
„Die britische Division der Hamas“ – wie Milliarden aus dem Vereinigten Königreich direkt an die Terrororganisation fließen
JERUSALEM, 27.05.2025 (NH) – Die Terrororganisation Hamas hat in den letzten 18 Jahren ihre militärische Infrastruktur mithilfe von „humanitären Spendengeldern” ausgebaut. Neben muslimischen Terrorunterstützern scheint das Vereinigte Königreich „die Finanzhauptstadt der Hamas im Westen“ zu sein. Eine besorgniserregende Recherche des israelischen Nachrichtensenders Channel 12 hat jetzt die Operationen der Hamas in Großbritannien offengelegt. Demnach sollen hochrangige Komplizen der Organisation, die die britische Staatsbürgerschaft besitzen, ungehindert riesige Geldsummen für die Terrororganisation sammeln und verwalten. Bei der Terrorfinanzierung handelt es sich dabei nicht nur um Spenden, sondern auch um Regierungsgelder. Laut der Reportage flossen Millionen Pfund in den militärischen Flügel der Hamas und finanzierten gar das Massaker vom 7. Oktober. Wer glaubt, die britische Regierung habe den Geldhahn zugedreht, irrt: Bis heute fließt die Finanzierung des Terrors in die Enklave.
Finanzhauptstadt der Hamas im Westen
Die Reportage von Channel 12 scheint das israelische Verteidigungsestablishment jedoch nicht zu erschüttern. Sicherheitskräfte erklären, Großbritannien sei neben muslimischen Spenderländern zu einem der drei weltweit führenden Länder geworden, was das Spendenvolumen an die Terrororganisation angeht. Der Verteidigungsapparat nennt das Vereinigte Königreich gar „die britische Division der Hamas”.
Oz Noy, der ehemalige Chef des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, der auch für dessen Aktivitäten im Ausland zuständig war, erklärt, die Hamas habe in Großbritannien ausgeklügelte Finanzinstitute entwickelt, die Terrorgelder überweisen, waschen und sogar Profit erwirtschaften. „Es handelt sich um Wirtschaftsunternehmen, die unter dem Deckmantel humanitärer Hilfe Gelder sammeln und so die Aktivitäten der Hamas im Gazastreifen, in Judäa und Samaria und auf der ganzen Welt unterstützen.“ Udi Levy, der ehemalige Leiter der Mossad-Abteilung zur Bekämpfung der Terrorfinanzierung, fügt hinzu, dass England nach dem 7. Oktober das wichtigste Land für die Terrororganisation im Westen ist und weiterhin Gelder an die Hamas überweist. Laut Schätzungen aus den USA gelang es der Hamas im Jahr 2024, monatlich etwa 10 Millionen Dollar von Wohltätigkeitsorganisationen in Europa zu sammeln, wobei der Großteil als Spenden für humanitäre Zwecke getarnt ist.

„Koalition der Gerechtigkeit”
Ihre Ursprünge liegen im Jahr 2001, als unter der Führung von Scheich Yusuf al-Qaradawi, der Selbstmordattentate gegen Israelis unterstützte, die Stiftung Koalition der Gerechtigkeit gegründet wurde. Diese „humanitäre“ Terror-Koalition vereinte rund 50 private Wohltätigkeitsorganisationen, die gemeinsam Hunderte Millionen Dollar sammelten, um die Terroranschläge der Hamas während der zweiten Intifada zu finanzieren. Zwar wurde die Koalition der Gerechtigkeit verboten, doch die wichtigsten Stiftungen, die unter ihr in England tätig waren, setzten ihre Aktivitäten uneingeschränkt fort.
In die blutigen Terrorfonds sind nicht nur private Wohltätigkeitsstiftungen involviert. Die Reportage von Channel 12 deckt auf, dass die britische Regierung im Rahmen eines vermeintlichen „humanitären Unterstützungsplans für die besetzten palästinensischen Gebiete” wissentlich Dutzende Millionen Pfund direkt an die Hamas übergibt. „Die finanzielle Unterstützungskomponente soll in Abstimmung mit dem Ministerium für soziale Entwicklung (MoSD) umgesetzt werden, das den Behörden in Gaza angehört – UNICEF plant eine enge Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium“, heißt es in einem Dokument des britischen Außenministeriums aus dem Jahr 2022.
Doch das besagte palästinensische Ministerium für soziale Entwicklung in Gaza, welches für die Verwaltung der britischen Regierungsgelder zuständig ist, wird von keinem Geringeren als dem hochrangigen Hamas-Funktionär Ghazi Hamad geleitet. Hamad war nicht nur am Gilad-Shalit-Deal beteiligt, sondern erklärte auch öffentlich in den Medien, dass „die Hamas die Massaker vom 7. Oktober immer und immer wieder verüben wird”. In der Vergangenheit diente er als Berater des Chefs des militärischen Flügels der Hamas (Ahmed Jabari), war stellvertretender Außenminister und gar Sprecher der Terrororganisation.
Auch nach dem 7. Oktober überdachte die britische Regierung ihre Spendenpraxis nicht. So erklärte UNICEF im März 2024, dass sich „die Partnerschaft mit dem MoSD-Ministerium nach dem 7. Oktober gestärkt hat” und das humanitäre Geldtransferprogramm im Gazastreifen „mit der großzügigen Unterstützung des britischen Außenministeriums ermöglicht wurde”.

Britische Schlüsselfiguren im Auftrag der Hamas
Doch wer genau leitet neben der Regierung „die Finanzhauptstadt der Hamas im Westen”? Channel 12 deckte vier wichtige Schlüsselfiguren der britischen Terrorfinanzierung auf.
Chef der Europa-Arena der Hamas ist Al-Zir, ein Palästinenser aus Hebron, der nach Großbritannien zog und die britische Staatsbürgerschaft erhielt. Al-Zir leitete die in London ansässige Wohltätigkeitsorganisation Palestinian Return Center, die der Hamas untersteht, und ist einer der Akteure riesiger Pro-Palästina-Demonstrationen in Europa. In vielen Videos ist der „Engländer” zusammen mit den Hamas-Führern Ismail Haniyeh und Khaled Mashaal zu sehen. Al-Zir, der auf der „Wanted-Liste” der USA und Israels steht, lebt heute in Deutschland.
Eine zweite Terrorfigur ist Zaher Birawi. Er koordiniert als Oberhaupt die britische Arena der Hamas und war Vorsitzender des besagten Palestinian Return Centers in London. Laut dem israelischen Inlandsgeheimdienst ist Birawi „die zentrale Hamas-Figur, die heute in Großbritannien sitzt“.
Ein weiterer Akteur im Vereinigten Königreich ist Issam Yusef Mustafa. Er leitet die Interpal-Stiftung, einen palästinensischen Wohlfahrts- und Entwicklungsfonds, der als wichtigste Geldquelle für die Hamas in Europa gilt. In Israel wird die Stiftung als terroristische Organisation eingestuft, in den Vereinigten Staaten steht sie unter Sanktionen – nur in Großbritannien kann die Interpal-Stiftung ihre Aktivitäten uneingeschränkt ausüben.
Der vierte Terrorist ist Muhammad Sawalha. Er ist einer der Gründer des militärischen Flügels der Hamas im Westjordanland und war Mitglied des Politbüros der Hamas. Laut dem Mossad war Sawalha in den 1990er Jahren einer der bedeutendsten Agenten des militärischen Flügels der Hamas.
Die Enthüllungen über die Finanzierungsnetzwerke der Hamas in Europa sind zwar eine positive Entwicklung, doch andererseits besteht Anlass zu großer Sorge, dass es viel mehr Verborgenes gibt, als bis dato enthüllt wurde.
Titelbild: Palästinensische Hamas-Kämpfer bei einer anti-israelischen Militärshow im Süden des Gazastreifens. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90