
Israel lehnt Waffenstillstand ab und kündigt Ausweitung der Angriffe im Gazastreifen an
JERUSALEM, 18.03.2025 (TM) – Die neue israelische Militäroffensive im Gazastreifen umfasste heute Dutzende von Luft- und Seeangriffen, die von Kampfjets, Hubschraubern und Drohnen ausgeführt wurden. Die primären Ziele waren nach Armeeangaben Hamas-Kämpfer und hochrangige politische Persönlichkeiten sowie Tunnelschächte, Waffenproduktionsstätten und Waffendepots. Die Operation erhielt den Namen „Stärke und Schwert“. Das von der Hamas kontrollierte „Gesundheitsministerium“ meldete am Abend mehr als 400 Tote. Nach Angaben des Roten Kreuzes sind die medizinischen Einrichtungen im Gazastreifen wegen der Vielzahl von Verletzten überlastet.
Minister Katz: Neue Spielregeln
Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Israel werde den Kampf gegen die Hamas vorerst nicht einstellen. Die Vermittler aus Ägypten und Katar hatten sich um eine erneute Waffenruhe bemüht. Katz: „Die Hamas muss erkennen, dass sich die Spielregeln geändert haben. Wenn sie nicht sofort alle Geiseln freilässt, werden sich die Tore der Hölle öffnen und sie wird sich der vollen Intensität der israelischen Streitkräfte in der Luft, zu Wasser und zu Lande ausgesetzt sehen, bis zu ihrer vollständigen Eliminierung“.

Der saudische Sender Al-Hadath berichtet, dass der Sprecher des militärischen Flügels der Terrorgruppe Palästinensischer Islamischer Dschihad (PIJ), der unter dem Decknamen Abu Hamza bekannt war, heute bei Luftangriffen getötet wurde. Außerdem berichtet der Sender, dass Hassan al-Naam Abu Ali, ein ranghohes Mitglied des PIJ, in Khan Younis ums Leben kam. Yasser Harb, ein Mitglied des politischen Büros der Hamas in Gaza, starb ebenfalls bei den heutigen Angriffen. Seine fünf Söhne, die dem militärischen Flügel der Hamas angehörten, waren zuvor in Gefechten getötet worden. Laut israelischer Armee wurden im Laufe des Tages mehrere weitere „Top-Repräsentanten“ der Hamas ausgeschaltet.
Am Abend gab es Sirenenalarm im Großraum Beersheva: Die Huthi-Rebellen aus dem Jemen hatten eine ballistische Rakete auf Israel abgefeuert. Sie wurde erfolgreich abgefangen.
Israel steht international am Pranger
International wurde Israel scharf kritisiert: Australien und China zeigten sich bestürzt, UN-Generalsekretär Antonio Guterres „geschockt“, Russland warnte vor einer Gewaltspirale, die Türkei warf Israel Völkermord vor. Harsche Kritik kam auch aus Irland, Ägypten, Katar, Saudi-Arabien, dem Iran, Jordanien, von der Palästinensischen Autonomiebehörde sowie von der EU.

Armeechef Eyal Zamir (Mitte), der Direktor des Shin Bet, Ronen Bar (rechts), und der Befehlshaber der Luftwaffe, Generalmajor Tomer Bar (links), haben in der unterirdischen Operationszentrale die nächtlichen Angriffe in Gaza befehligt. Foto: IDF
Die Partei Otzma Yehudit des ehemaligen Ministers für nationale Sicherheit Itamar Ben Gvir, kehrte heute, knapp zwei Monate nach ihrem Ausscheiden aus der Koalition, in die Regierung zurück. Ben Gvir hatte die Regierung wegen der Waffenstillstandsvereinbarung mit der Hamas verlassen.
Kritik und Lob von Geisel-Angehörigen
Das Forum der Geiseln und vermissten Familien kritisierte in einer scharfen Erklärung die Entscheidung der israelischen Regierung, die Kämpfe wieder aufzunehmen. „Die Behauptung, der Krieg werde wegen der Freilassung der Geiseln wieder aufgenommen, ist eine völlige Täuschung – der militärische Druck gefährdet die Geiseln und Soldaten“, so das Forum. Die größte Befürchtung der Familien, der Geiseln und der Bürger Israels habe sich bewahrheitet – „die israelische Regierung hat beschlossen, die Geiseln aufzugeben“, beklagten die Angehörigen und deren Freunde.
Unterdessen unterstützte das Tikva-Forum, dem ebenfalls Geisel-Verwandte angehören, die erneute Militäraktion als notwendigen Schritt, um die Hamas zu einem Abkommen zu zwingen: „Die letzten Wochen haben bewiesen, was wir die ganze Zeit gesagt haben – die Hamas wird niemals alle Entführten freiwillig zurückgeben. Nur massiver militärischer Druck, eine vollständige Belagerung mit Strom- und Wasserknappheit und die Besetzung von Gebieten, die zum Zusammenbruch der Hamas führen, werden sie dazu bringen, um einen Waffenstillstand und ein Abkommen zu betteln, das die Rückgabe aller Entführten auf einen Schlag vorsieht.“
Titelbild: Israelische Panzer heute an der Gazagrenze. Foto: Chaim Goldberg / Flash 90