
Die Hamas sabotiert die Geiselverhandlungen – Witkoff und Netanjahu drohen mit „alternativen” Möglichkeiten, die Geiseln zu befreien
JERUSALEM, 27.07.2025 (NH) – Im Schatten der gescheiterten Geiselverhandlungen hat Israels Premierminister Benjamin Netanjahu erklärt, er suche gemeinsam mit den Vereinigten Staaten nach alternativen Möglichkeiten, um die übrigen 50 Geiseln nach Israel zurückzubringen. Netanjahu erklärte außerdem, er strebe ein Ende der Hamas-Diktatur im Gazastreifen an, um einen dauerhaften Frieden zwischen den Parteien zu ermöglichen. Die Terrororganisation befindet sich seither in Alarmbereitschaft für US-israelische Rettungsaktionen und droht mit Geiselhinrichtungen.
Die USA und Israel drohen mit Alternativen
Diese überraschende Erklärung des Ministerpräsidenten erfolgte umgehend, nachdem die Verhandlungen in der katarischen Hauptstadt Doha trotz umfassender Flexibilität Israels bezüglich der Verhandlungs- und Streitpunkte nach der Antwort der Hamas gescheitert waren. Netanjahu erklärte, der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, habe Recht behalten und die Hamas sei das Hindernis für eine Geiselbefreiung. „Gemeinsam mit unseren amerikanischen Verbündeten erwägen wir nun alternative Optionen, um unsere Geiseln nach Hause zu bringen, die Schreckensherrschaft der Hamas zu beenden und einen dauerhaften Frieden für Israel und unsere Region zu sichern”, versprach der israelische Regierungschef und griff damit die Drohungen Witkoffs auf.
Der US-Sondergesandte, der bereits am Donnerstag die Rückkehr der amerikanischen Delegation aus Doha angekündigt hatte, attackierte die Terrororganisation scharf und machte sie für den Zusammenbruch der Verhandlungen verantwortlich. „Obwohl die Vermittler große Anstrengungen unternommen haben, scheint es, dass die Hamas nicht koordiniert oder in gutem Glauben handelt. Wir werden jetzt alternative Optionen prüfen, um die Geiseln nach Hause zu bringen und versuchen, ein stabileres Umfeld für die Menschen in Gaza zu schaffen.“ „Es ist eine Schande, dass die Hamas so egoistisch gehandelt hat”, so Witkoff. „Wir sind entschlossen, uns für ein Ende dieses Konflikts und einen dauerhaften Frieden in Gaza einzusetzen.“

Die Hamas ist in Alarmbereitschaft
Laut Berichten der saudischen Zeitung Asharq Al-Awsat befindet sich die Terrororganisation seit Freitag in hoher Alarmbereitschaft. Aufgrund der Äußerungen von Netanjahu und Witkoff nimmt die Hamas an, dass Israel und die USA nun gemeinsame Rettungsaktionen für die Geiseln planen könnten. Quellen innerhalb der Terrororganisation in der Enklave behaupteten, die Terrormitglieder seien angewiesen worden, jede verdächtige Bewegung in der Nähe von Geiselverstecken zu beobachten. Den Quellen zufolge ist sich die Terrororganisation trotz der Drohungen und der erhöhten Alarmbereitschaft jedoch sicher, dass jede militärische Rettungsoperation der israelischen Armee scheitern wird. Die Hamas glaubt, Israel werde am Ende keine andere Wahl haben, als einen Gefangenenaustausch zu ihren Bedingungen zuzustimmen, da es laut ihren Aussagen „keinen anderen Weg gibt, die Geiseln zurückzubringen”. Weitere Hamas-Quellen und andere terroristische Fraktionen drohen im Falle einer versuchten Rettungsaktion damit, die israelischen Entführten zu exekutieren. Diese grausame Drohung wurde nun auch von befreiten Geiseln untermauert, die berichteten, ihre Entführer hätten entsprechende Anweisungen erhalten.
Die letzte Befreiungsoperation fand im Juni des vergangenen Jahres statt. Dabei wurden die Geiseln Noa Argamani, Almog Meir Jan, Andrei Kozlov und Shlomi Ziv aus Nuseirat im zentralen Gazastreifen befreit. Bei dem waghalsigen Manöver wurde der Soldat Arnon Zmora getötet. So wächst die Angst vor weiteren Geiselmorden und Verlusten nicht nur unter den Angehörigen der Entführten, sondern auch unter den Familien der israelischen Soldaten. Das Forum der Geiselfamilien veröffentlichte, die US-israelischen Drohungen stellten„für die Entführten eine greifbare und unmittelbare Gefahr für ihr Schicksal” dar.
Im Geiselforum wurde die brutale Hinrichtung von sechs Entführungsopfern in einem der Terrortunnel im August des vergangenen Jahres erwähnt. Bei einem Militärmanöver wurden die Geiseln Hersh Goldberg-Polin (23), Eden Yerushalmi (24), Ori Danino (25), Alex Lubnov (32), Carmel Gat (40) und Almog Sarusi (25) in einem unterirdischen Tunnel in der Gegend von Rafah ermordet. „Genug! Das israelische Volk will mit überwältigender Mehrheit ein Ende der Kämpfe und ein umfassendes Abkommen, das alle Entführten zurückbringt. Die Familien sind besorgt und erschüttert.“
Titelbild: Vermummte, bewaffnete Mitglieder der Qassam-Brigaden, dem militärischen Flügel der Hamas, in Gaza-Stadt. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90