
Tischa BeAv – der zerstörte Tempel und Napoleons Vorhersage
JERUSALEM, 01.08.2025 (LS) – Tischa BeAv, der 9. Tag des hebräischen Monats Av (dieses Jahr am 3. August 2025), ist der traurigste Tag im jüdischen Kalender, an dem das Volk fastet, sich kritisch hinterfragt und betet. Der Fastentag dauert 24 Stunden und beginnt bereits am Vorabend bei Sonnenuntergang. Dieses Jahr beginnt der Trauertag daher direkt nach diesem Schabbat am Abend des 2. Augusts. Tischa BeAv ist der Höhepunkt und Abschluss der drei Trauerwochen, in denen Juden der Zerstörung des Heiligen Tempels in Jerusalem gedenken.
Die Wochen der Trauer
Die „drei Wochen der Trauer“ zwischen dem 17. Tammus und 9. Av sind historisch gesehen Tage des Unglücks und des Unheils für das jüdische Volk. In dieser Zeit wurden unter anderem der Erste und der Zweite Tempel zerstört.
Diese Tage werden in Anlehnung an den Vers beschrieben: „Alle ihre Verfolger haben sie eingeholt mitten in ihren Nöten.“ (Klagelieder 1:3).
Während dieser Zeit beachtet das jüdische Volk verschiedene Aspekte der Trauer. Freude und Feierlichkeiten werden auf ein Minimum reduziert – es finden keine Hochzeiten statt, es wird keine Musik gehört, und es wird weder die Haare geschnitten noch rasiert. Die Trauerbekundungen werden mit dem Herannahen des Fastentages Tischa BeAv immer intensiver.
Aufarbeitung der Vergangenheit
Das Aufarbeiten der Trägodien in der jüdischen Geschichte soll dem Volk helfen, die spirituellen Defizite zu überwinden, die zu diesen tragischen Ereignissen geführt haben. Durch den Prozess der „Teschuwa“ – Selbstreflexion und die Verpflichtung zur Besserung – haben wir die Kraft, Tragödien in Freude zu verwandeln. Tatsächlich sagt der Talmud, dass diese Tage der Trauer nach der zukünftigen Erlösung Israels und dem Wiederaufbau des Tempels zu Tagen der Freude und des Festes werden.
Es wird erzählt, dass Napoleon an einem Tischa BeAv durch die Straßen von Paris ging. Als er an einer Synagoge vorbeikam, hörte er Trauergesänge und Weinen. „Was ist hier los?“, erkundigte er sich verwundert. Ein Adjutant erklärte ihm, die Juden trauerten um den Verlust ihres Tempels. „Wann ist das geschehen?“, fragte Napoleon. Der Adjutant antwortete: „Vor etwa 1700 Jahren“. Napoleon soll geantwortet haben: „Ein Volk, das so lange um den Verlust seines Tempels trauert, wird es sicherlich verdienen, ihn wieder aufgebaut zu sehen!“
Titelbild: Jüdische Männer beten an Tischa BeAv in der Altstadt von Jerusalem. Foto: Chaim Goldberg/Flash90