
Ein Telefonanruf lockte Hisbollah-Terrorchef Shukr vor dem Anschlag in seine Wohnung
JERUSALEM, 18.08.1024 (TM) – Den letzten Telefonanruf seines Lebens erhielt Fuad Shukr am 30. Juli gegen 19 Uhr in seinem Büro im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses in Beirut. Der 63-Jährige wurde gebeten, sich in seine Wohnung im siebten Stock zu begeben. Wenige Minuten später schlug dort eine Bombe ein, abgefeuert von einer israelischen Drohne. Bei der Explosion kamen nach Angaben des von der Hisbollah geführten libanesischen Gesundheitsministeriums auch seine Frau, zwei weitere Frauen und zwei Kinder ums Leben. Der verhängnisvolle Anruf kam wahrscheinlich von einem israelischen Agenten, der in das interne Kommunikationsnetz der Hisbollah eingedrungen war.
Reporter des Wall Street Journal haben mit Verantwortlichen der Hisbollah über den tödlichen Luftschlag gesprochen. Die Terrorgruppe arbeitet mit dem Iran zusammen, um den Sicherheitsverstoß zu untersuchen. Sie ist der Ansicht, dass Israels überlegene technologische Fähigkeiten das Überwachungssystem der Terrorgruppe übertrumpft haben.
Jahrzehnte in Diensten des Terrors
Laut dem Zeitungsbericht wohnte und arbeitete Shukr im selben Gebäude, um seine Zeit im Freien zu begrenzen. Er stand schon lange auf der Fahndungsliste der Amerikaner: 1982, noch vor der offiziellen Gründung der Hisbollah, war er an einem Bombenanschlag auf eine Kaserne der US-Marines in Beirut beteiligt, bei dem 241 amerikanische Soldaten getötet wurden.
Der Erzterrorist tauchte unter, nachdem er 1985 die Entführung des TWA-Flugs 847 geplant hatte. Die Boeing mit 153 Passagieren an Bord war auf dem Flug von Athen nach Rom von einer der Hisbollah nahestehenden Terrorgruppe in ihre Gewalt gebracht worden. Es ging darum, Häftlinge in israelischen Gefängnissen freizupressen. Dabei wurde ein amerikanischer Passagier ermordet.
Shukr lebte seitdem im Verborgenen. Nur selten tauchte er plötzlich auf, wie 1996. Während einer Pilgerfahrt nach Mekka leitete Shukr eine große Gruppe muslimischer Gläubiger an, die „Tod für Amerika“ und „Tod für Israel“ skandierten, so ein Bekannter, der Shukr begleitet hat.
In den südlichen Außenbezirken von Beirut, einer Hisbollah-Hochburg, lebte der Terror-Kommandeur, ohne Aufsehen zu erregen. „Wir hatten seinen Namen gehört, aber wir haben ihn nie gesehen“, zitiert das Wall Street Journal einen Nachbarn: „Er war wie ein Geist.“ Doch der „Geist“ zog heimlich die Fäden bei den größten Terroranschlägen der schiitischen Islamisten. Laut israelischer Armee (IDF) war er 2006 an der Leitung eines grenzüberschreitenden Angriffs beteiligt, bei dem acht israelische Soldaten getötet und zwei entführt wurden und der einen Krieg mit dem Libanon auslöste. Nach diesem Konflikt soll Shukr die Ausweitung des Raketenarsenals der Terrorgruppe von 15.000 auf rund 150.000 Raketen veranlasst haben, was sie zum bestbewaffneten nichtstaatlichen Akteur in der Region macht.

Nach Angaben der IDF war Shukr der Ansprechpartner der Hisbollah, wenn es darum ging, iranische Komponenten über Syrien einzuschmuggeln, die aus ungelenkten Raketen Lenkraketen machen konnten.
Enger Freund von Nasrallah
Shukr galt als enger Freund von Scheich Hassan Nasrallah, der 1992 nach der Tötung seines Vorgängers durch Israel zum Führer der Terrorgruppe ernannt wurde. Stunden vor seinem Tod soll er noch in Kontakt mit Nasrallah gestanden haben. Der Anschlag auf Shukr war einer der wenigen, für den die israelische Armee offiziell die Verantwortung übernahm. Nasrallah schwor den Zionisten bittere Rache.
Die Hisbollah hat 412 Mitglieder benannt, die während der anhaltenden Gefechte seit dem 7. Oktober von Israel getötet wurden, vor allem im Libanon, einige aber auch in Syrien. Im Libanon kamen weitere 71 Angehörige anderer Terrorgruppen, ein libanesischer Soldat und Dutzende Zivilisten ums Leben. Fuad Shukr, der „Geist von Beirut“, war das bislang prominenteste Opfer.
Titelbild: Nach dem Tod von Fuad Shukr veröffentlichte die Hisbollah dieses Foto ihres Militär-Kommandeurs. Quelle: Hisbollah Handout