
US-Botschafter Huckabee fordert „harte Konsequenzen“ nach Attacke auf Kirche in Taybeh und prangert Visaprobleme für Christen an
JERUSALEM 20.07.2025 (LS) – Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, hat am Samstag die christlich-palästinensische Stadt Taybeh im sogenannten Westjordanland besucht, die in den letzten Wochen Schauplatz mehrerer Angriffe von radikalen Siedlern war.
Die Einwohner von Taybeh und lokale Kirchenführer erklärten, die Stadt habe in letzter Zeit einen Anstieg der Schikanen durch Siedler erlebt. Sie verwiesen auf einen Brandanschlag, der ihrer Aussage nach von extremistischen Siedlern verübt worden sei und sich letzte Woche neben den Ruinen der St.-Georgs-Kirche in der Stadt ereignet habe.
Starke Worte
„Die Schändung einer Kirche, Moschee oder Synagoge ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gegen Gott“, schrieb Huckabee am Samstag auf X nach seinem Besuch in Taybeh.
„Ich arbeite für ALLE amerikanischen Bürger, die in Israel leben – Juden, Muslime oder Christen. Wenn sie terrorisiert oder Opfer von Verbrechen werden, werde ich fordern, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und mit echten Konsequenzen rechnen müssen“, fügte er hinzu.
In einer separaten Erklärung des Außenministeriums verurteilte Huckabee den Brandanschlag als „Terrorakt“ und forderte „harte Konsequenzen“ für die Täter.
Aufruhr über Visavergabe
Zuvor hatte Huckabee sich stark gegen scheinbare Probleme bei der Visavergabe an christliche Organisationen ausgesprochen. Innenminister Moshe Arbel erklärte jedoch, die derzeitige Visavergabe verliefe problemlos und jede Anfrage werde wie abgesprochen zügig bearbeitet.
In einem scharf formulierten Brief an Moshe Arbel hatte der US-Botschafter seine Unzufriedenheit über die angebliche Weigerung Israels zum Ausdruck gebracht, Sammelvisas an einige christliche Organisationen zu vergeben. Huckabee schrieb: „Es wäre bedauerlich, wenn wir gezwungen wären, öffentlich bekanntzugeben, dass Israel diese Gruppen schikaniert und ihnen gegenüber eine negative Haltung einnimmt.“ Er schloss mit einer deutlichen Warnung: „Sollte dies so weitergehen, werde ich keine andere Wahl haben, als Gegenmaßnahmen gegen israelische Staatsbürger zu erwägen, die ein US-Visum beantragen.“
Der Brief, einer der schärfsten, den ein US-Botschafter jemals an einen israelischen Offiziellen geschickt hat, wurde auch an mehrere hochrangige israelische Politiker weitergeleitet, darunter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Präsident Isaac Herzog, Außenminister Gideon Sa’ar und Knesset-Sprecher Amir Ohana.
Innenminister bestreitet Visaprobleme
Innenminister Moshe Arbel erklärte in einer direkten Antwort an Huckabee, es gebe keine Probleme bei der Erteilung der Visa. Die Bearbeitung der Anträge weiche nicht von früheren Vereinbarungen ab. Er fügte hinzu: „Ich war von Ihrer Nachricht überrascht, und die von Ihnen gewählte Vorgehensweise überschreitet die üblichen diplomatischen Normen.“
Arbel erklärte weiter: „Angesichts der direkten und kontinuierlichen Kommunikation zwischen meinem Büro und Ihrem sowie der raschen Bearbeitung jeder Anfrage war ich überrascht, dass Ihre Behauptungen in dieser Form vorgebracht wurden, insbesondere Ihre Entscheidung, das Schreiben an mehrere hochrangigen Offiziellen zu senden, ohne mich zuvor direkt zu kontaktieren. Meiner Ansicht nach geht dieses Vorgehen über die üblichen Normen hinaus und entspricht nicht den konstruktiven Beziehungen, die wir aufgebaut haben.“
Titelbild: Mike Huckabee, US-Botschafter in Israel. Foto: Chaim Goldberg/Flash90