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20-jähriger Jude nach umstrittenem Todesurteil im Iran hingerichtet

JERUSALEM, 05.11.2024 (NH) – Erwin Nathaniel Kahramani, ein 20-jähriger jüdischer Iraner, ist gestern im Iran in einem Gefängnis in der westiranischen Stadt Kermanshah hingerichtet worden. Kahramani war wegen Mordes an einem muslimischen Mitbürger bei einer Bandenschlägerei mit finanziellem Hintergrund vor zwei Jahren verurteilt worden. Versuche seiner Familie, der jüdischen Gemeinde und von Menschenrechtsorganisationen, das Todesurteil abzuwenden, blieben erfolglos.

Schlägerei führt zum Tod des Angreifers

Erwin Nathaniel Kahramani wurde gestern Morgen gehängt. Kahramani war wegen finanzieller Streitigkeiten in eine Bandenschlägerei mit einem muslimischen Bürger verwickelt, die zum Tod des Muslims führte. Der damals 18-jährige Angeklagte soll im November 2022 in einem Fitnessstudio trainiert haben, als er von sieben Männern angegriffen wurde. Ein Mitglied der Bande, Amir Shokri, soll Kahramani Geld geschuldet haben. Shokri zog ein großes Messer heraus griff den iranischen Juden an. Kahramani kämpfte gegen den 40-jährigen Angreifer, konnte ihm sein Messer entwenden und stach zu, wodurch Shokri tödlich verletzt wurde. Der Angeklagte wurde wenig später wegen „vorsätzlichen Mordes eines Muslims“ zum Tode durch den Strang verurteilt – trotz des Arguments, es habe sich um Notwehr gehandelt.

Kahramanis Hinrichtung sollte bereits vor einigen Monaten vollstreckt werden. Doch nicht nur internationaler Druck und massive Kritik führten zu einer Verzögerung des umstrittenen Urteils. Das örtliche Gericht entschied, das Todesurteil könne abgewendet werden, wenn die Familie des verstorbenen Muslims dem Angeklagten verzeiht – eine gängige Praxis im iranischen Rechtssystem. Die Familie Kahramani bot den Hinterbliebenen des Verstorbenen eine Million Dollar (umgerechnet knapp 920.000 Euro) als finanzielle Entschädigung und Vergebung, doch die Familie lehnte den Kompromiss ab und forderte seine Hinrichtung.

Bis zuletzt plädierte die Familie des jungen Juden auf Notwehr. Erwin habe sogar geholfen und den Verletzten ins Krankenhaus gebracht.

Rekord an Hinrichtungen im Oktober

Insgesamt 166 Menschen sollen im vergangenen Oktober hingerichtet worden sein. Die in Oslo ansässige iranisch-norwegische Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights, kurz IHR, spricht von einer Rekordzahl von Hinrichtungen, der höchsten seit 20 Jahren. Nach Angaben der Organisation wurden 80 der Angeklagten wegen Mordes und 64 wegen Drogendelikten gehängt. Zwölf der Hingerichteten wurden „moralische Korruptionsdelikte“ vorgeworfen. Offiziell gaben die iranischen Behörden jedoch nur 20 Prozent aller Hinrichtungen bekannt. Der Generaldirektor von IHR, Mahmoud Amiri Moghaddam, erklärte, das islamische Regime nutze die Tatsache aus, dass „die Augen der Welt auf die Spannungen zwischen Teheran und Jerusalem gerichtet sind, um so viele Gefangene wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr hinzurichten“. Er ruft die internationale Gemeinschaft zu einer dringenden Intervention auf. Laut Amnesty International wurden im Iran im vergangenen Jahr 853 Menschen hingerichtet, das sind 75 Prozent aller weltweit registrierten Hinrichtungen.

Einer der Hauptgründe für die Verhängung der Todesstrafe in der Islamischen Republik wird auf Persisch „mufsad al-falyarz“ genannt, zu Deutsch „Verderben auf Erden“. Dazu zählen Verbrechen gegen das Vaterland, die Verbreitung von Gerüchten, Verleumdung und „moralische Korruption“, die mit gleichgeschlechtlichem Sex in Verbindung gebracht wird.

Wer glaubt, der neue moderate Präsident Masoud Fezshkian könne die Menschenrechtslage im Iran verbessern, sieht sich getäuscht. Seit seinem Amtsantritt im August wurden über 350 Menschen hingerichtet.

Titelbild: Grausamkeit im Iran: Der 20-jährige Erwin Nathaniel Kahramani wurde hingerichtet. Foto: privat

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