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Tel Aviver Forscher zeigen: Pflanzen und Insekten können miteinander „sprechen“

TEL AVIV, 16.07.2025 (TPS/BF) – Eine bahnbrechende Entdeckung aus Israel sorgt für Aufsehen in der weltweiten Wissenschaftsszene: Erstmals wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass Pflanzen und Tiere akustisch miteinander kommunizieren. An der Tel Aviver Universität (TAU) dokumentierte ein interdisziplinäres Forscherteam, dass weibliche Motten Ultraschallsignale von gestressten Pflanzen wahrnehmen und ihr Verhalten gezielt danach ausrichten. Die Ergebnisse sind soeben in der renommierten Fachzeitschrift eLife veröffentlicht worden.

Ein Konsortium aus der Zoologie unter Prof. Yossi Yovel und der Pflanzenwissenschaft unter Prof. Lilach Hadany erforschte in Zusammenarbeit mit dem Volcani-Institut erstmals den Dialog zwischen Flora und Insekten.

Ultrakurz-Signal aus der Pflanzenwelt

Bereits 2023 entdeckte das TAU-Team, dass gestresste Tomaten- und Tabakpflanzen, etwa bei Wassermangel oder Verletzungen, Ultraschallgeräusche erzeugen. Diese entstehen, wenn winzige Luftblasen in den Wasserleitungsbahnen der Pflanze platzen.
Diese für Menschen unhörbaren Klickgeräusche konnten in kontrollierten Laborexperimenten akustisch aufgezeichnet und charakterisiert werden.

Motten nutzen Stresssignale bei der Eiablage

Aufbauend auf dieser Entdeckung entwickelten die Forscher die Hypothese, dass Tierarten mit entsprechendem Hörvermögen, wie bestimmte Motten, solche Signale wahrnehmen und daraus Entscheidungen ableiten könnten.

Tomaten geben für Menschen unhörbare Knackgeräusche von sich, wenn es ihnen schlecht geht. Foto: Sarah Schuman/ Flash90

In einem raffinierten Versuchsaufbau traten weibliche Motten in zwei Kammern gegeneinander an: In der einen spielte ein Lautsprecher Ultraschallaufnahmen gestresster Tomatenpflanzen, in der anderen herrschte Stille. Die Motten legten deutlich häufiger ihre Eier in der Kammer ab, die keinen Stresssound abspielte. Wurde ihr Hörvermögen gezielt ausgeschaltet, fiel der Unterschied weg.

Im nächsten Versuch standen in beiden Kammern gesunde Tomatenpflanzen. In einer davon wurde zusätzlich der Ultraschallton abgespielt, den gestresste Pflanzen erzeugen. Auch hier vermieden die Motten den Bereich, in dem das Stresssignal erklang. Um sicherzugehen, dass die Geräusche pflanzlichen Ursprungs waren, wurde Lärm von männlichen Motten abgespielt. Dies zeigte keinen Einfluss auf das Eiablageverhalten.

Potenzial für nachhaltige Landwirtschaft

Prof. Yovel kommentierte: „Wir zeigen erstmals, dass Tiere aktiv auf pflanzliche Schallsignale reagieren.“ Hadany ergänzte: „Die Motten suchen gesunde Pflanzen, gestresste Signale wirken als Warnsignal.“

Diese Erkenntnisse könnten die Landwirtschaft verändern. Möglicherweise lassen sich künftig Bewässerungs- oder Pflanzenschutzmaßnahmen gezielt durch akustische Reize steuern, non-invasiv, wirtschaftlich und umweltfreundlich. Denkbar sind akustische Sensoren, Roboter oder Bewässerungssysteme, die auf pflanzliche Signale reagieren.

Die TAU-Forschenden betonen, dass dies lediglich ein erster Schritt in einem umfassenden, noch weitgehend unbekannten Forschungsfeld ist. Die Wissenschaftler sind überzeugt, dass Pflanzen mit zahlreichen Tierarten über Schallsignale kommunizieren. Dieses Feld ist noch weitgehend unerforscht.

Blick in die Zukunft

Die Forscher planen bereits Folgeprojekte. Sie wollen untersuchen, wie Nagetiere oder Fledermäuse auf pflanzliche Ultraschallsignale reagieren und ob Pflanzen durch ihr Signalverhalten ökologische Wechselwirkungen steuern können.

Die belegte akustische Kommunikation zwischen Pflanzen und Insekten markiert einen Paradigmenwechsel. Sie schafft eine neue Perspektive auf ökologische Beziehungen und könnte innovative, nachhaltige Anwendungen in Landwirtschaft, Umweltschutz und Robotik ermöglichen.

Titelbild: Prof. Yossi Yovel (links) and Prof. Lilach Hadany erforschen die Kommunikation von Pflanzen. Foto: TAU

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