
Marsch der Lebenden 2025: Gedenken und Appell zur Befreiung der Geiseln
von Alon David
AUSCHWITZ / JERUSALEM, 27.04.2025 – Rund 12.000 Menschen haben sich zum diesjährigen „Marsch der Lebenden“ in Auschwitz-Birkenau versammelt. Die Gedenkveranstaltung findet seit 1988 jedes Jahr am israelischen Holocaust-Gedenktag Yom HaShoah statt. In diesem Jahr stand der 80. Jahrestag der Befreiung des Lagers im Mittelpunkt.
Unter den Teilnehmern waren 80 Holocaust-Überlebende sowie befreite Geiseln aus Gaza und Angehörige der noch in Gefangenschaft befindlichen 59 Geiseln. Phyllis Greenberg Heideman, Präsidentin des „March of the Living“, würdigte die Überlebenden: „Ihr seid unsere Helden. Euer Erbe wird weiterleben.“
Der Marsch führte über 3,5 Kilometer vom Stammlager Auschwitz I nach Birkenau. Delegationen aus 40 Ländern – darunter Israel, die USA, zahlreiche europäische Staaten sowie Vertreter aus Lateinamerika, Afrika und dem Pazifikraum – waren vertreten.
Stimmen der Überlebenden und Befreiten
Eli Sharabi, der nach fast 500 Tagen Geiselhaft aus Gaza befreit wurde, sprach bewegend: „Das jüdische Volk wird für immer existieren. Wir wählen das Leben.“ Auch Gadi Mozes und Agam Berger, beide ehemalige Geiseln, erinnerten an die 59 Vermissten. Mozes‘ Tochter betonte: „Unsere Heilung beginnt erst mit ihrer Rückkehr.“
Holocaust-Überlebender Michael Kupershtein, Großvater eines entführten Israelis, sprach in den Gaskammern: „Unser Volk ist stark. Du wirst überleben.“
Politische Botschaften
Israels Präsident Isaac Herzog forderte internationale Unterstützung: „Die Rückkehr der Geiseln ist ein menschliches Gebot.“ Auch Polens Präsident Andrzej Duda warnte vor dem Schweigen angesichts von Hass und Antisemitismus.

Unter den Teilnehmern waren viele junge Leute, eingehüllt in israelische Flaggen. Foto: Alon David
Am Ende des Marschs legten Teilnehmer Erinnerungsstücke auf die Schienen von Birkenau. Befreite Geiseln wie Keith Seigel riefen dazu auf, die noch Verschleppten nicht zu vergessen. Im strömenden Regen erklangen jüdische Lieder, gespielt auf einer Geige aus der Zeit des Holocausts.
Ein Ruf für heute
Der Marsch der Lebenden 2025 war mehr als ein Erinnern: Er war ein Aufruf, Antisemitismus und Terror entschieden entgegenzutreten und Solidarität mit Israel und den Geiseln zu zeigen.
Titelbild: Die Marschteilnehmer, darunter Holocaust-Überlebende und aus dem Gazastreifen befreite Geiseln, am Tor des Lagers Auschwitz. Foto: Alon David
Der Autor ist freier Journalist aus Israel und lebt unmittelbar an der Grenze zum Libanon.