
Herausgeber der Zeitung Haaretz bezeichnet Hamas-Terroristen als „Freiheitskämpfer“
JERUSALEM, 03.11.2024 (NH) – Auf dem Jahreskongress der linksgerichteten Zeitung „Haaretz“ bezeichnete deren Herausgeber Amos Schocken die Regierung Netanjahu als „grausames Apartheid-Regime“. Zudem beschrieb er die Terroristen der Hamas als Freiheitskämpfer und rief zu Sanktionen gegen Israel auf. Die Äußerungen des 79-Jährigen sorgten im Heiligen Land für Aufsehen. Der Generaldirektor des Innenministeriums und der Kommunikationsminister forderten, jegliche Zusammenarbeit mit der Zeitung einzustellen. Der israelische Justizminister Yariv Levin postulierte, Handlungen israelischer Bürger, die zu Antisemitismus und Sanktionen gegen Israel aufriefen, seien strafrechtlich zu verfolgen. Inzwischen hat Schocken seine Äußerungen korrigiert.
Israelfeindlicher Auftritt in London
In seiner Rede auf der Haaretz-Konferenz in England erklärte Amos Schocken, dass „die israelische Armee eine zweite Nakba in Gaza durchführt“ und dass „die Knesset grundsätzlich gegen einen palästinensischen Staat ist“. Außerdem werden die Kosten für die Verteidigung der israelischen Siedlungen ignoriert und palästinensische Freiheitskämpfer, die von der israelischen Regierung als Terroristen bezeichnet werden, bekriegt. Der Herausgeber der Zeitung behauptete, die Regierung fördere weiterhin illegale Siedlungen in Gebieten, die für einen palästinensischen Staat bestimmt seien. „Es macht ihr (der Regierung) nichts aus, dem palästinensischen Volk ein grausames Apartheidregime aufzuzwingen“, so der Herausgeber. Schocken forderte, weitere Sanktionen gegen den Staat Israel zu verhängen, vor allem aber gegen die Minister Bezalel Smotrich und Itamar Ben Gvir, denn „nur solche Maßnahmen werden Israel zur Rechtschaffenheit zurückführen“. Die Haaretz-Konferenz bringt führende Politiker, Analysten und Aktivisten aus Israel und Großbritannien zusammen, um die Probleme Israels und des Nahen Ostens zu diskutieren.
Staatliche und private Stellen fordern Abo-Kündigungen und Werbe-Stopp
Die schockierenden Äußerungen des 79-Jährigen lösten in Jerusalem einen Sturm der Entrüstung aus. Innenminister Moshe Arbel rief in einem offiziellen Schreiben dazu auf, „nicht zu schweigen angesichts des Schadens, der Soldaten zugefügt wird, und der Bemühungen des Staates, seine Bürger zu schützen“, und forderte die sofortige Einstellung jeglicher staatlicher Werbung in der Zeitung. Auch Kommunikationsminister Shlomo Karai zeigte sich empört: „Es ist erwähnenswert, dass Haaretz großzügig von israelischen Bürgern finanziert wird, durch Anzeigen und Abonnements, die von der Regierung gekauft werden. Die Einstellung des Kaufs von Dienstleistungen von Haaretz durch staatliche Stellen wird den schweren Schaden verringern, den die israelischen Bürger nicht nur durch die Veröffentlichungen in der Zeitung, sondern auch dadurch erleiden, dass sie gezwungen sind, sie mit ihren Steuergeldern zu finanzieren.“
Seit der Ankündigung der beiden Minister haben weitere Ministerien angekündigt, ihre Zusammenarbeit mit Haaretz einzustellen. Darunter das israelische Bildungsministerium, das Ministerium für Diaspora-Angelegenheiten, das Arbeitsministerium, das Finanzministerium, das Innenministerium, das Kulturministerium, das Ministerium für Kultur und Sport sowie weitere Ministerien.

„Terroristen sind keine Freiheitskämpfer“
Aber auch in den eigenen Reihen schockierte der Herausgeber. „Wir, die Journalisten von Haaretz, die über den Krieg und seine Ergebnisse berichten, sind unmissverständlich gegen Terroristen. Terroristen, wo immer sie auch sein mögen, können nicht als Freiheitskämpfer betrachtet werden“, so einige der Haaretz-Reporter.
Nach der Welle der Entrüstung versuchte Schocken, seine Aussage zu korrigieren: „Angesichts der Kommentare, dass ich Palästinenser, die Terrorakte begehen, als Freiheitskämpfer definiert habe, habe ich überdacht, was ich gesagt habe“, so Schocken auf seiner Webseite. „Ich hätte sagen sollen: Freiheitskämpfer, die auch terroristische Methoden anwenden, müssen wir bekämpfen. Terrorismus ist nicht legitim. Über die Hamas muss man sagen, dass sie keine Freiheitskämpfer sind, denn ihre Ideologie ist: Alles gehört uns, lasst die anderen gehen. Ich habe dazu nicht in einer Rede auf der Konferenz, sondern in einem Zeitungsartikel gesagt, dass die Initiatoren des 7. Oktober und die Täter hart bestraft werden müssen.“
Die Frage, ob die Kündigungswelle bereits begonnen hat, wurde von Haaretz bisher nicht beantwortet.
Titelbild: Haaretz-Chefredakteur Amos Schocken sorgt für Aufsehen. Foto: Olivier Fitoussi/Flash90