
Militär veröffentlicht Untersuchung zu Sanitäter-Beschuss in Gaza: „Vorwurf der Hinrichtung ist grundlose Blutverleumdung“
JERUSALEM, 21.04.2025 (NH) – Das israelische Militär hat eine Zusammenfassung der Ermittlungen zu dem tragischen Vorfall veröffentlicht, bei dem medizinische Rettungsteams im Gazastreifen irrtümlich von israelischen Streitkräften beschossen wurden. Bei dem Vorfall am 23. März wurden 15 Palästinenser getötet. Sechs der Opfer waren Mitglieder der Hamas. Die Armee betont, dass die neun getöteten Mediziner und Unbeteiligten versehentlich erschossen und nicht „hingerichtet“ wurden, wie die internationale Presse schnell berichtete. „Jede andere Behauptung ist eine Verleumdung!“
Palästinenser bei drei verschiedenen Zwischenfällen getötet
Die mutmaßliche Ermordung palästinensischer Sanitäter im Gazastreifen hat weltweit Entsetzen ausgelöst. Nun veröffentlicht das israelische Militär die Ergebnisse einer komplexen Untersuchung, die sich auf Befragungen, Einsatzaufnahmen, eine Rekonstruktion des Tatorts und die Aussage eines palästinensischen Sanitäters stützt, der den Vorfall überlebt hat. Die Ergebnisse deuten auf eine Reihe von Fehleinschätzungen und Fehlidentifizierungen hin. Der Zwischenfall, bei dem insgesamt 15 Palästinenser getötet wurden, setzt sich laut der militärischen Untersuchung aus drei verschiedenen Szenarien zusammen.
In der Nacht zum 23. März bereiteten israelische Bodentruppen die Evakuierung der Zivilbevölkerung im nördlichen Stadtteil Tel as Sultan von Rafah vor. Um die Flucht der Terroristen unter den Unschuldigen zu verhindern, legten die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) in diesem Viertel einen Hinterhalt.
Hamas-Polizei und Krankenwagen
Gegen 4 Uhr morgens eröffnete die Armee das Feuer auf ein Fahrzeug, das als Polizeiauto der Hamas identifiziert wurde. Zwei Palästinenser wurden durch den Beschuss getötet, eine dritte Person überlebte. Nach einem kurzen Verhör wurde die dritte Person als Hamas-Kämpfer identifiziert. Nach dem Vorfall verstärkte die Armee die Annahme von „feindliche Präsenz“ in dem Viertel. Zur gleichen Zeit passierten andere Fahrzeuge mit Blaulicht die Straße, ohne dass auf sie geschossen wurde, was beweist, dass die IDF nicht, wie in der Weltpresse behauptet, wahllos auf Rettungsfahrzeuge schießt.
In einem anderen Fall identifizierten die Soldaten ein Feuerwehrfahrzeug, das sich mit hoher Geschwindigkeit auf die Truppen zubewegte, fälschlicherweise als Lastwagen. Die Soldaten sahen durch Nachtsichtgeräte, dass Verdächtige nur 20 Meter von den Truppen entfernt fragwürdige Gegenstände aus dem Fahrzeug luden und zusammenbauten. Die Unbekannten wurden als Terroristen identifiziert und die israelischen Verteidigungskräfte eröffneten das Feuer. Erst als die Streitkräfte am Tatort eintrafen, stellte sich heraus, dass es sich um Sanitäter handelte. Die Truppen nahmen eine Person zum Verhör fest und verließen den Ort nach nur vier Minuten wieder. In ausländischen Medien wurde behauptet, die Getöteten seien nach dem Schusswechsel gefesselt und geknebelt worden, eine weitere Person sei verschwunden. Die Ermittlungen ergaben, dass der Zeitraum der Schüsse diese Behauptung zeitlich und örtlich nicht zulässt. Der Festgenommene wurde nach seiner Vernehmung wieder freigelassen. Bei den ersten beiden Vorfällen wurde das Feuer aufgrund von Identifizierungsfehlern der Truppe eröffnet.

Beschuss eines UN-Fahrzeugs
Bei einem dritten Vorfall wurde ein palästinensisches UNRWA-Fahrzeug fälschlicherweise als verdächtig identifiziert. Nach dieser Fehleinschätzung eröffneten die Streitkräfte das Feuer, wobei ein UNRWA-Mitarbeiter getötet wurde. Das Feuer wurde entgegen dem Befehl während einer Kriegssituation eröffnet.
Fünfzehn Palästinenser, darunter sechs Hamas-Terroristen, kamen bei den drei genannten Vorfällen ums Leben. Um die Evakuierung der palästinensischen Zivilbevölkerung aus dem Viertel nicht zu verzögern, wurde im Morgengrauen beschlossen, die Leichen an den drei Tatorten einzusammeln und abzudecken, sowie die Fahrzeuge zu entfernen. Die militärische Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass die Evakuierung der Leichen angemessen war, während die Fahrzeuge, auf die geschossen wurde, nicht hätten beseitigt werden dürfen. Die IDF betont, sie habe nicht versucht, den Vorfall zu vertuschen, die Unfälle seien hingegen mit internationalen Organisationen und den Vereinten Nationen besprochen worden. Unter anderem, um die Bergung der Toten zu koordinieren. Das Militär räumte jedoch ein, es sei versäumt worden, die Vorfälle vollständig zu melden.
Blutverleumdungen gegen IDF-Soldaten
Die Erkenntnisse der Untersuchung zeigen, dass alle drei Ereignisse in aktiven feindlichen Kampfgebieten stattfanden und sich die israelischen Bodentruppen aufgrund der eingeschränkten Nachtsicht bedroht fühlten. Die israelischen Verteidigungsstreitkräfte betonten zudem, in dem betroffenen Gebiet seien bereits zuvor Krankenwagen von der Hamas für terroristische Zwecke missbraucht worden. Die Armee drückte ihr tiefes Bedauern über den „Schaden, der unbeteiligten Zivilisten zugefügt wurde“ aus und erklärte, sie habe „die Protokolle präzisiert und verschärft, um Sanitäter und medizinische Teams auch in Gebieten mit hoher Kampfintensität zu schützen“, weiter wurde der befehlshabende stellvertretende Kommandeur der Aufklärungseinheit der Golani-Brigade von seinem Amt enthoben. Es gebe jedoch keine Beweise für die Misshandlung von Opfern vor oder nach dem Beschuss. „Das sind Gerüchte und blutige Verleumdungen gegen IDF-Soldaten“.
Titelbild: Bereits in der Vergangenheit hat die Terrororganisation Krankenwagen für terroristische Zwecke missbraucht. Dennoch will das Militär die Protokolle verschärfen. Foto: Abed Rahim Khatib/ Flash90