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Enorme Gefahr für Israel und die Region: Abwasser aus Gaza fließt unkontrolliert ins Mittelmeer

JERUSALEM, 01.02.2026 (NH) – Der seit zwei Jahren andauernde Krieg zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen ist in einen fragilen Waffenstillstand übergegangen. Mehr als 60 Prozent der städtischen Infrastruktur Gazas wurden zerstört oder beschädigt. Schätzungsweise 60 Millionen Tonnen Abfall – darunter Trümmer, Schutt, nicht explodierte Munition sowie menschliche Überreste – bedecken die Enklave. Allein die Beseitigung dieses Materials könnte bis zu 15 Jahre dauern. Der Wiederaufbau des Gazastreifens gilt damit als enorme Herausforderung. Die Folgen der massiven Umweltverschmutzung betreffen jedoch nicht nur die Bevölkerung Gazas, sondern auch Israel.

84.000 Kubikmeter Abwasser fließen ins Meer

Rund 140.000 Gebäude wurden laut UN-Umweltprogramm beschädigt, mehr als ein Viertel vollständig zerstört, auch die Abwassersysteme. Der Krieg hat damit gravierende ökologische Folgen. „Gaza braucht seit Langem eine grundlegende ökologische Neuausrichtung“, erklärt Alon Tal, Professor für Klima und Gesundheit an der Universität Tel Aviv.

Seit rund 30 Jahren befasst sich das Arava-Institut für Umweltstudien mit den Umweltproblemen der Region. Gemeinsam mit der palästinensischen Organisation Damour für Gemeinschaftsentwicklung arbeitet es an netzunabhängigen Wasserversorgungssystemen. Diese sollen Gaza und das sogenannte Westjordanland mit Sanitärinfrastruktur, Energie, Entsalzung und Abwasseraufbereitung versorgen. Nach Kriegsende und angesichts der weitgehend zerstörten Infrastruktur müssen Unterkünfte sowie Wasser- und Sanitärversorgung dringend bereitgestellt werden. Zu diesem Zweck rief das Arava-Institut gemeinsam mit der Organisation Damour die Initiative „Jumpstarting Hope in Gaza“ ins Leben. Sie stellt unter anderem Wasserspeicher, Wasserstationen, Toiletten, Duschen und Abwasserwagen bereit.

Doch die Notmaßnahmen stoßen an ihre Grenzen. Nach Angaben des Umweltprogramms der Vereinten Nationen gelangen über rund 350 Abwasserwagen täglich etwa 84.000 Kubikmeter ungeklärten Abwassers ins Mittelmeer. Die Folgen sind sichtbar: „Entlang der Küste ist das Wasser durch rohes Abwasser geschwärzt“, erzählt Basil Yassin, Umweltschützer und Feldkoordinator von EcoPeace Middle East.

Wasser, Energie und Umwelt nicht nur in Israel gefährdet

Die Abwässer fließen durch Straßen und landwirtschaftliche Flächen, setzen Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Kadmium frei und gelangen über den sandigen Küstengrundwasserleiter in die regionale Wasserversorgung. „Was in Gaza in der Umwelt passiert, bleibt nicht auf Gaza beschränkt“, warnt Doug Weir, Leiter des Konflikt- und Umweltobservatoriums. Auch das Mittelmeer transportiert die Schadstoffe weiter: Meeresströmungen, Wind, wandernde Tiere und menschliche Aktivitäten verbreiten die Verschmutzung über weite Distanzen. Experten warnen zudem vor krebserregenden Stoffen und toxischen Partikeln in der Luft, die über Regen und Wind auch Israel und angrenzende Regionen erreichen können.

Die Krise im Gazastreifen ist damit längst zu einer regionalen Umwelt- und Gesundheitsbedrohung geworden. Luftverschmutzung, kontaminiertes Wasser und medikamentenresistente Krankheitserreger betreffen nicht nur Gaza und Israel, sondern auch angrenzende Regionen – und erfordern trotz politischer Spannungen eine gemeinsame regionale Antwort.

Titelbild: Palästinenser leben in Notunterkünften neben Abwasserkanälen nahe dem Meer in Deir al-Balah, Gaza. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90, 19. August 2024

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