
Archäologischer Fund nahe Tempelberg: Münze „Für die Erlösung Zions“ entdeckt
JERUSALEM, 1.8.2025 (BF) – In unmittelbarer Nähe des Tempelbergs haben israelische Archäologen eine seltene Bronzemünze aus der Zeit des jüdischen Aufstands gegen Rom entdeckt. Geprägt wurde sie im Jahr 69 oder 70 nach Christus, inmitten einer Zeit, die von Verzweiflung, religiösem Eifer und wachsender Hoffnung auf göttliches Eingreifen geprägt war. Ihre Inschrift lautet: „Für die Erlösung Zions“.
Der Fund erfolgte im Rahmen von Ausgrabungen in einem archäologischen Garten an der Südwestkante des Tempelbergareals. Die Münze ist in einem bemerkenswert guten Zustand und zeigt auf einer Seite einen Kultkelch und auf der anderen Seite zwei Etrogim und einen Palmzweig, die die Symbole des jüdischen Laubhüttenfests Sukkot darstellen. Die Worte „Jahr vier“ datieren sie eindeutig auf das vierte Jahr der Großen Revolte gegen Rom.
Diese Münzen unterscheiden sich laut Numismatiker Yaniv David Levy deutlich von früheren Ausgaben. Statt „Für die Freiheit Zions“, wie es zuvor hieß, trugen sie nun die Formel „Für die Erlösung Zions“. Diese Veränderung ist mehr als nur semantisch. Sie spiegelt einen tiefen Wandel im Denken und in der Gefühlslage der damaligen jüdischen Kämpfer wider.
Vom Aufbruch zur letzten Hoffnung
„Die Wortwahl deutet auf eine psychologische Wende hin“, erklärt Dr. Yuval Baruch, der seit über 25 Jahren an der Stätte forscht. „Anstelle des revolutionären Optimismus der ersten Jahre sehen wir nun eine Sehnsucht nach Rettung. Die Stimmung hatte sich gewandelt, vom Ruf nach Freiheit zum Flehen um Erlösung.“
Die Entdeckung erfolgte nur wenige Tage vor Tischa beAv, dem jüdischen Trauertag, an dem der Zerstörung der beiden Tempel in Jerusalem gedacht wird. Für Israels Kultusminister Amichai Eliyahu ist das kein Zufall. „Diese Münze drückt den über Generationen hinweg gehenden Wunsch nach Erlösung, nach Wiederaufbau, nach freier Stadt Jerusalem aus“, sagte er. „Zweitausend Jahre später finden wir erneut Zeugnisse unserer tiefen Wurzeln hier.“
Archäologin Esther Rakow-Mellet, Co-Direktorin der Grabung, sprach von einem bewegenden Moment, als die verschmutzte Münze gereinigt wurde und ihr wahrer Inhalt sichtbar wurde. In ihren Augen ist der Fund ein „Gruß aus der Vergangenheit“, der mitten in die Gegenwart spricht.
Eine Botschaft für heute
Dass dieser archäologische Fund genau jetzt ans Licht kommt, macht ihn besonders bedeutsam. In einer Zeit, in der Jerusalem politisch, religiös und kulturell umstritten ist, erinnert die Münze daran, wie tief die jüdische Geschichte in dieser Stadt verankert ist. Ihre Botschaft ist nicht triumphal, sondern demütig. Sie erzählt von Menschen, die am Rand des Untergangs standen und die doch an Rettung glaubten.
„Diese Münze ist nicht nur ein Stück Metall“, sagt Yuval Baruch. „Sie ist ein stiller Zeuge eines dramatischen Umbruchs. Und sie ist ein Symbol für die Verbindung zwischen Glaube, Identität und Land.“
Titelbild: Die kleine Münze mit großer Aussage. Der Fund soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Foto: Yoav Dudkevitch / TPS-IL