
Zweite Runde der Massenimpfung gegen Polio im Gazastreifen gestartet
JERUSALEM, 16.10.2024 (TPS/NH) – Im Gazastreifen hat eine 12-tägige Impfkampagne gegen Kinderlähmung begonnen, bei der rund 591.700 Kinder unter zehn Jahren eine zweite Dosis des innovativen Typ-2-Impfstoffs (nOPV2) erhalten. Die von internationalen Hilfsorganisationen und der israelischen Armee koordinierte Hilfsaktion ist bereits die zweite Impfkampagne. Auch bei dieser Impfrunde ist ein humanitärer Waffenstillstand Voraussetzung für eine erfolgreiche Durchführung der Operation. Zunächst muss sichergestellt werden, dass alle Impfteams in einem sicheren Umfeld arbeiten und die palästinensischen Kinder ohne Angst immunisiert werden können. „Wir haben von unseren Kollegen erfahren, dass die Impfung ohne größere Probleme verlaufen ist, und wir hoffen, dass das auch in Zukunft so sein wird“, sagte ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation zum Auftakt der Aktion.
Viele Organisationen beteiligt
Die Impfkampagnen finden vom 14. bis 17. Oktober im zentralen Gazastreifen, vom 19. bis 22. Oktober im südlichen Bezirk und vom 23. bis 25. Oktober im nördlichen Bereich der Enklave statt. Sie werden vom palästinensischen Gesundheitsministerium in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), dem Hilfswerk der Vereinten Nationen für palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) sowie anderen Hilfsorganisationen durchgeführt. Seit Beginn des Krieges wurden 341.826 Ampullen mit Polio-Impfstoff (4.703.260 Impfungen) über den Kerem-Shalom-Grenzübergang nach Gaza geliefert. Weitere 16.350 Ampullen (163.500 Dosen) sind am vergangenen Mittwoch in Gaza angekommen.
Die erste Impfrunde hatte im September stattgefunden. Es ist zu beachten, dass mindestens zwei Impfdosen notwendig sind, um die Übertragung des Poliovirus zu verhindern. Dies kann jedoch nur erreicht werden, wenn mindestens 90 Prozent aller Kinder in der Region geimpft sind. In dieser Runde wird zusammen mit dem Polio-Impfstoff auch Vitamin A verabreicht, um die allgemeine Immunität der Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren zu stärken.
Seit Beginn des Krieges: 54.270 Hilfstransporte
Poliomyelitis, kurz Polio, ist ein hochansteckendes Virus, das meist durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen wird. Schwere Verläufe können zu Lähmungen, Atemproblemen und sogar zum Tod führen. Obwohl Polio in vielen Ländern ausgerottet ist, breitet sich das Virus in Ländern mit schlechten sanitären Verhältnissen und unzureichender Abwasserkontrolle weiter aus. Das israelische Gesundheitsministerium hat im Juli in zwei Abwasserproben aus dem Gazastreifen Hinweise auf das Poliovirus Typ 2 gefunden, die nach eigenen Angaben mit Testergebnissen der Weltgesundheitsorganisation in Ägypten übereinstimmen.
Der Koordinator der Regierung für die Aktivitäten in der Region erklärte, dass er „im Rahmen der medizinischen Hilfe des Staates Israel in ständigem Kontakt mit allen Institutionen des Gesundheitssystems und der internationalen Gemeinschaft steht und Lagebeurteilungen vornimmt, um die medizinische Situation im Gazastreifen ständig zu überwachen.“ In diesem Zusammenhang habe der Staat Israel seit Beginn des Krieges die Einrichtung von 14 Feldlazaretten im Gazastreifen ermöglicht und unterstützt, außerdem die Einfuhr von 2.706 Lastwagen mit 26.987 Tonnen Medikamenten und medizinischer Ausrüstung zur Verteilung an die Bevölkerung, die Einführung von Impfstoffen zur Vorbeugung von Krankheiten und anderen Epidemien sowie die Rotation internationaler medizinischer Teams, die im Gazastreifen tätig sind, so der Koordinator. Nach Angaben des Sprechers hat Israel seit Beginn des Krieges insgedamt 54.270 Lastwagen mit 1.064.820 Tonnen humanitärer Hilfsgüter über die verschiedenen Grenzübergänge in den Gazastreifen gelassen, darunter 38.746 Lastwagen mit rund 824.078 Tonnen Nahrungsmitteln.
Titelbild: Palästinensische Kinder erhalten am 14. Oktober 2024 in Deir al-Balah im zentralen Gazastreifen im Rahmen der zweiten Polio-Impfkampagne die Schluckimpfung. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90