
„Sie sind in Lebensgefahr – Minute für Minute“ – Unter Tränen appelliert Ex-Geisel für die Freilassung der 50 übriggebliebenen Geiseln in Gaza
JERUSALEM, 09.07.2025 (NH) – Im Schatten der Verhandlungen in Doha und des Besuchs von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in den USA hat Keith Siegel, eine israelische Geisel, die aus der Gefangenschaft in Gaza zurückgekehrt ist, vor der Knesset internationale Maßnahmen und Interventionen gefordert, um alle zurückgebliebenen Geiseln aus den Händen der Terrororganisation in Gaza zu befreien. Siegel, der am 1. Februar 2025 freigelassen wurde, vertraut vor allem auf die Fähigkeiten des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Bezug auf ein kommendes Abkommen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen bestärkt die Ex-Geisel die Wichtigkeit, die israelischen Gefangenen nach Hause zu bringen, und legt erschütternde Berichte aus seiner Gefangenschaft offen.
Schwere Gewalt, Morddrohungen und Folter
Überlebende der Gefangenschaft und Angehörige von Geiseln trafen am Dienstag vor dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung zusammen, um ein umfassendes Geiselabkommen zu fordern. Ein besonders erschütterndes Zeugnis gab Keith Siegel ab, der den Anwesenden von massiver Folter und exzessiven Gewaltakten gegenüber weiteren Geiseln während seiner 484-tägigen Gefangenschaft berichtete. „Ich bin hierhergekommen, um von der Not dort zu berichten und die Qualen der 50 Entführten, die noch dort sind, so gut wie möglich zu veranschaulichen. Ich war 484 Tage dort, sie sind bereits 641 Tage dort. Es ist sehr schwierig, das Leid, das sie durchmachen, in Worte zu fassen“, erklärte der 64-Jährige.
„Sie drohten mir mehrmals, mich zu töten. Sie hielten mir eine Waffe an den Kopf. Ich sah auch entführte Männer und Frauen, die schwere Gewalt, Folter und Morddrohungen erlebten. Ich wurde Zeuge, wie eine entführte Frau schwer gefoltert wurde. Sie drückten ihr einen scharfen Gegenstand gegen die Stirn und hielten ihr eine Waffe an den Kopf.“
In den Tunneln mit Omri, Matan und den Zwillingen
Siegel erklärt, das Erlebte verfolge ihn bis zum heutigen Tag und seine posttraumatischen Belastungsstörungen verschlimmerten sich stetig. „Ich kehrte zwar körperlich zurück, aber ein Teil von mir blieb in Gaza.“
Laut der Ex-Geisel wurde er zusammen mit Omri Miran gefangen gehalten. Dieser wurde am 7. Oktober 2023 aus dem Kibbuz Nahal Oz entführt. Er ist verheiratet und Vater von zwei kleinen Töchtern. „Die Trennung von der Familie ist an sich schon qualvoll, und das, bevor die Gewalt und der Missbrauch überhaupt erwähnt werden.“ Siegel berichtete auch von dem entführten Soldaten Matan Angrest, der am Tag seiner Entführung schwer verletzt wurde: „Wir haben zusammen schwere Gewalt erlebt. Wir mussten sogar betteln, um auf die Toilette gehen zu dürfen. Matan wurde in den Tunneln festgehalten und litt unter schwerer Atemnot. Schließlich wurde er aus den Höhlen gebracht, damit er überleben und seine Verletzungen behandelt werden konnten. Er hat für meinen Kibbuz gekämpft, und jetzt müssen wir für ihn kämpfen.“
„Sie werden verschwinden, wenn wir sie nicht retten“
Neben Miran und Angrest berichtete Siegel auch von den Zwillingsbrüdern Gali und Ziv Berman. Sie wurden seinen Angaben nach während der Gefangenschaft getrennt. Siegel fügte hinzu, ihr Vater, Doron Berman, befinde sich in einem sehr ernsten Gesundheitszustand. „Sie leiden jede Minute. Sie wurden in Gefangenschaft getrennt, sie wurden verwundet“, so der 64-Jährige.
Siegel beendete seine Aussage mit einem direkten Appell an israelische und internationale Führungskräfte. „Es gibt ein Zeitfenster, um die Geiseln zu befreien – jede Minute ist entscheidend. Die Gefallenen könnten für immer verschwinden, wenn wir sie nicht zurückbringen. Ich fordere den Premierminister – und auch Präsident Trump – auf, dringend zu handeln. Jetzt!“
Titelbild: Keith Siegel und die Familien der Geiseln nahmen am 8. Juli 2025 an einer Sitzung des Ausschusses für Sicherheits- und Verteidigungsfragen in der Knesset, dem israelischen Parlament in Jerusalem, teil. Foto: Chaim Goldberg/Flash90