die nordisraelische Stadt Kiryat Shmona. Ist ein Krieg noch abwendbar? Foto: Ayal Margolin/Flash90

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