
Polio in Gaza – die Krankheit bedroht auch israelische Soldaten
JERUSALEM 22.07.2024 (LS) – Nach der Empfehlung des Gesundheitsministeriums, alle israelischen Streitkräfte im Gazastreifen gegen Kinderlähmung zu impfen, prüfen die israelischen Streitkräfte die Impfung aller Soldaten angesichts des Infektionsrisikos. Der Virus wurde kürzlich bei Tests von Abwasserproben aus dem Gazastreifen festgestellt.
Die israelischen Streitkräfte erklärten, sie werden „in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium handeln, um die Gesundheit der Soldaten und der Bevölkerung zu gewährleisten, während sie weiterhin Tests durchführen. Darüber hinaus wurden die Soldaten angewiesen, auf ihre persönliche Hygiene zu achten“.
Gesundheitswesen im Krieg
In den letzten Monaten haben Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitswesens vor der Gefahr der Ausbreitung von Polio und anderen Krankheiten im Gazastreifen gewarnt, die auf die Aktivitäten der Hamas, die Zerstörung des Gesundheitssystems, den mangelnden Zugang zu Nahrung und Wasser, die unzureichende Hygiene und Abwasserentsorgung, die Bevölkerungsdichte, die Mobilität der Bewohner und die überlaufenden Abwässer zurückzuführen sind.
Professor Zohar Mor, der stellvertretende Gesundheitsbeauftragte des Zentralbezirks im Gesundheitsministerium, wies die israelischen Streitkräfte in einem Schreiben an, „dafür zu sorgen, dass alle Soldaten gegen Polio geimpft werden. Es wird außerdem empfohlen, dass die Geimpften eine Auffrischungsimpfung erhalten, da vor allem im Einsatz ein Expositionsrisiko besteht. Die Impfung schützt nicht nur die Soldaten, sondern verhindert auch die Ansteckung derjenigen, die mit ihnen in Kontakt kommen.“
„In der gegenwärtigen Situation sind verschiedene Bevölkerungsgruppen durch das Poliovirus gefährdet, darunter die Bewohner des Gazastreifens, die Geiseln, die humanitären Helfer, unsere Soldaten im Gazastreifen und die Soldaten, die Gefangene aus dem Gazastreifen beaufsichtigen,“ erklärten Experten der Ben-Gurion-Universität.
Impfungen in Gaza?
Die Vorgehensweise ist für die Experten klar: so viele Menschen wie möglich müssen so schnell wie möglich geimpft werden. Während dies bei Soldaten relativ einfach ist, wird es deutlich schwieriger, die Bevölkerung des Gazastreifens zu impfen oder sogar zu behandeln.
Weiterhin soll die Verfügbarkeit von Gesundheitsdiensten verbessert werden. Wichtig ist außerdem der Zugang zu sauberem Wasser und die Regulierung der Gesundheitsbedingungen, der Ernährungssicherheit, der Unterkünfte, der Unterbringung und der Wiederherstellung der medizinischen Versorgung im Gazastreifen.
„Ähnliche Vorfälle wurden in Konfliktgebieten auf der ganzen Welt verzeichnet, darunter in der Ukraine, Äthiopien, Sudan, Syrien und Jemen. Die Erfahrung lehrt, dass gründliche Maßnahmen ergriffen werden müssen, mit Impfungen und der epidemiologischen Überwachung der Bevölkerung sowie der Umweltüberwachung durch Abwässer“, so ein Experte.
Titelbild: Die hygienische Situation im Gazastreifen ist ideal für Krankheitserreger. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90