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Soldaten finden jüdische Gegenstände in Gaza und suchen nach den Besitzern

JERUSALEM 07.07.2024 (LS) – Der Kommandeur einer kleinen israelischen Militärdrohneneinheit im Gazastreifen ist mit seinem Team im Zuge einer routinemäßigen Aufklärungsmission in einer Wohnung in Rafah auf einen Gegenstand gestoßen, der dort nicht hingehören sollte. Ein Soldat fand ein Schneidebrett für das jüdische Challa-Brot aus Holzlaminat, auf dem in goldenen Buchstaben auf Hebräisch und Englisch die biblische Aufforderung “Gedenke des Schabbats” stand.  

“Stehlen ist verboten und es ist auch unmoralisch. Aber in diesem Fall, als ich sah, dass es sich um einen jüdischen Gegenstand handelte, sagte ich mir: ‘Das kann nicht ihnen gehören'” erklärte der Soldat.

Also versuchte er, den Besitzer des Challah-Bretts ausfindig zu machen, indem er ein Foto davon auf Facebook postete. Obwohl der Beitrag 1.400 Reaktionen und fast 250 Kommentare erhielt, meldete niemand Anspruch auf den rituellen Gegenstand an.

Weitere Funde

In den mehr als acht Monaten seit dem Beginn der israelischen Bodeninvasion im Gazastreifen Ende Oktober sind in den israelischen sozialen Medien ähnliche Beiträge aufgetaucht.

Zwei Wochen vor Pessach machte ein weiterer Beitrag die Runde, darin wurden die Eigentümer eines in einem Haus in Khan Yunis gefundenen Seder-Tellers dazu aufgefordert, sich zu melden.

Im Dezember fand ein Soldat in einem Haus in Khan Yunis einen Chanukka-Leuchter in Form einer Hamsa, einem handförmigen Symbol. In dem Beitrag hieß es, ohne näher darauf einzugehen, dass die Chanukkia “wahrscheinlich am 7. Oktober” bei Plünderungen während des von der Hamas geführten Angriffs auf den Süden Israels entwendet worden war.

Ein anderer Soldat fand während Chanukka einen anderen Leuchter im Viertel Shejaiya in Gaza-Stadt neben Waffen, Militäruniformen und Ausrüstung. “Neben dem Bett sahen wir die Chanukkia, die auf einer der Kommoden stand. Wir haben sie mitgenommen”, erzählte er. “Ich würde sie wirklich gerne ihrem Besitzer zurückgeben und die Familie, zu der sie gehört, finden.“ Seine Einheit entzündete den Leuchter in der siebten und achten Nacht von Chanukka.

Plünderungsverbot

Die israelische Armee hat sehr strenge Vorschriften gegen Plünderungen und Judaika fällt ebenfalls unter diese Vorschriften, auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass Palästinenser in Gaza diese auf legale Weise erhalten haben. Oberstleutnant a.D. Maurice Hirsch, ehemaliger Direktor der Militärstaatsanwaltschaft der israelischen Streitkräfte erklärt das Dilemma:

Im Falle jüdischer Ritualgegenstände “besteht Grund zu der Annahme, dass sie gestohlen wurden, und die Soldaten sind daher berechtigt, diese Gegenstände zu beschlagnahmen und zu versuchen, sie ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben”, so Hirsch. Er fügte hinzu, dass die Soldaten bei dem Versuch, die Gegenstände zurückzugeben, eine detaillierte Dokumentation über den Fundort der Objekte vorlegen müssen, damit die Artefakte, falls die ursprünglichen Eigentümer nicht identifiziert werden können, möglicherweise an den Ort zurückgebracht werden können, von dem sie entwendet wurden.

Er merkte weiterhin an, die israelischen Streitkräfte könnten Bedenken haben, Ausnahmen für Judaika und rituelle Gegenstände zu machen, da dies „könnte zu einer Fehleinschätzung der Soldaten führen, wenn sie Eigentum an sich nehmen, von dem man nicht einmal annimmt, dass es gestohlen wurde – und das ist Plünderung.”

Titelbild: Illustration. Judaika wie diese wurde in Gaza gefunden. Foto: Chen Leopold/Flash90

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