
Mordermittlungen im Terrortunnel – die Geiseln hungerten und kämpften vor ihrer Hinrichtung gegen die Terroristen
JERUSALEM, 10.09.2024 (NH) – Die israelische Armee hat den Familien von Hersh Goldberg-Polin, Eden Jerushalmi, Ori Danino, Alex Lobnov , Carmel Gat und Almog Sarussi die Ergebnisse ihrer ersten Untersuchung vorgelegt. Die Daten zeigen brutale und unmenschliche Überlebensbedingungen, die mit der grausamen Hinrichtung der ausgehungerten Geiseln endeten. Doch die israelischen Zivilisten ergaben sich ihren Mördern nicht kampflos. Es gibt Hinweise darauf, dass die Entführten mit letzter Kraft gegen die Terroristen gekämpft haben.
Grausame Entdeckungen im Untergrund
Die Untersuchungen des israelischen Militärs werfen ein erstes Licht auf den grausamen Albtraum, den die sechs Israelis in den unterirdischen Terrortunneln der Hamas erleben mussten. Demnach ermordeten die Terroristen ihre Geiseln nur wenige Stunden vor dem Eintreffen der Armee. Späher der Terrororganisation entdeckten die anrückenden Truppen, was zur Exekution der Geiseln führte. Beweise im Schacht deuten darauf hin, dass die Entführten vor ihrer Ermordung mit letzter Kraft gegen die Hamas-Terroristen kämpften. Offenbar versuchten die männlichen Geiseln, die beiden Frauen zu schützen. Die Obduktion ergab, dass in den Leichen der Geiseln Kugeln von zwei verschiedenen Waffen gefunden wurden, was darauf hindeutet, dass es sich um zwei Terroristen handelte.
Die sechs Geiseln wurden in einem sehr kleinen und engen Seitentunnel von etwa 80 cm Breite festgehalten. Stehen oder nebeneinander liegen konnten die Entführten nicht. Der Tunnelschacht verfügte weder über Lüftungsöffnungen noch über sanitäre Anlagen. Zum Duschen und Urinieren wurden Wasserflaschen benutzt, die auch als Trinkwasser dienten. Für Licht sorgte lediglich eine kleine Taschenlampe, die mit einem Generator betrieben wurde. Am Tatort wurden Reste von Proteinriegeln sichergestellt, die jedoch den Hungertod der Entführten nicht verhindert hätten. Alle Geiseln müssen extremen Hunger gelitten haben. Darauf deutet der drastische Gewichtsverlust der Getöteten hin: Eden Jerushalmi wog nur noch 36 Kilogramm. Die Beweise lassen das unbeschreibliche Leid nur erahnen.

Nicht die erste Hinrichtung
Am Sonntag präsentierte das Militär den Regierungsmitgliedern in der Kabinettssitzung das Tunnelvideo mit den erschreckenden Bildern. Die Kabinettsmitglieder zeigten sich schockiert: „Es war sehr schwer, die Aufnahmen anzusehen“. Die israelische Armee will das Video auch den Hinterbliebenen zugänglich machen und dann, sollten diese es wünschen, auch die breite Öffentlichkeit einbeziehen.
Es scheint, dass die jüngste Hinrichtung nicht das erste Geisel-Massaker war. In einer Knesset-Sitzung hat Esther Buchstav, die Mutter des von der Hamas ermordeten Yagev Buchstav, jetzt den Autopsiebericht ihres Sohnes veröffentlicht: „Mein Sohn wurde hingerichtet“, erklärte Buchstav. „Die Armee kam in die Nähe des Tunnels und er wurde exekutiert.“ Die Leichen von Yagev Buchstav, Alex Danzig, Yoram Metzger, Avraham Munder, Haim Peri und Nadav Popplewell wurden letzten Monat in Gaza geborgen. Die Männer scheinen im Februar oder März ermordet worden zu sein. Darauf deuten die zahlreichen Kugeln hin, die in ihren Leichen gefunden wurden.
Am 7. Oktober wurden 251 Israelis und Ausländer nach Gaza entführt. 117 wurden lebend befreit: 109 im Rahmen eines Geiselabkommens im vergangenen November – acht bei Militäroperationen. 33 Entführte wurden in Geiselhaft hingerichtet, 37 wurden bereits am 7. Oktober ermordet und ihre Leichen entführt. 101 Entführte befinden sich noch in der Gewalt der Hamas. Mindestens 35 Geiseln wurden bisher offiziell für tot erklärt.
Titelbild: Die ermordeten Geiseln wurden nicht in einem großen Manövertunnel, sondern einem kleinen Verbindungstunnel gehalten. Foto: Armeesprecher